Konferenz des Münchner Kreises Blockchain – besser spät als nie?

Auf der Fachkonferenz "Blockchain" des Münchner Kreises wurde im November aus unterschiedlichen Perspektiven der Nutzen eben jener Technologie besprochen. Was aber allen Referenten klar war: Deutschland wurde bei der Erschließung dieser Technologie bereits abgehängt.

»Da sich Deutschland momentan noch im Blockchain-Winterschlaf befindet, wollten wir mit dieser Konferenz einen Weckruf starten. Die Erforschung von Use Cases, der Austausch von Erfahrungen und das Dazulernen sollen die Müdigkeit vertreiben,« so der Vorsitzende des Forschungsausschusses des Münchner Kreis Prof. Dr. Helmut Krcmar.

Das Ziel der Konferenz war es, den Teilnehmern Orientierung in dem schnell wachsenden und erheblich an Bedeutung gewinnenden Technologiebereich zu geben. Dazu beleuchteten am 23. November Referenten aus unterschiedlichsten Industrien, aus Start-ups, der Wissenschaft und der Gesetzgebung das Thema, stellten Use Cases vor und zeigten damit das Potenzial der Blockchain auf und wo sie an die Grenzen deutscher und europäischer Rechte stößt.

Grundlagen der Blockchain-Technologie

Bei einer Blockchain handelt es sich um ein verteiltes Netzwerk aus Rechnern ohne zentrale Kontrollstelle oder Autorität. Wenn eine Transaktion im Netzwerk zwischen zwei Parteien erfolgen soll, konkurrieren die Knoten im verteilten Netzwerk, um einen mathematischen Beweis zu lösen, der diese Transaktion auch im Transaktionsregister aller Knoten im Netzwerk speichert.

Eine Transaktion kann anschließend nicht mehr aus dem Transaktionsregister gelöscht oder zurückgenommen werden. Die Datenstruktur einer Blockchain entspricht einer Datenbank, die Einträge in Blöcken gruppiert, welche in chronologischer Reihenfolge über eine kryptographische Signatur miteinander verknüpft sind.

Die Blöcke enthalten eine Kopie der letzten Transaktionen seit dem Hinzufügen des letzten Blocks. Somit handelt es sich bei einer Blockchain um ein dezentrales, nicht reguliertes und ggf. offenes Transaktionsregister.

Für die Verifikation der Blockchain können unterschiedliche Konsensmechanismen verwendet werden, welche auf Peer-to-Peer-Technologien und Verschlüsselung basieren.

Use Cases: Smart Contract und Smart Business

Wenn in einer Blockchain Programmierungslogiken abgelegt werden, die unveränderbar sind, können sogenannte »Smart Contracts« geschlossen werden, die aus gemeinsam festgelegten Regeln bestehen. So ist kein Vertrauen mehr zwischen zwei Vertragspartnern nötig, denn: Wenn A in Vorleistung tritt, wird auch B automatisch eintreten, bevor C vollzogen werden kann, d.h. bestimmte Vertragsinhalte wie Zahlungen können selbsttätig ausgeführt werden, wenn die Bedingung dafür erfüllt ist.

Auch im Bereich der Smart Business Solutions werde Blockchain zukünftig eine wichtige Rolle spielen, erklärte Sebastian Becker von Riddle&Code: Crypto Papers verhindern beispielsweise Fälschungen, das Smart Lock verbessert die Sicherheit in der Logistik und mithilfe von Smart Plugs können wir unser Elektroauto demnächst ganz leicht im Nachbarort laden.

Rechtliche Hindernisse

Gerade die automatisierte und unumkehrbare Ausführung der Transaktion hat zum Beispiel bei den »Smart Contracts« eine Kehrseite, erläuterte Dr. Alexander Duisberg, Partner bei Bird & Bird LLP. Im deutschen Recht gibt es den Fall, dass ein Rechtsgeschäft von Anfang an nichtig sein kann und keine Wirkung entfaltet. Das gilt für Verstöße gegen gesetzliche Verbote oder z.B. auch für die Anfechtung wegen Irrtums. Kern der Blockchain-Technologie ist aber die Nachvollziehbarkeit der Transaktionshistorie im Code, die auf der Blockchain weder geändert noch ausgelöscht werden kann. Auch hemmen Europäischen Datenschutzbestimmungen, insbesondere die Datenschutzrichtlinie GDPR, die Entwicklung der Blockchain-Technologie.

Trotzdem....

Gleichwohl hat Estland die Blockchain, im Gegensatz zur öffentlichen Hand in Deutschland, bereits für sich entdeckt. Das EU-Land testet die Speicherung von Gesundheitsdaten, etwa Bluttestergebnissen oder Röntgenbilder, auf der »Blockkette«, um Krankenhäusern oder Ärzten im Urlaubsland den Zugriff zu erleichtern. In Schweden arbeitet das Katasteramt mit Blockchain und die dänische Liberale Allianz nutzte die Technologie sogar schon 2014 für eine sichere elektronische Abstimmung.