Unterhaltungselektronik Fernsehen ändert sich und bleibt doch wie es ist

die Rundfunksender haben das Fernsehen in den letzten Jahren um viele »nichtlinieare« Angebote ergänzt – ein dramatischer Wandel. Und doch wird auch vieles so bleiben, wie es ist, sagen Experten auf einer Konferenz des Münchner Kreises.

Trotz mehr als zehn Jahren Internet lebt das lineare Fernsehen weiter, weil wir uns weiterhin gerne um 20:15 Uhr zu Spielfilm, »Tatort« oder Fußballübertragung im Wohnzimmersessel zurücklehnen. Jedoch hat das traditionelle Fernsehen viele nichtlineare Geschwister bekommen, die die Fernsehlandschaft insgesamt drastisch verändern.

Auf der Konferenz "New TV" des Münchner Kreises haben rund 200 Experten aus Medienwirtschaft, Politik und Wissenschaft die Zukunftsperspektiven für die Erzeugung, Vermarktung und Nutzung von TV-Inhalten diskutiert. Über die wesentlichen Trends waren sich die Experten einig: Die Grenzen zwischen herkömmlichem Fernsehen und Internet verschwinden. Dennoch kann für das Fernsehen derzeit ein eher friedliches Nebeneinander mit den über Internet und Mobilfunk verbreiteten Angeboten festgestellt werden. »Auch die jüngste Zukunftsstudie des Münchner Kreises hat gezeigt, dass sich laut Expertenmeinung ein umfassender Wandel der TV-Landschaft über zehn bis fünfzehn Jahre erstrecken wird«, sagte Prof. Jörg Eberspächer, Vorstand des Münchner Kreises.

Dabei werden bereits heute bei einigen Angeboten Live-TV und On-demand-Inhalte auf dem Fernseher über dieselbe Nutzeroberfläche gesehen. Und bald wird es dies auch am PC und auf dem Smartphone geben. »Die nahtlose Integration von linearen TV-Inhalten und On-demand-Inhalten dient nicht nur dazu, durch Querverbindungen die Nutzung insgesamt zu steigern, sie ermöglicht auch reichere Darstellungsformen im TV sowie ein Ausbau der Geschäftsmodelle des interaktiven Fernsehens« erklärte Gert von Manteuffel, Vice President IPTV der Deutsche Telekom AG.

Dr. Susanne Stürmer, Geschäftsführerin der UFA Film & TV Produktion GmbH, betonte, das Potenzial optimaler Verbindungen von Technik und Inhalt sei noch längst nicht erschlossen. »Die Merkmale des Internet werden in vielfältiger Form Inhalte und Erzählweisen beeinflussen. So werden die Genregrenzen zum Beispiel zwischen Dokumentation, Fiction und Game zunehmend verschwimmen. Und die verstärkte On-demand-Nutzung wird neue Herausforderungen an die Programmierung von Inhalten und an das serielle Erzählen stellen«.

Laut Andreas Mueller-Schubert, General Manager bei Microsoft, werden sich Fernsehinhalte in naher Zukunft nicht verändern. »Ein Film, den man sich im Kino ansieht, ist identisch mit dem, den man sich zu Hause im Live-TV, Video-on-Demand oder auf DVD ansieht. Was sich verändert, ist die Art und Weise wie zusätzliche Inhalte – beispielsweise aus dem Web über interaktive Applikationen – auf das TV geliefert und konsumiert werden. Diese Veränderung ist getrieben durch neue Software, Services und Endgeräte«.