Mobilfunk Handy-Nutzer verschenken jährlich 230 Euro

Drei von vier Handynutzern haben einen ungünstigen Vertrag. Die meisten wählen aus Angst vor Volumen-Überschreitungen Tarife mit zu viel Freiminuten, die sie meist nur ungenügend nutzen. Manche sind hingegen zu knauserig und bezahlen Unsummen für Übertretungen von Inklusiv-Gesprächszeiten und für Downloads.

Eine Untersuchung von Wissenschaftlern an der Universität Oxford hat durch Auswertung von 28000 Handy-Rechnungen ergeben, dass viele Mobilfunk-Nutzer ihren maßgeschneiderten Tarif verfehlen, indem sie Paketangeboten auf dem Leim gehen, die sie jedoch nie ausschöpfen können. Suggeriert wird oft ein günstiger Preis, bei dem beispielsweise 1 000 Freiminuten - scheinbar gratis - dabei sind. Zudem verschätzen sich viele in ihrem Konsumverhalten, besonders beim Download über das mobile Internet.

Die Untersuchung bezog sich zwar auf Großbritannien, doch sind die dortigen Verhältnisse durchaus auf andere europäische Länder übertragbar, zumindest in den grundsätzlichen Ausprägungen.

So senden die Briten laut der aktuellen Studie durchschnittlich 300 SMS pro Monat und laden im selben Zeitraum 133 Mbyte auf ihr Smartphone - wobei nur jeder zwanzigste mehr als 500 Mbyte verbraucht. Von den umgerechnet 500 Euro pro Jahr, die sie dafür ausgeben, könnten drei von vier Handynutzern im Schnitt 230 Euro pro Jahr einsparen, wenn sie den für sie besten Tarif wählen würden. Jeder Zweite aus dieser Gruppe verschenkt dreimal mehr Freiminuten als er tatsächlich braucht, da die Angst vor dem Rechnungsschock so irrational groß ist, so die Untersuchung.

Doch auch das Gegenteil sei häufig anzutreffen. Jeder dritte aus der Gruppe der Zuvielzahler besitzt einen Vertrag, der zu knapp für seine Ansprüche ist, und zahlt am Ende des Monats entsprechend drauf. Die Wissenschaftler erklären das dadurch, dass sich viele selbst einreden, so billiger wegzukommen - auch wenn die Abrechnung dann eine andere Sprache spricht. Jeder Fünfte Nutzer stimme Freiminuten und Nutzung zwar richtig ab, lasse jedoch durch ungenutzte Gratis-Angebote des Pakets oder Vertragsverlängerungs-Prämien viel Geld liegen.

Wie teuer das Verfehlen des günstigsten Tarifes kommt, hat auch unlängst eine Unersuchung der österreichischen Arbeiterkammer beim Durchleuchten von 21 000 anonymen Tarifabfragen analysiert.  Unter derzeit 77 registrierten Mobilfunk-Tarifen zeigte sich dabei, dass der drittbilligste Tarif bereits um 31 Prozent teurer ist als der billigste. Die Spanne zum mittleren Tarif beträgt sogar 81 Prozent - also 50 Euro versus 9,50 Euro. Jeder ist somit gut beraten, sein Gesprächsverhalten und die Handyrechnung im Auge zu behalten und bei der Tarifwahl genau zu kalkulieren.

Forderungen von Konsumentenschützern und Wissenschaftlern gehen deshalb vor allem an die Netzbetreiber, denn viele Kunden bleiben bei ihren Verträgen, da sie von hohen Wechselgebühren abgeschreckt werden oder sich lange gebunden haben. Wer sich verschätze, sollte die Möglichkeit bekommen, in andere Tarife zumindest desselben Anbieters zu wechseln - so eine der Forderungen. Und auch aufgrund vieler kleingedruckter Vertragsklauseln seien Tarife toftmals kaum vergleichbar. Mehr Transparenz wäre hier nötig, so eine weitere Forderung, und dazu auch individuell justierbare Höchstbetragsgrenzen für die Internet-Downloads auf das Smartphone.