Microsoft baut 18.000 Arbeitsplätze ab Auch neuer Arbeitgeber kann ehemalige Nokia-Mitarbeiter nicht retten

Microsoft-CEO Steve Ballmer  seinen Freund Stephen Elop bald wieder in Redmond begrüßen - als seinen Nachfolger?
Stephen Elop (links) mit seinem Freund, dem ehemaligen Microsoft-CEO Steve Ballmer.

Die Mitarbeiter von Nokia mussten schon seit Jahren mit Schreckensmeldungen leben, jetzt trifft es sie auch unter dem Dach von Microsoft. Der neue Konzern-Chef Satya Nadella baut das Unternehmen kräftig um, und das wird mehr Stellen kosten als je zuvor. Verantwortlich für das Drama ist jedoch nicht Nadella, er muss das grauenhafte Erbe von Nokias Ex-CEO Stephen Elop verwalten.

Satya Nadelle, erst seit Februar im Amt, will sich zukünftig auf den Tablet- und Smartphone-Markt und auf Online-Dienste aus der Cloud konzentrieren. So will er den Rückstand aufholen, den Microsoft im mobilen Internet gegenüber Google und Apple hat. „Wir wollen Entscheidungswege verkürzen, agiler werden und schneller reagieren“, schrieb der Manager an die Mitarbeiter.

18 000 der insgesamt 127 000 Arbeitsplätze will Nadella abbauen, was jeder 7. Stelle entspricht. Die meisten Mitarbeiter sollen bereits innerhalb der nächsten sechs Monaten entlassen werden. Dabei trifft es vor allem ehemalige Nokia-Mitarbeiter, von denen 25.000 im Rahmen der Übernahme von Nokia zu Microsoft gegangen waren – verbunden mit der Hoffnung, dass Microsoft die von Ex-CEO Stephen Elop heruntergewirtschaftete Handy-Sparte doch noch retten könne. Etwa die Hälfte von ihnen verliert stattdessen in den kommenden Monaten ihren Job. Unter anderem wird die Handy-Fabrik in Ungarn geschlossen. Elops 1.100 Worte umfassendes Kündigungs-Schreiben, das mit den unpersönlichen Worten "Hello there" eingeleitet wird, können Sie im Wortlaut auf der folgenden Seite nachlesen - erst in Absatz 11 kommt er in 2 Sätzen auf den Kern der Sache zu sprechen, einen Dank an die z.T. langjährigen (zukünftigen Ex-) Mitarbeiter sucht man vergebens.

In Deutschland wird der Stellenabbau weit weniger dramatisch sein als im Unternehmen insgesamt. Nokia hatte hierzulande bereits zuvor die Zahl seiner Mitarbeiter kräftig reduziert. Mit der Handysparte wechselten rund 100 Beschäftigte von Nokia zu Microsoft – vor allem aus den Bereichen Marketing und Vertrieb. Insgesamt beschäftigt Microsoft in Deutschland derzeit rund 2700 Mitarbeiter. Hierzulande sollen nach Medienberichten nur eine zweistellige Anzahl von Arbeitsplätzen abgebaut werden. Das Management, so ist zu lesen, werde Gespräche mit dem Betriebsrat führen, um eine möglichst sozialverträgliche Lösung zu finden.

Der letzte Schritt auf Stephen Elops Irrweg

Begonnen hatte das Drama um den ehemaligen Handy-Marktführer Nokia mit der Abkündigung des Erfolgsbetriebssystems Symbian zu Gunsten einer Windows-Phone-Only-Strategie durch CEO Stephen Elop, der zuvor von Microsoft zu Nokia gewechselt war. Elops größte Fehler hatten wir bereits 2011 in zwei umfänglichen Analysen „Wie Stephen Elop Nokia an die Wand fuhr – seine katastrophalsten Fehler“ und „Nokia-CEO Stephen Elop: Vom Katastrophenmanager zum Totengräber“ aufgezeigt. Was folgte, war der Absturz eines Marktführers, den es in dieser Form in der Geschichte noch nie gegeben hatte. Quartal für Quartal erodierte Nokias Marktanteil bis zu dem Punkt, wo sich Microsoft erbarmte, und große Teile des ehemals stolzen finnischen Unternehmens für einen Spottpreis kaufte.

Es ist an Zynismus kaum mehr zu überbieten, das ausgerechnet Stephen Elop, der mit seiner „Window-Phone-Strategie“ tausende Arbeitsplätze auf dem Gewissen hat, auch noch 19 Mio. Dollar Abfindung kassierte, bevor er in leitender Position zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Microsoft zurückkehrte.  Es gab sogar daraufhin sogar Vermutungen, Elop könnte als eine Art trojanisches Pferd für Microsoft gearbeitet haben, um Nokia so an die Wand zu fahren, dass Microsoft das Handy-Geschäft möglichst billig kaufen könne – offizielle Beweise für diese Theorie ließen sich freilich nicht finden.

Derzeit liegt der weltweite Marktanteil der Nun-Microsoft-Smartphones bei gerade einmal drei Prozent, dagegen laufen rund 80 Prozent der Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android. Microsoft will die Produktentwicklung im Smartphone-Bereich weitgehend in Nokias Heimat Finnland betreiben. Hergestellt werden sollen die Geräte aber vor allem in Vietnam. Die Kosten für die Stellenstreichungen bezifferte das Unternehmen auf 1,1 bis 1,6 Milliarden Dollar.

Ob Windows Phone alleine dadurch attraktiver wird, dass die Geräte statt von Nokia jetzt von Microsoft verkauft werden? Es darf gezweifelt werden.