Elektronen statt Photonen Kameraloser Ansatz für Gestensteuerung von Exceet Electronics

Eine neu Methode der Gestenerkennung wurde kürzlich vom Schweizer Elektronikhersteller Exceet am Markt eingeführt. Sie basiert auf der Messung und Auswertung elektrischer Feldstärkeänderungen und kommt, anders als beim kamerabasierten Ansatz, ohne Sichtverbindung aus.

Die Steuerung vom Schweizer Elektronikhersteller Exceet Electronics basiert auf der Tatsache, dass die Bewegungen eines Menschen in einem elektrischen Feld Veränderungen der Feldstärke erzeugen, die in charakteristischer Weise vom Bewegungsverlauf abhängen. Messtechnisch kann so zwischen verschiedenen Gesten differenziert werden. Praktisch baut die Steuerung ein definiertes elektrisches Feld auf und misst kontinuierlich dessen Feldstärke. Eine geeignete Schaltung wandelt registrierte Änderungen in ein Eingangssignal für die Gerätesteuerung um. Mit dieser Methode wird eine Geste in einem Abstand von 10 bis 15 cm vom Empfänger zuverlässig erkannt.

Unterdrückung statischer Störeffekte inklusive
Da nur Änderungen einen Steuerimpuls auslösen, werden statische Störeffekte automatisch unterdrückt. Wo beispielsweise Schmutz oder Wasser auf einer Kameralinse oder einer Photodiode die Gestenerkennung beeinträchtigen, funktioniert der Ansatz über die Feldstärke störungsfrei. Eine Sichtverbindung ist nicht nötig, sodass die Gestensteuerung vollständig in einer Schutzhülle aus nichtleitendem Material eingehaust und an sehr schmutzanfälligen Orten (z.B. Produktionshallen, Lackierkammern) installiert werden kann.
Exceet selbst sieht einen Markt im Automobilsektor, der Medizintechnik und dem Gesundheitswesen.

Im Operationssaal könnte z.B. der Chirurg Diagnosegeräte und elektrische OP-Werkzeuge zu einem Teil berührungslos steuern, sodass weniger Reinigungsaufwand bei der anschließenden Desinfektion und Sterilisation entsteht. Berührungsloses Händewaschen ist in der chirurgischen Sterilisation bereits fest etabliert; hier ist die Wasserhahn-Steuerung für Exceet ein weiteres potenzielles Anwendungsgebiet.
Im Automobilsektor wird seit Jahren darüber nachgedacht, wie Fahrern eine möglichst ablenkungsfreie Instrumentenbedienung geboten werden kann. In diesem Zusammenhang werden Gestensteuerungen hoch gehandelt. In einigen Modellen können Fahrer bereits das Radio, das Schiebedach oder die Heckklappe per Hand- oder im Falle der Heckklappe per Fußbewegung bedienen. Den bestehenden Lösungen möchte Exceet gerne Konkurrenz machen.
Gerade auf dem interessanten Smart­phone-Markt wird dies vermutlich nicht gelingen, wie Exceet selbst prognostiziert. Zwar gibt es viele interessante Anwendungsmöglichkeiten, aber die integrierte Kamera übernimmt so viele weitere Aufgaben, dass ihr durch den neuen und kostengünstigeren Ansatz keine ernsthafte Konkurrenz droht.