Fernüberwachung von Patienten Kann Technik den Arzt ersetzen?

Ziel der Telemedizin ist es, durch Fernüberwachung der Patienten den Arzt von zeitraubenden Routine-Aufgaben zu entlasten. Doch wird diese Technik einmal in der Lage sein, den Arzt ganz zu ersetzen?

Technische Geräte und insbesondere die Informationstechnik sind nach allgemeiner Ansicht durchaus geeignet, dem Kostendruck im Gesundheitswesen entgegenzuwirken. Dabei handelt es sich – neben den Diagnose- und Behandlungsgeräten, Stichwort Elektromedizin –  vor allem um informationstechnische Einrichtungen für die Unterstützung der Arbeitsorganisation in den Kliniken.

Prof. Dr. Hartmut Gehring, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE, wies auf einer Veranstaltung des VDE darauf hin, dass der demografische Wandel schon heute einen dramatischen Anstieg bei den Erkrankungen nach sich gezogen hat. So habe in Deutschland die Zahl der Behandlungsfälle in den Krankenhäusern seit 1991 um 15 Prozent zugenommen, die Verweildauer in den Krankenhäusern ging im gleichen Zeitraum um 14 Tage auf 8,5 Tage zurück. Trotz der Verbesserung der Arbeitsabläufe im Krankenhaus, auch unterstützt durch neueste Technik, sei jedoch seit 1991 die Zahl der Ärzte von 121.200 um 22 Prozent gestiegen: auf 148.300.

Die neu eingeführte Technik habe aber im Krankenhaus in aller Regel nicht zu einer Verschlankung der Prozesse geführt, weil diese die alten Geräte nicht ersetzt, sondern ergänzt. So steht bei den bildgebenden Verfahren das gute alte Röntgengerät neben dem Computer-Tomographen, der Magnetresonanz-Tomograph neben dem Positronen-Emissions-Tomografen (PET), die alle von Spezialisten und eingewiesenen Fachkräften bedient werden müssen. Nach Ansicht von Gehring ist eine weitgehende Vernetzung der medizintechnischen Geräte erforderlich. Diese müssten grundsätzlich in die IT-Infrastruktur eines Krankenhauses eingebunden werden, daraus ergäben sich dann neue Möglichkeiten für Therapie und Prozessoptimierung:

  • Während der Operation sollten dem Chirurgen und Anästhesisten Patienten-Daten und medizinisches Fachwissen unmittelbar zur Verfügung stehen.
  • Am Krankenbett (Point of Care) sollten Bilddateien (CRT, Röntgen, Ultraschall) verfügbar sein, die den gesamten Krankheitsverlauf dokumentieren.
  • Mit Hilfe von OP-Ablauf-Analysen ließe sich eine systematische Qualitätssicherung betreiben.

Wegen der hochgradigen Arbeitsteilung im Krankenhaus müssten zudem neue Wege beschritten werden. Ein Ansatz ist die sogenannte »modellgestützte Therapie«, bei der in einem patientenzentrierten Wissensmodell neue Arbeitsabläufe für Diagnostik und Therapie entwickelt werden, die eine Informationsinfrastruktur mit einbeziehen, bei der auch die Telemedizin mit unterstützt wird.

Durch die Zusammenführung der Patienten-Daten entsteht ein realitätsnahes Modell des Krankheitsverlaufs, das den Arzt bei der Entscheidungsfindung wesentlich unterstützt. Eine deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenhausärzte könne aber nicht erwartet werden, wohl aber eine Steigerung der Qualität der Behandlung im Krankenhaus.