Uplinq-Konferenz 2011 Qualcomm will Prozessoren für Windows-8-Notebooks liefern - Nokia auf Snapdragon

"Nur der Himmel ist die Grenze" - so sieht Dr. Paul Jacobs, CEO des weltweit größten Fabless-Chip-Herstellers Qualcomm die mögliche Geschäftsentwicklung für ARM-basierte Prozessoren aus seinem Haus. Während Jacobs das Wort "Notebook" nicht explizit in den Mund nahm, war einer seiner Mitarbeiter gesprächiger. Derweil erklärte Nokia-CEO Stephen Elop, dass Qualcomms Snapdragon-Chips in Windows Phone Handys eingesetzt werden.

In seiner 70minütigen Keynote auf Qualcomms Entwicklerkonferenz Uplinq 2011 in San Diego, Kalifornien, erklärte Jacobs, dass es zukünftig Snapdragon-Chips auch für Geräte sowohl mit größeren Bildschirmen als auch mehr Speicher geben werde. Die neue Krait-Architektur wird im MSM8960, einer Dual-Core-Variante mit 1,7 GHz Taktfrequenz, schon im Juni 2011 an Kunden in Form von Mustern ausgeliefert, die Massenproduktion wird im ersten Halbjahr 2012 aufgenommen - gerade rechtzeitig für Windows 8, das laut Microsoft ja ebenfalls 2012 ausgeliefert werden soll. Später folgt mit dem APQ8064 eine Quad-Core-Ausführung. Die Krait-Architektur, ein In-House-Design basierend auf dem ARM-Cortex-A15, soll bis zu 2,5 GHz getaktet werden können.

Verschoben wurde hingegen laut Jacobs die Produktion eines E-Book-Readers, der statt eines E-Ink-Displays eines mit der hauseigenen Mirasol-Technik enthält. Mirasol arbeitet wie E-Ink besonders stromsparend, weil es nur bei Bildwechseln Strom benötigt; ohne Stromzufuhr bleibt der Bildschirminhalt erhalten. Die Bilderzeugung geschieht allerdings fundamental anders: Im Display werden keine Kügelchen umgedreht, sondern winzige Metallmembranen im Mikrometerbereich bewegt. Das dargestellte Bild entsteht durch konstruktive und destruktive Interferenzen des einfallenden Lichts – ähnlich wie die Motive auf den Flügeln eines Schmetterlings. Gleichzeitig räumt Mirasol mit den größten Nachteilen von E-Ink auf: Es zeigt nicht nur farbige Bilder, sondern schaltet auch schnell genug, um Videos, Animationen oder Scroll-Vorgänge flüssig anzuzeigen. Bei einem 2010 auf der CES gezeigten Prototypen eines E-Readers war jedenfalls kein Unterschied zur Bewegtbild-Darstellung auf einem LC-Display erkennbar.

Die "kleine Fab", in denen die Mirasol-Displays gerfertigt werden, hat sich offensichtlich als ungeeigent für eine Massenproduktion erwiesen. Eine größere, mehrere Milliarden Dollar teure Fab ist zwar mittlerweile fertiggebaut, die Prodktion wird laut Jacbos aber wohl erst in 9 Monaten gestartet werden können.

Derweil erklärte Qualcomms Vice-President Terry Yen auf der Computex in Taipei, Taiwan, dass Qualcomms Ziel darin bestehe, "das firmeneigene Know-How in das Laptop-Geschäft zu übertragen" - und damit mit Snapdragon-Chips und Windows 8 gegen Intels x86-Prozessoren anzutreten. Laut Yen handelt es sich um eine der größten Wachstumschancen für Qualcomm in den nächsten 5 Jahren.

Tag 2: Nokia setzt auf Snapdragon-Chips

Keynote-Sprecher an Tag 2 war Nokia-CEO Stephen Elop. Dies ist umso bemerkenswerter, als dass in Vergangenheit ja Patentstreitigkeiten zwischen beiden Unternehmen ausgefochten wurden. Elop traf sich allerdings am ersten Tag seiner CEO-Amtszeit bei Nokia mit Qualcomm, um die Partnerschaft beider Unternehmen in der Zukunft zu diskutieren. In seiner Keynote legte Elop dann auch eine Folie auf, die explizit die Nutzung von Qualcomm-Chipsets zum Inhalt hatte.

Der Grund ist einfach: Snapdragon-Chips sind nach der Akklamation durch Microsoft zum Defacto-Standard für mit Windows Phone 7 betriebene Smartphones geworden und haben heute dort einen Marktanteil von 100 %. Besonders betroffen ist von der Entscheidung Nokias, auf Windows Phone 7 zu setzen, Texas Instruments, das in der Vergangenheit mit OMAP-Chips Haus- und Hoflieferant für Nokias Symbian-Handys war.

Neben der Zusammenarbeit mit Qualcomm ging Elop auch auf den Entscheidungsprozess für Windows Phone 7 oder Android ein. Der Grund, nicht auf Android zu setzen, bestand darin, dass es bereits soviel Android-Hersteller gibt und sich die Frage nach der Differenzierung der Nokia-Smartphones stellte. Da die Konkurrenz Windows Phone nur als 2. Priorität ansehen und Nokia als 1. Priorität, glaubt Elop sich differenzieren zu können, ebenso duch die Unterstützung des Ecosystems.

Elop gestand sogar ein, dass Android extrem erfolgreich ist und es eine Herausforderung sei, diese Situation zu verändern. Er glaubt jedoch, dass dieser Wechsel machbar sei und setzt dabei auch auf HTML 5, das es Entwicklern erleichtern soll, Apps für unterschiedliche Plattformen ohne große Anpassungen entwickeln zu können.