Mobile World Congress 300 Mbit/s bereits LTE-Realität

Hamid-Reza Nazeman, Deutschland-Manager bei Qualcomm Technologies, erwartet für Ende 2014/Anfang 2015 die ersten Geräte mit dem 64-Bit-Prozessor Snapdragon 615 im Markt.
Hamid-Reza Nazeman, Deutschland-Manager bei Qualcomm Technologies, erwartet für Ende 2014/Anfang 2015 die ersten Geräte mit dem neuen 64-Bit-Prozessor Snapdragon 615 im Markt.

Die Download-Raten steigen weiter in den Mobilfunknetzen: der Mobile World Congress zeigte wieder einmal, welche Anstrengungen die Prozessor- und Modem-Hersteller unternehmen, um im LTE-Advanced-Netz weitere Geschwindigkeitssteigerungen zu erreichen. „Carrier Aggregation“ ist dabei das Zauberwort, und 300 Mbit/s sind bereits realisiert.

Die 64-Bit-Prozessoren in den neuesten Mobilfunk-Kommunikationsgeräten sind auf unaufhaltsamen Vormarsch. Qualcomm unterstrich diesen technischen Trend auf dem Mobile World Congress unter anderem durch die Vorstellung der neuen High-Speed-Prozessor-Chipsätze Snapdragon 610 und 615. Klar ist dabei auch, dass mit diesen neuen Hochgeschwindigkeits-Prozessor Chips aber andererseits die in Mobilgeräten recht begrenzte Batteriekapazitäten nicht über Gebühr beansprucht werden darf. Genau dafür ist beispielsweise die Octa-Core-Architektur im 615er-Chipsatz optimiert: ein an die jeweiligen Anforderungen intelligent angepasstes Dazu- und Wegschalten der einzelnen Kerne ermöglicht eine sehr fein granulierte und individuell abgestufte Steuerung der Stromaufnahme.
In vielen Designs auftauchen wird demnächst mit Sicherheit auch der neue Snapdragon-801-Prozessor, der mit einem 4G-LTE-Kategorie-4-Modem und der gesamten Palette an Nahbereichs-Funkkommunikation wie WLAN usw. aufwarten kann. Die Rechenleistung dieses Prozessors reicht aus, um die momentanen Standards bezüglich Wireless-Kommunikationsfähigkeit locker zu erfüllen. Bereits eingebaut ist der neue Snapdragon 801-Prozessor unter anderem in das auf dem Mobile World Congress mit einem riesigen Medien-Spektakel vorgestellte Samsung Galaxy-S5-Smartphone. Hier arbeiten die 2,5-GHz-Quad-Core-CPU, eine Adreno-330-Grafik-Prozessor-Einheit, dazu 2 GB RAM, eine 16 Megapixel-Kamera mit hervorragenden Bildwiedergabe-Eigenschaften und ein ultra-HD-Video-Modus.
Geschwindigkeit im Mobilfunk-Netz ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt derzeitiger Entwicklungen: Im Visier bei Qualcomm sind aber bereits neben den jetzt im 615er-Chipsatz verfügbaren Kategorie 4-Modems mit 150 Mb/s, LTE-Download und 50 Mb/s Upload aber auch schon die nächsten Geschwindigkeit-Kategorien im LTE-Kommunikationsnetz: mit der neuen Gobi-Plattform an Kommunikations-Modems (die vierte Generation) ist man bereits in den LTE-Advanced-Geschwindigkeits-Bereich von 300 Mb/s vorgedrungen: So schafft beispielsweise das Samsung Galaxy Note 3 mit dem Qualcomm-Gobi 9x35-Modem eine Download-Geschwindigkeit von 300 Mb/s. Die Demonstration dieses Geschwindigkeitsbereiches wurde auf einem speziell modifizierten Galaxy Note 3 durchgeführt, wobei neben dem Gobi-Modem auch ein 805er Snapdragon-Prozessor arbeitete.
Übrigens: die Modems dieser neuesten Kategorie sind in 20-nm-Technologie gefertigt und sie schaffen mit Carrier-Aggregation (Zusammenschalten verschiedener Bänder, auch in unterschiedlichen Frequenzbereichen wenn nötig und verfügbar) von 2 × 20 MHz einen Download-Kanal von insgesamt 40 MHz Bandbreite und sind so in der Lage, die 300 Mb/s im Download zu erreichen.

Übrigens: CSL, der erste Mobilfunkbetreiber, der ein Dualband 4G LTE/DC-HSPA+ Netz in Asien startet, verkündete bereits zusammen mit ZTE beim Mobile World Congress 2014 in Barcelona den Start des ersten LTE-Advanced-Mobilfunkstandorts mit 300 Mbit/s in einem kommerziellen Netz. CSL arbeitet zudem mit Qualcomm und ZTE zusammen, um ein neues LTE-Advanced-CAT6-Modem mit Hilfe des Qualcomm-Chipsatzes Gobi 9x35 zu testen, dessen Markteinführung für die zweite Jahreshälfte 2014 vorgesehen ist.

Zu beachten ist: 300 Mbit/s ist die theoretische Grenze, die unter optimalen Bedingungen in einem kontrollierten Testumfeld in dieser Konfiguration mit Carrier Aggregation erzielt werden kann. Die tatsächlichen Geschwindigkeiten werden aufgrund einer Reihe an leistungsbeeinträchtigenden Faktoren wesentlich niedriger sein, wie beispielsweise die Anzahl der Anwender, Serverauslastung, Internetbedingungen, Servergeschwindigkeiten, Netzbedingungen, Netzabdeckung, Standort, Computer und Gerät, Hardware, Software, Ausschöpfungsgrad und andere Faktoren.

Doch das ist mit Sicherheit noch nicht das Ende der Speed-Fahnenstange: So ist man bei Qualcomm bereits an der nächsten Geschwindigkeitsklasse dran - mit 600 Mb/s im Download.