Samsungs Desaster geht weiter Vom Regen in die Traufe

Christina Deinhardt
Christina Deinhardt

Nach dem Galaxy-­Note-7-Desaster schlittert Samsung in einen Korruptionsskandal.

Diesmal hat sich Samsung jedoch nicht an seinem eigenen Produkt die Finger verbrannt. Vielmehr hängt nun schon seit November 2016 ein Korruptionsskandal über dem Konzern – ja sogar über ganz Südkorea; selbst die Präsidentin Park Geun-Hye ist darin verwickelt. Der Fall trieb hunderttausende Koreaner auf die Straße; sie forderten den Rücktritt der Präsidentin. Im Dezember folgte ihre Entmachtung durch das Parlament und ein laufendes Amtsenthebungsverfahren. Doch wie passt nun Samsung in das Bild?

Im Zentrum des Skandals steht Choi Soon-Sil, Tochter eines Sektenführers und langjährige Freundin und Vertraute der Präsidentin. Seit Jahren soll Choi die Präsidentin in politischen Fragen beraten, Entscheidungen beeinflusst und ihre Reden redigiert haben. Außerdem verwaltet sie ein großes Vermögen – gespendete Gelder von verschiedenen Firmenclans aus Südkorea. Darunter auch von Samsung.

Lee Jae-Yong, Vizepräsident von Samsung und Sohn des derzeitigen Patriarchen Lee Kun-Hee, steht unter Verdacht, Bestechungsgelder in Millionenhöhe (Euro) an diverse Organisationen, die Choi nahe stehen, gezahlt zu haben. Laut Berichten der Ermittler unterhalte Choi auch in Deutschland eine Sportfirma, die von Samsung finanziert sei. Mit den Zahlungen soll Lee zum Beispiel die Fusion zweier Tochterunternehmen im Jahr 2015 beeinflusst haben.

Für Samsung ist es nicht der erste Skandal dieser Art. 2008 stand das Unternehmen schon einmal in den Schlagzeilen – damals lautete die Anklage: Steuerhinterziehung und Bestechung. Im Auftrag von Lee Senior sollen Staatsanwälte und Richter, Beamte in Ministerien und in der Steuerbehörde, Journalisten und Politiker bestochen worden sein. 2008 forderten noch viele Koreaner den Abbruch der Untersuchungen. Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen war damals zu groß. Jedoch scheint der aktuelle Fall den Koreanern besonders tief in den Knochen zu stecken. Denn obwohl Samsung laut Reuters 17 Prozent zum Staatsaufkommen beiträgt, beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Lee Junior. Das Gericht hat den Antrag jedoch abgelehnt und Lee wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Bei dem aktuellen Skandal im Zusammenhang mit Bestechungsgeldern und einem Konzern, der eine entsprechende Vergangenheit hat, hinterlässt das Urteil einen schalen Nachgeschmack. Wenigstens werden die Ermittlungen weitergehen.

Es ist nicht das erste und wohl nicht das letzte Mal, dass Großkonzerne Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Vielleicht ist der Skandal um Präsidentin Park auch nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Jahre, schließlich besteht das neue Kabinett von Donald Trump zum großen Teil aus reichen Unternehmern und Bankern. Zumindest ist es keine große Überraschung, dass der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kürzlich einen Sonderhandelsbeauftragen in die Vereinigten Staaten geschickt hat: Jose E.B. Antonio, der Mann, der rein zufällig für den Bau des neuen Trump Tower in Manila verantwortlich ist.