Elektronik-Zeitreise Elektronik im amerikanischen Güterzugverkehr

Die Bahn und die Technik. Für viele ein leidiges Thema, zumindest für Kunden der Deutschen Bahn. Doch auch, wenn heutzutage nicht alles funktioniert – die technischen Fortschritte im Vergleich zum Jahr 1965 sind unverkennbar.

Annähernd 1,5 Millionen Güterwagen und etwa 29.000 Lokomotiven schnell und unfallfrei über ein Hauptstreckennetz von 350.000 km zu dirigieren, ist die tägliche Aufgabe der amerikanischen Eisenbahnen.

Die Verwendung längerer Züge, die erhöhten Reisegeschwindigkeiten, der beschleunigte Wagenumlauf und der steigende Anteil der Spezialwaggons am Transportvolumen ließen den Strom der Meldungen über Abfahrts- und Ankunftszeiten ganzer Züge und einzelner Waggons sowie über den jeweiligen Standort auf Strecken und Zwischenbahnhöfen zu einer Datenhochflut anschwellen, die nur noch mit elektronischen Geräten zu bewältigen ist.

Ein neues Wagenvormeldesystem

Eine der wichtigsten Entwicklungen auf diesem Gebiet ist ein Wagenvormeldesystem, das aus einem elektronischen Zähl- und Registriergerät mit Nachrichtengeber besteht und gegenwärtig praktisch erprobt wird. Das Gerät arbeitet mit infrarotem Licht und kann selbst im dichtesten Nebel die Zahl der Waggons eines Zuges und auch die Nummern der einzelnen Wagen feststellen.

Die Wagen wurden mit einer besonderen Kenntafel ausgerüstet, auf der Wagentyp und -nummer aus strahlungsreflektierendem Material aufgebracht sind. Bei der Vorbeifahrt vor dem Gerät werden damit Fernschreibimpulse ausgelöst.

Die Informationen werden dem nächsten großen Verschiebebahnhof übermittelt, damit er die Möglichkeit hat, die Verteilung der angekündigten Wagen auf die verschiedenen Gleise vorauszuplanen. Durch diese Angaben lassen sich auch Nachfragen nach dem Verbleib einzelner Sendungen oder die Vorausmeldungen des Eintreffens rascher als bisher bearbeiten.

Das Zähl- und Registrierwerk und der Fahrtrichtungsanzeiger funktionieren bis zu Reisegeschwindigkeiten von 160 km/h einwandfrei. Die ermittelten Daten lassen sich über ein Fotozellen- und Linsensystem sichtbar machen oder auch elektronisch speichern.

Elektronische Streckenüberwachung

Mehrere große Eisenbahngesellschaften nutzen zum Regulieren der Zugfolge seit geraumer Zeit die zentralisierte Verkehrsüberwachung (Centralized Traffic Control), die eine erhebliche Beschleunigung des Betriebsablaufs ermöglicht. Im günstigsten Falle erlaubt sie fast die Verdopplung der Zugdichte.

Hochleistungs-Datenverarbeitungsanlagen geben der Fahrdienstleitung fortgesetzt Auskunft über die Belegung der Gleise in den Bahnhöfen, die Zugdichte auf den Strecken usw. Die getroffenen Dispositionen werden den Streckenposten und Lokführern über UKW-Sprechfunk mitgeteilt.

Erkennungs- und Rangiersystem regelt Zugzusammenstellung

Die weitere Beschleunigung des Güterzugverkehrs hängt auch von der Verkürzung der Wartezeit in den Bahnhöfen ab. Dabei hat sich ein elektronisches Erkennungs- und Rangiersystem hervorragend bewährt, das auf mehr als 40 amerikanischen und kanadischen Rangierbahnhöfen seit einigen Jahren benutzt wird.

Die Wagenkennzeichen und -nummern aller eintreffenden Züge werden von Fernsehkameras aufgenommen, auf Band aufgezeichnet und einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage eingegeben.

Sie vergleicht die ermittelten Wagennummern mit dem vom Abgangsbahnhof vorausgemeldeten Angaben und erstellt ein Rangierprogramm, um die neu angekommenen Wagen zeitsparend auf die weitere Zugrichtung zu verteilen. Die Anlage steuert nicht nur sämtliche Weichen auf dem Rangierberg und in den Gleisharfen, sie betätigt auch die Bremseinrichtungen, um den harten Aufprall auf abgestellte Wagen zu vermeiden.

 

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