15 Jahre nach Einführung des Smartphones Nokia stürzt von Platz 1

Im Jahr 1996 führte Nokia mit dem 9000 Communicator eine neue Handy-Geräteklasse ein: Das Smartphone. Seitdem haben die Finnen 61 Quartale lang die meisten Smartphones auf diesem Planeten verkauft. Im zweiten Quartal 2011 stürzte Nokia mit nur noch 16,7 Mio. verkauften Smartphones hinter Apple und Samsung auf Platz 3 ab – die desaströse „Strategie“ von CEO Stephen Elop zeigt schneller Auswirkungen, als die größten Pessimisten erwartet haben.

Über die katastrophalen Fehler von Nokia-CEO Stephen Elop haben wir an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet. Dass sie allerdings die Verkaufszahlen so schnell in den Keller treiben, hat wohl niemand erwartet. Nachdem Nokia noch vor 6 Monaten rund 28 Mio. Smartphones mit dem Betriebssystem Symbian verkaufen konnte und damit einen Marktanteil von 29 % bei dieser Geräteklasse erzielte, sanken die Verkaufszahlen im 1. Quartal 2011 auf 24 Millionen (24 % Marktanteil) und im gerade abgelaufenen Quartal auf 16,7 Millionen Geräte und einem Marktanteil von nur noch 15 %. Anders formuliert: Elop hat es geschafft, Nokias Marktanteil bei dem Smartphones in nur einem halben Jahr zu halbieren, eine „Leistung“, die nicht einmal BP nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder Toyota mit dem vermeintlichen Bremsenproblem vollbringen konnte.

Das Ergebnis ist nur noch Platz 3 hinter Apple und Samsung, die im 2. Quartal 2011 20,3 Mio. iPhones bzw. 19 Mio. Smartphones verkauften (Tabelle).

In China (dem weltgrößten Markt) hielt Nokia 2010 noch einen Marktanteil von 72 %, in Indien (dem zweitgrößten Markt) über 60 %. Aktuell beträgt der Marktanteil in China noch 22 %, ähnliche Zahlen werden aus Indien gemeldet. Davon abgesehen sinkt der durchschnittliche Verkaufspreis eines Smartphones um rund 10 Euro pro Quartal. Statt einem Gewinn von 548 Mio. Euro im 4. Quartal 2010 wurden 147 Mio. Euro Verlust eingefahren – ein Unterschied von fast 1 Mrd. Euro.

Die Zukunft von Nokia ? Der Tiefpunkt kommt erst noch

Als Stephen Elop am 11. Februar 2011 Nokias Wechsel zu Windows Phone 7 ankündigte, träumte er von einem dritten Ecosystem neben Apple und Android auf Augenhöhe. Würde Elop die vier Grundrechenarten beherrschen und die Marktzahlen zu Kenntnis nehmen, müsste ihm einleuchten, dass die Chance hierfür gleich Null ist.

Lassen Sie uns annehmen, Windows Phone 7 würde mit der erfolgreichsten Markteinführung eines Handy-Betriebssystems überhaupt mithalten können. Ein Jahr nach der Einführung von Googles Android wurden pro Quartal rund 11 Mio. Smartphones mit Android verkauft. Wenn Nokia dies mit Windows Phone schaffen sollte (was eher unwahrscheinlich ist), würde man im dritten Quartal 2012 auf 12-13 Mio. Smartphones kommen – 11 mit Windows Phone und 1 bis maximal 2 Millionen mit dem von Elop beerdigten Symbian.

Lassen Sie uns weiterhin annehmen, dass Nokias Smartphones nach der Markteinführung von Windows Phone mit der schnellsten jemals gemessenen Wachstumsrate, dies ist die von Apples iPhone, weiterwachsen würden. In diesem ebenfalls unwahrscheinlichen Szenario kämen die Finnen Ende 2012 auf 20-22 Mio. WP-Smartphones – was einem Marktanteil von weniger als 10 % entsprechen würde.

Wenn man noch berücksichtigt, dass sich die anderen großen Hersteller von Windows Phone abwenden (Samsung zum eigenen Bada-OS, LG und HTC noch mehr zu Android) und dass sich der weltgrößte Provider China Mobile zu MeeGo bekannt hat, wird Windows Phone wohl kaum mehr als 2-3 % Marktanteil bei Nicht-Nokia-Herstellern bekommen. In Summe hat Windows Phone dann einen Betriebssystem-Marktanteil bei Smartphones in der Größenordnung von 10 bis maximal 12 %. Welcher Entwickler sollte Interesse daran haben, in ein Windows-Phone-Ecosystem zu investieren, das kleiner ist als Android, Apple, Bada, Blackberry und vermutlich auch noch als MeeGo?

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen eine Aussage von Andrew Lees, Chef von Microsofts Windows-Phone-Geschäftsbereich,. nicht vorenthalten, da nicht einmal er die Euphorie von Stephen Elop teilt: Er sieht Smartphones mit Windows Phone nicht als „Premiumgeräte“ an, ihre durchschnittlichen Verkaufspreise sollen stattdessen nur die Hälfte des durchschnittlichen Verkaufspreises aller Smartphones erreichen, das heisst weit weniger als Nokia mit seinen Symbian-Geräten erzielen konnte.

PlatzPlatz VorquartalHerstellerAnzahl verkaufte Smartphones im 2. Quartal 2011Wachstum gegenüber 2. Quartal 2010
12Apple20,3 Mio.142,2 %
24Samsung19,0 Mio.600,0 %
31Nokia16,7 Mio.-30,4 %
43RIM13,3 Mio.17,9 %
55HTC11,0 Mio.135,6 %
67LG Electronics5,4 Mio.N.A.
76Sony Ericsson5,3 Mio.N.A.
88Motorola4,4 Mio.63,0 %
99Sharp1,4 Mio.37,3 %
Die führenden neun Hersteller verkauften im 2. Quartal 2011 fast 100 Mio. Smartphones. Nokia steht erstmals seit Einführung des Smartphones im Jahr 1996 nicht auf Platz 1.