Mini-Implantat mit Blutdruck-Sensor Fernüberwachung bei Herzschwäche

Das Implantat einem Sensor und zwei Antennen.
Das Implantat einem Sensor und zwei Antennen.

Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche, was unbehandelt zum Herzstillstand führen kann. Doch das Mini-Implantat der UHZ reduziert das Risiko der Patienten: Der Sensor alarmiert bei drohender Herzschwäche per Handy den Arzt.

Als erstes Klinikum Baden-Württembergs nutzt das Universitäts-Herzzentrum Freiburg Bad Krozingen (UHZ) einen miniaturisierten Sensor, mit dem sich der Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten aus der Ferne überwacen lässt. Der Sensor wird in die Lungenschlagader des Patienten implantiert. Einmal täglich misst er den Blutdruck nahe am Herzen und überträgt die Werte per Handy an das Behandlungszentrum am UHZ.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche – auch Herzinsuffizienz genannt. Typische Anzeichen sind Atemnot bei leichter körperlicher Belastung. Bei einer Herzinsuffizienz reicht die Pumpleistung des Herzens nicht mehr aus, um den Blut- und Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Das schwerste Stadium einer Herzinsuffizienz wird als Dekompensation bezeichnet und kündigt sich durch Müdigkeit, Atemnot, Schwellungen der Beine und der Leber an. Unbehandelt kann es zum Herzstillstand führen.

Der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche ist ein steigender Blutdruck. Doch mit Hilfe der Fernüberwachung, können die behandelnden Ärzte noch vor Auftreten von Symptomen aus der Ferne die Therapie so anpassen, dass der Druck wieder fällt. Eine internationale Studie im Fachmagazin The Lancet kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass dadurch bis zu jede dritte Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Herzschwäche entfallen könnte.

Laut Dr. Andreas Zirlik, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg in Bad Krozingen schlägt das System Alarm, noch bevor die Patienten Symptome bemerken. Durch die Fernüberwachung kann schneller reagiert und im besten Fall ein Krankenhausaufenthalt und Folgeschäden an Herz und Nieren vermieden werden. Das wiederum senkt das Sterberisiko der Patienten. Geeignet ist das CardioMEMS genannte System für Patienten, die in den letzten zwölf Monaten wegen Herzschwäche im Krankenhaus waren und der Herzinsuffizienzklasse III gemäß der Klassifizierung der New York Heart Association (NYHA) angehören.

Seit Oktober 2016 wurde das CardioMEMS-System an den Kliniken für Kardiologie und Angiologie I und II des UHZ im Rahmen einer klinischen Studie bei neun Patienten eingesetzt. Weitere folgen in den nächsten Wochen und Monaten. Bei zwei Patienten hat sich das System im Akutfall schon bewährt. »Als sich die Werte verschlechterten, haben wir die Patienten angerufen und mit einer angepassten Therapie gezielt gegengesteuert. Damit konnten wir ihnen vermutlich den Krankenhausaufenthalt ersparen«, erläutert Zirlik.

Der etwa büroklammergroße Sensor funktioniert während der gesamten Lebenszeit des Patienten und benötigt keine Batterien. Für die tägliche Messung legt sich der Patient auf ein spezielles Kissen. Dieses regt den Sensor über magnetische Wellen an und empfängt dann die Messwerte.