Kommentar 448 Limburger Bischofsresidenzen

Facebook hat WhatsApp übernommen und dafür 19 Milliarden Dollar hingelegt. Solch eine unvorstellbare Summe für ein Start-up auszugeben zeigt, in welchem Zustand sich die Märkte gerade befinden: in der Maßlosigkeit.

Seit dem Beginn der US-Finanzkrise und mit der folgenden Euro-Krise haben die Notenbanken unglaublich viel billiges Geld in Umlauf gebracht. Im Gegenzug gibt es kaum noch Zinsen, was dazu führt, dass das Verhalten der Anleger immer buntere Blüten treibt. Die Evangelische Kirche in München wird derzeit von einem Finanzskandal erschüttert: 5,5 Millionen Euro sind weg, weitere 7,4 gefährdet. Das Geld war ethisch veranwortungsvoll und ökologisch korrekt angelegt – nur leider mit zu viel Risiko. Vier mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Solar und Recycling, deren Anleihen die Kirche gekauft hatte, sind pleite gegangen. Und weitere könnten folgen.

Da hat es Herr Tebartz-van Elst besser gemacht. Er hat zwar 31 Millionen in den Sand gesetzt, dafür hat Limburg jetzt aber wenigstens eine schöne Bischofsresidenz.

Wer dachte, das alles sei viel Geld, muss seine Maßstäbe seit heute um ein paar Größenordnungen korrigieren: Für 19 Milliarden Dollar hat Facebook den »Instant Messaging«-Dienst Whatsapp gekauft. Zum gegenwärtigen Umrechnungskurs entspricht das den Baukosten von 448 Limburger Bischofsresidenzen. Darunter kann man sich allerdings genauso wenig vorstellen wie unter der gigantischen Zahl von 19 Milliarden Dollar (13,9 Mrd. Euro).

Vielleicht können andere Bauprojekte einen geeigneten Vergleichsmaßstab liefern? Der Kanaltunnel zwischen England und Frankreich kostete 15 Mrd. Euro, wurde aber auch schon 1994 fertiggestellt. Verkehrsminister Ramsauer äußerte 2011 im Spiegel, dass ein Kilometer Autobahn ohne Brücken und Tunnel etwa 10 Millionen Euro kostet. Der Kaufpreis von Whatsapp transformiert sich dann zu fast 1400 km Autobahn. Oder zu 57 km Eisenbahntunnel. So lang ist der Gotthard-Basistunnel. Er soll rund 15,5 Mrd. Euro kosten. Na gut, das sind 1,6 Milliarden mehr als Whatsapp gekostet hat, aber was macht das schon? – Wir wollen nicht so kleinlich sein, Facebook war es ja auch nicht.

Der Gotthardtunnel ist ein Infrastrukturprojekt mit jahrzehntelanger politischer und strategischer Tragweite für ein ganzes Land.

Wie nachhaltig ist die Investition von Facebook in Whatsapp? Ist die Zukunft von Facebook schon so gefährdet, dass sie nur noch durch solch einen multi-milliardenschweren Deal zu retten ist? Das Geschäft zeigt: Die Manager der »smarten« Konzerne stehen unter einem unglaublichen Druck. Wer nicht schnell genug wächst, wird von der Börse abgestraft. Auch wenn sich Zuckerbergs Kollegen von Google und anderen über den Kaufpreis lustig machen, werden erfolgreiche Start-ups in Zukunft erheblich teurer werden. Das ist der Beginn einer neuen Blase. Und Facebook hat da kräftig heiße Luft reingepumpt.