Elektronik-Zeitreise Als Surfen noch aufregend war

Zyxel-Modem U-1496, damals ein Standard für den Aufbau von Datenverbindungen über die Telefonleitung.
Zyxel-Modem U-1496, damals ein Standard für den Aufbau von Datenverbindungen über die Telefonleitung.

Einwählen mit dem Modem – so funktionierte der Aufbau einer Datenverbindung, als es noch kein DSL gab. Der Aufreger dabei waren die Monopol-Tarife der Telekom.

Im Zeitalter von »always-on« ist das kaum noch vorstellbar, aber früher musste man erstmal »ins Internet gehen«, sprich: eine Datenverbindung aufbauen, bevor man den Browser starten konnte.

1990 stellte Zyxel das Modem U-1496 vor, das Datenverbindungen mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 14,4 kbit/s aufbauen konnte. Das war gegenüber den früheren Generationen mit 2400 bis 9600 bit/s ein gewaltiger Fortschritt. Was sich nicht änderte war die Notwendigkeit eines 15 bis 20 Sekunden dauernden Einwahlvorgangs zum Aufbau der Datenverbindung. Doch selbst dann war man noch nicht im Internet, denn es gab überhaupt noch kein Internet!

Stattdessen berichteten z.B. Zeitschriften über sog. Mailboxen, in denen es z.B. Shareware und Public-Domain-Software zum Herunterladen gab. Was die Sache aber wirklich aufregend machte, waren die Tarife der Telekom zu dieser Zeit. Die »Deutsche Post Telekom« hatte noch das Fernsprechmonopol und der Gebührenzähler tickte bei Ortsgesprächen jede Minute, und die kostete 8 Pfennig. Pro Stunde sind das 4,80 DM – es war also völlig illusorisch, dauernd online zu sein.

Mein aufregendstes Erlebnis in dieser Zeit war das Herunterladen einer Software aus einer Mailbox im fernen Köln. Das kostete im ermäßigten Abend- und Wochenendtarif 36 Pf. pro Minute. Für einen armen Studenten war das schon eine Hausnummer: drei Minuten Download eine Mark – aber groß war dann auch das Glücksgefühl, in nur wenigen Minuten nicht nur Daten, ja sogar Software aus einer anderen Stadt bezogen zu haben, statt tagelang auf einen Brief mit Diskette warten zu müssen.

Vor wenigen Tagen wurde meine Telefon-/Internetleitung daheim auf Glasfaser umgestellt. Als Bandbreite standen zur Wahl: 25, 50 oder 100 Mbit/s. Das Erstaunlichste daran war für mich bei dieser Umstellung aber nicht die neue Geschwindigkeit, sondern dass alles reibungslos klappte: Der Techniker kam zur vereinbarten Zeit und das Einzige, was etwas länger dauerte, war das Eingeben der neuen Zugangsdaten in der Weboberfläche des Routers. Am nächsten Tag rief sogar eine freundliche Dame an und erkundigte sich, ob alles zufriedenstellend verlaufen sei. So viel Service ist man heute gar nicht mehr gewohnt – aber ich bin auch nicht bei der Telekom.

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Elektronik-ZeitreiseDie Elektronik wird 65 Jahre – der perfekte Moment, um eine kleine Elektronik-Zeitreise zu beginnen: Wir haben in unserem Archiv geschmökert und bahnbrechende Neuigkeiten der vergangenen 65 Jahre entdeckt. Erleben Sie in unserer Elektronik-Zeitreise revolutionäre Neuigkeiten der vergangenen Jahrzehnte – gerne mit einem Schmunzeln.