Sensor+Test 2018 Innovationen für die Medizintechnik

Die Messtechnikbranche trifft sich.
Die Messtechnikbranche trifft sich.

Wer sich in Bereich Sensorik, Mess- und Prüftechnik auf den aktuellen Stand der Technik bringen will, sollte die Sensor+Test Ende Juni in Nürnberg besuchen. Die Aussteller haben eine Reihe von neuen Produkten im Gepäck. Etliche Komponenten zielen auf Medizinelektronik ab.

Etwa einen Monat später als gewohnt: Die Sensor+Test findet 2018 vom 26. - 28. Juni auf dem Nürnberger Messegelände statt. Der AMA-Verband für Sensorik und Messtechnik erwartet etwa 580 Aussteller und 9000 Besucher.

Fokus vernetzte Messtechnik

Der Fokus der Messe liegt auf vernetzter Messtechnik im Umfeld der Industrie 4.0. Auf der Ausstellerfläche des Themenparks »Digitale Transformation« werden Besucher zu diesem Thema vermehrt junge und innovative Unternehmen antreffen, denn der Messeveranstalter bietet Start-ups unter zehn Jahren einen staatlich geförderten Messeauftritt mit 60 Prozent Kostenübernahme.

Begleitend zur Fachmesse gibt es mit der ITG/GMA-Fachtagung »Sensoren und Messsysteme« und der ETTC, European Test and Telemetry Conference, gleich zwei hochkarätig besetzte Kongresse. Letztere findet in Halle 2 statt, in den weiteren Hallen 1 und 5 zeigen Aussteller über die drei Veranstaltungstage hinweg in Fachforen neue Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten für Sensor- und Messtechnik. Auf der Aktionsfläche im Messepark werden Mitfahrten in instrumentierten Testfahrzeugen angeboten.

AMA-Innovationspreis

Ein Highlight für Anwender und Entwickler ist die Verleihung des AMA-Innovationspreises, den der AMA-Verband für Sensorik und Messtechnik jährlich verleiht. Die Verleihung der 10.000 Euro Preisgeld zeigen, dass hier die Leistung der Entwickler im Vordergrund steht, denn das Geld geht direkt an das Entwickler-Team und nicht an die dahinter stehenden Firmen oder Institute.

Zusätzlich wird ein Preis für das beste junge Unternehmen im Wettbewerb vergeben. Die wichtigsten Beurteilungskriterien für die Jury, die sich aus Vertretern von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Firmen zusammensetzt, sind der Grad der Innovation und der Mehrwert für den Anwender. Insgesamt vier Teams sind in diesem Jahr nominiert:

  • Bosch Sensortec – miniaturisierter chemischen Gassensor, BME680.
  • Endress+Hauser Flowtec – Coriolis Durchflussmessgerät mit Multifrequenz-Technologie, Promass Q.
  • Sensirion – Siloxan-resistenter Multipixel-Gassensor, SGP.
  • Endress+Hauser und TU Illmenau – Selbstkalibrierendes Thermometer, itherm TrustSens.

Sonderpreis für junge Unternehmen

Drei Sonderpreise für junge Unternehmen wurden bereits in Form eines kostenfreien Messeplatzes verliehen. Bewerben konnten sich Unternehmen, die nicht länger als fünf Jahre am Markt sind, weniger als zehn Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften und weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Die Gewinner sind:

CeLaGo Sensors und Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes – Dünnschicht-Folien-DMS.

Senvisys – Effiziente Sicherung von Bahnübergängen durch Vibrationsanalyse.

HygNova – Kontrollsystem für Desinfektion im Krankenhaus, HygNova Advanced.

 

Winziger, konfigurierbarer Drucksensor

Auf der Sensor+Test stellt Honeywell (Halle 1, Stand 160) zum Beispiel einen konfigurierbaren piezoresistiven Drucksensor mit 24-Bit-I²C-Ausgang und 5 × 5 mm² Grundfläche vor (Bild 1). Laut Hersteller handelt es sich dabei aktuell um das kleinste Modell auf dem Markt.  Der Messbereich beginnt bei 60 mbar und reicht bis 2,5 bar, was für Anwendungen wie Blutdruckmessgeräte oder einfache Kaffeemaschinen geeignet ist.

Ein ASIC kompensiert temperaturbedingte Nichtlinearitäten im Betrieb bei 0 und 50 °C. Im Sensor ist außerdem eine IoT-Schnittstelle integriert.

Komfortable Blutdrucküberwachung

Das CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik (Halle 1, Stand 150) arbeitet an einer Methode zur kontinuierlichen Blutdrucküberwachung per Wearable (Bild 2). Die klassische Methode mit aufgepumpter Oberarmmanschette ist für längere Messungen ungeeignet.

Für den Ansatz per Wearable hat das CiS eigene optische Sensoren, sogenannte multispektrale Photoplethysmographie-Sensoren, mit bis zu vier Lichtquellen und sehr hohem Signal-zu-Rausch-Verhältnis entwickelt. Mit ihnen lassen sich Rückschlüsse über Herzfrequenz, Blutdruck und den Gefäßzustand aus dem zeitlichen Verlauf der Streulichtintensität und der Signalform gewinnen.

Für biomedizinische Anwendungen hat Sensirion (Halle 1, Stand 316) den Durchflusssensor LD20 entwickelt (Bild 3, links). Mit ihm sind auch sehr geringe Durchflussraten präzise messbar, wie sie für Überwachungsfunktionen von ambulanten Infusionspumpen oder von geringen Medikamentendosen benötigt werden. Der Sensor ist empfindlich genug, um bei einer Infusion die Flussänderung zu detektieren, die durch den oszillierenden Gegendruck des Venenpulses entsteht. Damit ergibt sich eine einfache Möglichkeit für eine Alarmfunktion bei herausgerutschter Kanüle. Der Chip ist kalibriert, temperaturkompensiert und vollständig medienisoliert, es besteht also kein Kontakt zwischen Chip und Flüssigkeit.

Langzeitstabiler Umweltsensor

Der Hersteller zeigt auch den Umweltsensor SGP für batteriebetriebene Elektronikanwendungen (Bild 3, rechts). Er benötigt durchschnittlich rund 0,07 mA und kombiniert mehrere Metalloxid-Sensorelemente auf einem Chip für die Analyse der Luftqualität. Bei der Entwicklung wurde besonderes Augenmerk auf Robustheit gegen Siloxan-Verunreinigungen gelegt, die sich häufig in Innenräumen ansammeln. Sie beeinträchtigen die Langzeitstabilität und Genauigkeit von Gassensoren bereits innerhalb von Monaten. Für diese Eigenschaft wurde das Entwickler-Team als eines von vier für den AMA-Innovationspreis nominiert, der auf der Sensor+Test verliehen wird (siehe Textkasten: Sensor+Test 2018, am Ende des Artikels).