Schweres Erbe für Microsoft Nokia macht trotz Restrukturierung weiter Millionenverluste

Microsoft-CEO Steve Ballmer  seinen Freund Stephen Elop bald wieder in Redmond begrüßen - als seinen Nachfolger?
Wird Nokias Noch-CEO Stephen Elop Nachfolger von Microsoft-Chef Steve Ballmer?

Wer gehofft hatte, dass die Restrukturierungsmaßnahmen beim finnischen Handyhersteller Nokia eine Trendwende herbeiführen würden, wurde auch im 3. Quartal enttäuscht: Erneut sinkende Umsätze und ein weiterer dreistelliger Millionenverlust sind dabei aber noch gar nicht die schlimmsten Nachrichten.

Mit 5,662 Mrd. Euro Umsatz erzielten die Finnen in Q3 2013 rund 22 % weniger Einnahmen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Trotz drastischer Kostensenkungsmaßnahmen wie dem Abbau von fast 18.000 Mitarbeitern von September 2012 bis heute (jetzt arbeiten statt 105.000 nur noch 87.000 Menschen für die Nokia-Gruppe), geringeren Investitionen in Forschung, Entwicklung, Marketing und Verkauf bleibt nach den abgelaufenen 3 Monaten mit minus 104 Mio. Euro erneut ein dreistelliger Millionenverlust in den Büchern stehen. Im gesamten Jahr 2013 sind damit schon wieder 721 Mio. Euro Verlust aufgelaufen, der Umsatz von Q1 bis einschließlich Q3 betrug in 2013 nur noch knapp über 17 Mrd. Euro nach über 22 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 2012.

Neben den rein finanziellen Zahlen gibt die Entwicklung der Handy-Verkäufe Anlass zur Sorge. Bei den Smartphones konnte Nokia sein strategisches Ziel, endlich signifikante Marktanteile mit seinen Windows-Phone-Geräten „Lumia“ zu gewinnen, erneut nicht erreichen – ganz im Gegenteil. Zwar verkündeten die Finnen öffentlichkeitswirksam, dass sie statt 6,3 Mio. Geräten (Q3 2012) in Q3 2013 nunmehr 8,8 Mio. Einheiten verkaufen konnten. Da der Gesamt-Smartphone-Markt jedoch von 172,8 Mio. auf 251,4 Mio. Geräte gewachsen ist, bedeutet dies nichts anderes, als dass der ohnehin geringe Marktanteil von 3,6 % auf 3,5 % gesunken ist. Zum Vergleich: Huawei verkaufte in Q3 2013 12,7 Mio. Geräte (5,1 % Marktanteil), LG 12,0 Mio. (4,8 %) und Smartphone-Neuling Lenovo 10,8 Mio. (4,3 %).

Noch schlimmer: Dass man überhaupt noch 3,5 % Marktanteil erzielte, verdankt man einer weiteren Preissenkung. Gerade mal 143 Euro erzielte Nokia im Schnitt mit einem Lumia, das sind nochmal 8 % weniger als die 155 Euro ASP in Q3 2012.

Bei den Nicht-Smartphones, also Einsteigermodellen und Feature-Phones, musste Nokia sogar einen Umsatzrückgang von 37 % hinnehmen – weil man mit nur noch 55,8 Mio. Geräten nicht nur 27 % weniger Einheiten verkaufte als im Vorjahreszeitraum, sondern mit 27 Euro durchschnittlichem Verkaufspreis nur noch knapp über den Ramschpreisen einiger chinesischer Hersteller liegt. Damit schaffte es Nokia erstmals in seiner Firmengeschichte, dass ein Wettbewerber mehr teure Smartphones verkauft als man selbst Billighandys – Samsung verkaufte in Q3 2013 88,4 Mio. Smartphones.

Schaut man sich die Verkaufsentwicklung nach Regionen an, sieht die Entwicklung wie folgt aus: Europa -21 %, Mittlerer Osten und Afrika -23 %, Lateinamerika -29 %, China -31 % und Restasien -22 %. In Nordamerika erzielte Nokia dafür ein Wachstum von 367 % - statt 300.000 Geräten konnte man dank starker Subventionen bei einigen großen Telekom-Anbietern in 3 Monaten 1,4 Mio. Einheiten absetzen.

Auch der Kartendienst HERE und die Netzwerk-Lösungen (Nokia Siemens Networks) brachen ein: HERE erzielte mit 211 Mio. Euro Umsatz 20 % weniger als im Vorjahr und NSN mit 2,592 Mrd. Euro sogar 26 % weniger.