Mobilfunk für M2M und IoT Wachstumsimpulse durch Maschinen

Low-Power-Funktechniken bilden die Basis für neue Geschäftsmodelle rund um IoT.
Low-Power-Funktechniken bilden die Basis für neue Geschäftsmodelle rund um das IoT.

Wie stellen sich aktuell die Telekommunikationsunternehmen dem neuen Wettbewerb durch LPWANs, die lizenzfreie Bänder nutzen? Antworten gibt Bernd Groß, Gründer und CEO der Cumulocity GmbH, ein Unternehmen der Software AG, das als unabhängiger Dienstleister eine IoT-Software-Plattform anbietet.

Maschinenkommunikation schien für Mobilfunkanbieter bisher kein bedeutender Markt zu sein. Mit IoT und der Popularität der LPWAN-Techniken in lizenzfreien Bändern wächst ein neuer Markt und neue Wettbewerber. In aller Eile hat das 3GPP Erweiterungen für den LTE-Standard erstellt und verabschiedet, mit dem Mobilfunkanbieter den Wettbewerb um die stark wachsende IoT-Kommunikation aufnehmen können.

?   Wo stehen Telekommunikationsunternehmen momentan in Hinblick auf die Nutzung des IoT?

!   Bernd Groß: Für die meisten der großen Telekommunikationsunternehmen, wie zum Beispiel die Deutsche Telekom, die NTT in Japan, Telstra in Australien, Telia in Schweden oder Etisalat im Nahen Osten zählt das Internet der Dinge zu ihren wichtigsten strategischen Initiativen. Die Deutsche Telekom hat zum Beispiel fünf dieser Initiativen, Telstra drei, jeweils eine davon ist das IoT. Auf der Top-Senior-Management-Ebene ist es also als enorm wichtiger strategischer Markt definiert. Hier würde ich sagen, das haben die meisten mittlerweile für sich erkannt.

Ebenso ein großer Teil der Telkos bietet bereits Connectivity-Lösungen an, die in vielen IoT-Projekten zum Einsatz kommen. Mit Device und Data Management oder darüber hinaus auch Data Analytics gehen einige wiederum den nächsten konsequenten Schritt. Die Richtung ist klar: Sie wollen in jedem Fall mehr bieten als reine Konnektivität, vor allem wenn es um Geschäftskunden geht.

 

?   Mit welcher Strategie gehen die Telekommunikationsunternehmen in den IoT-Markt?

!   Groß: Ziel ihrer Strategie ist es, Geschäftskunden mehr anbieten zu können, dafür müssen Telkos schlicht mehr leisten. Eine IoT-Device-Management- und Application-Plattform ist dafür gut geeignet: Über sie lassen sich Daten sammeln, analysieren und interpretieren, und so wiederum Remote Management, Alarm und Condition Monitoring anbieten oder Field Forces aussteuern. Das heißt, nicht nur die Konnektivität, auch die Services darüber hinaus zu bieten – das ist die Strategie, die die meisten Telekommunikationsunternehmen im Blick haben.

Etwa ein Drittel ist dabei, das umzusetzen, zum Beispiel die Telekom mit der Cloud der Dinge, die auf Cumulocity IoT basiert. Zusätzlich zum Thema »Enterprise« bauen viele Telkos jedoch noch Divisions oder Business Units auf, die sich um vertikale Märkte kümmern. Sie richten sich eher an Privatkunden wie Units für das Smart Home, Smart Metering, Healthcare oder Smart City. Bei gut organisierten Telkos setzen diese Lösungen dann auf der Plattform auf, die von der IoT-Unit zur Verfügung gestellt wird.

 

?   Wie sieht das im internationalen Vergleich aus? Gibt es Gemeinsamkeiten oder regionale Unterschiede, z.B. zwischen China, Indien, USA, Australien?

!   Groß: Das hängt tatsächlich vom vertikalen Marktsegment ab. Betrachten wir Industrie 4.0 oder das Industrial IoT, dann ist Deutschland ganz klar mitführend, wenn nicht sogar führend. Wir empfangen viele Besucher aus Japan, aus Indien, Australien, aus Nordamerika und Frankreich, deren Hauptthema IIoT ist.

Hinsichtlich der vertikalen Märkte, sieht es allerdings schon anders aus: China, Indien oder der nahe Osten unternehmen zum Beispiele sehr viele Smart-City-Projekte, viel mehr als in Europa bisher stattfinden. Bei Smart Metering – der automatischen Messung des Gas-, Wasser-, Stromverbrauchs – ist Skandinavien führend. Es hängt also immer davon ab, welchen Bereich man betrachtet. Schauen wir uns jedoch die Verteilung des IoT über diese Bereiche hinweg an, ist IIoT bei weitem der größte und bedeutendste – und hier spielt Deutschland eine wichtige Rolle.

 

Bernd Groß

gründete die Cumulocity GmbH mit Sitz in Düsseldorf im Jahr 2012 im Rahmen eines Management-Buy-out von Nokia Siemens Networks mit. Zuvor leitete er Projekte im Bereich Innovationsmanagement und der Einführung neuer Technik bei Nokia Siemens Networks im Silicon Valley.

Mit fast 25 Jahren internationaler Erfahrung in der IT-Branche und in Managementpositionen, unter anderem in Großbritannien, Finnland und im Silicon Valley, USA, zählt Groß zu den Pionieren und Vordenkern im Bereich Digitalisierung, Cloud Computing, Internet der Dinge und Industrie 4.0.

Bernd Groß hat einen Master-Abschluss in Informations- und Kommunikationstechnik und studierte ergänzend Betriebswirtschaft (MBA) an der London Business School.