NSN: Verkauf an Nokia Siemens steigt aus Telekom-Geschäft aus

SIEMENS stößt seinen 50-%-Anteil an dem Joint-Venture für 1,7 Mrd. Euro an Nokia ab.
SIEMENS stößt seinen 50-%-Anteil an dem Joint-Venture für 1,7 Mrd. Euro an Nokia ab.

Siemens-CEO Peter Löscher hat die Reißleine gezogen: Der 50-Prozent-Anteil des Münchener Elektrokonzerns an dem Joint-Venture Nokia Siemens Networks (NSN) wird für 1,7 Mrd. Euro an die Finnen veräußert. Diese wollen die Produktion angeblich an einen asiatischen Auftragsfertiger auslagern.

Der 50%-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) geht für 1,7 Milliarden Euro an den finnischen Mit-Eigentümer Nokia. Das teilte Siemens in München mit. Siemens-CEO Peter Löscher hat sich damit nach der Handy- und Festnetztelefon-Sparte, die vor 8 bzw. 5 Jahren ihr Ende fanden, eines weiteren Problems entledigt.

Seit der Gründung im Jahr 2007 steckt NSN in den roten Zahlen. Daraufhin hatte das Management Anfang 2012 ein Kostensparprogramm aufgelegt, zu dem auch der Abbau von 17.000 der weltweit 74.000 Arbeitsplätze gehörte. Dies zeigte zuletzt Wirkung, indem sich die Verluste und Umsatzrückgänge eindämmten. NSN setzte neben der harten Konkurrenz aus Europa – primär der schwedische Konzern Ericsson und die französische Alcatel-Lucent – auch zunehmend der Preiswettbewerb aus China zu.

Damit Nokia, selbst durch das kollabierende Handygeschäft angeschlagen, den Kauf überhaupt stemmen konnte, müssen die Finnen erst einmal nur 1,2 Milliarden Euro in bar zahlen, der Rest folgt zu einem noch nicht bekannten Zeitpunkt später. Der Preis liegt damit weit unter den zuletzt spekulierten Zahlen. So sollte NSN im Februar noch 5 Mrd. Euro wert gewesen sein.

Nokia Siemens Networks beschäftigte Ende März noch 56.700 Mitarbeiter, davon rund 6.000 in Deutschland an 17 Standorten. Über deren Zukunft teile Siemens nichts mit.

Ob Nokia NSN auf Dauer im Konzern behält, ist nämlich offen. Der Markenname soll auf jeden Fall geändert werden und einem finnischen Zeitungsbericht zufolge die Produktion, die derzeit in 6 Werken stattfindet, ausgelagert werden. Für einen Kaufpreis zwischen 500 und 600 Millionen Euro, so die Zeitung "Helsingin Sanomat" unter Berufung auf vertrauliche Dokumente, gäbe es Interessenten, u.a. den Apple-Fertiger Foxconn aus China und den Auftragsfertiger Flextronics.

Siemens hinkt bei der Profitabilität hinter den wichtigsten Konkurrenten wie ABB und General Electric hinterher und musste zuletzt die eigenen Prognosen immer wieder senken. CEO Löscher will sich daher von Randbereichen – zu denen zweifelsfrei auch NSN gehörte - trennen. So wurde erst kürzlich die verlustbringende Solarsparte geschlossen, die Lichttochter Osram wird nach der Abspaltung am 8. Juli für einen Tag als 31. DAX-Mitglied an der Börse gehandelt werden.