Rahman Jamal, National Instruments, über 20 Jahre VIP »In Deutschland spielt die Neutralität eine sehr wichtige Rolle«

Virtuelle Instrumente in der Anwendung und Praxis.
Rahman Jamal beim Kongress "Virtuelle Instrumente in der Praxis".

Über 700 Interessierte besuchten im Oktober die Veranstaltung »Virtuelle Instrumente in der Praxis« von National Instruments. Der Technologie- und Anwenderkongress fand dieses Jahr zum 20. Mal statt. Wir sprachen mit Rahman Jamal über die Entstehung, die Entwicklung und die Zukunft des VIP.

Vom 21. bis 23. Oktober 2015 veranstaltete National Instruments den Technologie- und Anwenderkongress „Virtuelle Instrumente in der Praxis“ (VIP) im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck bei München. Schwerpunktthemen des Kongresses waren das Internet of Things (IoT) im kommerziellen (CIoT) und im industriellen (IIoT) Umfeld, die nächste Generation der Mobilfunkkommunikation (5G) und Big Analog Data. Im Rahmen des VIP 2015 präsentierten über 40 Partner und Systemintegratoren in einer Fachausstellung ihre Lösungen und Produkte. Zum 20-jährigen Jubiläum des VIP befragten wir Rahman Jamal, der den VIP 1996 ins Leben rief.

Elektronik: Worum ging es Ihnen 1996 mit dem ersten VIP? Was hat sich in den letzten 20 Jahren geändert?

Rahman Jamal: Das Ziel war der Community-Gedanke: Wie kriegt man Anwender zusammen und bietet ihnen eine Plattform, auf der sie sich austauschen, Ideen vorstellen und sich auch fachfremde Lösungen anschauen können? Wenn sich jemand nur mit Halbleitertests beschäftigt, heißt das nicht, dass er sich nicht vielleicht eine Automatisierungsanwendung ansieht: Das kann ihm ja Anregungen geben.

Eine andere Idee war, Rückmeldungen zu unseren Produkten und Plattformen zu bekommen, gleichzeitig Technologietrends aufzuzeigen und das Ganze auch in Tagungsbänden zu dokumentieren, die man als Referenz verwenden kann für unsere Kunden, unsere Entwicklung usw. Mittlerweile hat sich der Kongress in unterschiedliche Richtungen entwickelt, aber die Plattform an sich ist gleich geblieben. Es sind jetzt acht Parallel-Tracks, bei der ersten Veranstaltung waren es zwei: eine gemeinsame Key­note und dann die Aufteilung in Messtechnik und Automatisierungstechnik. Jetzt ist es wesentlich breiter und differenzierter aufgeteilt. Zudem beruft NI jährlich Beratungsausschüsse ein, in deren Rahmen sich Entscheidungsträger von Unternehmen aus den unterschiedlichen Industriezweigen und Anwendungsbereichen treffen und sich über Trends bzw. Best Practices austauschen. Die Ergebnisse werden einmal im Jahr in unseren Technologieausblicken, in sogenannten Outlooks, veröffentlicht. Das sind Elemente, die dazu gekommen sind, die wir bei der ersten Version nicht hatten. Die sind nicht zufällig dazugekommen, sondern durch die Anregung der Besucher nach jedem Kongress.

Elektronik: Wie unterscheidet sich der VIP in Deutschland von den NI Days in anderen Ländern?

Rahman Jamal: Ich habe damals versucht, den deutschen Raum spezifisch zu adressieren: Es sollte keine Firmenveranstaltung sein, deshalb steht auch bewusst kein NI davor. Aber trotzdem gibt es einen Bezug zu National Instruments und LabView einfach durch die Tatsache, dass die Abkürzung VI für „Virtuelle Instrumente“ enthalten ist. Ich hatte übrigens nicht an „Very Important Persons“ gedacht, aber das ist das, was Teilnehmer und Kollegen damit in Verbindung bringen.

Durch das „VI“ ist natürlich eine implizite Verbindung zu NI da, aber nicht so, dass man den Kongress mit einem Seminar verwechselt. In Deutschland spielt die Neutralität eine sehr wichtige Rolle und für mich auch. Ich gehörte nach dem Studium nämlich auch zu denen, die nicht viel von reinen Marketingveranstaltungen hielten. Daher war es für mich naheliegend, eine neutrale Kongressplattform mit einer Jahreszahl zu etablieren.

Elektronik: Wie ist die Zusammenarbeit in Bezug auf das Programm mit den NI Days?

Rahman Jamal: Wir haben einen viel stärken Bezug zu den Anwendern, da wir über einen Call for Papers Anwendungs-Beiträge sammeln, eben wie bei einem Kongress. Die angenommenen Beiträge der Anwender werden im Tagungsband dokumentiert. Ein Bruchteil davon – nämlich die interessantesten – werden als Vortrag zugelassen.

Das gibt es bei den NI Days nicht in dieser Form. Der VIP hat schon einen Kongresscharakter mit einem sehr starken Anwenderfokus, gemischt mit Technologievorträgen von NI. Vielleicht funktioniert ein solches Konzept auch nicht in Italien oder in Frankreich. Der VIP genießt auch bei unseren Kunden den Ruf der Neutralität. Es sind auch Beiträge im Tagungsband, in denen Kritik an Software und Hardware geäußert wird. Das würde man in einer reinen Marketingveranstaltung natürlich sonst wegredigieren.