Freescale Zweistelliger Millionenverlust bei gleichem Umsatz

Gregg Lowe, Freescale Semiconductor: »Das gesamte Unternehmen verfolgt für die Zukunft zwei Ziele: überdurchschnittliches Wachstum und höhere Margen.«
Gregg Lowe, CEO von Freescale, konnte im 2. Geschäftsquartal 2013 ein minimales Umsatzwachstum ausweisen.

Der amerikanische Chip-Hersteller Freescale aus Austin, Texas, hat im 2. Quartal seines Geschäftsjahres 2013 seinen Umsatz gegenüber dem identischen Vorjahreszeitraum minimal steigern können. Ein zweistelliger Millionenverlust trübt allerdings das Bild ebenso wie ein nachwievor negatives Eigenkapital in Milliardenhöhe.

Eigentlich könnte Freescales CEO Gregg Lowe zufrieden sein: Der Umsatz in Q2 2013 stieg gegenüber Q2 2012 von 1,029 Mrd. Dollar marginal um 9 Mio. Dollar aus 1,038 Mrd. Dollar, zudem konnten die strategisch wichtigen Bereiche zulegen: Das Mikrocontroller-Geschäft (ohne Automotive) wuchs von 169 auf 199 Mio. Dollar Umsatz, die Automotive-MCUs von 258 auf 272 Mio. Dollar, Digital-Networking von 220 auf 229 Mio. Dollar und HF von 66 auf 81 Mio. Dollar.

Lediglich der Analog- und Sensor-Geschäftsbereich musste mit 188 Mio. Dollar Umsatz einen allerdings minimalen Rückgang von 190 Mio. Dollar hinnehmen. Das der Geschäftsbereich "Sonstiges" von 126 auf 69 Mio. Dollar einbrach, ist wenig verwunderlich, da er z.B. Chip-Verkäufe für Mobiltelefone beinhaltet, ein Bereich, den Freescale bekanntlich aufgegeben hat.

Im Vergleich zu Wettbewerbern, die ebenfalls stark im MCU-Geschäft sind, nahm Freescale in diesem Quartal eine positive Entwicklung: ST Microelectronics büsste 5 % Umsatz ein, beim japanischen MCU-Marktführer Renesas darf man nach der Unternehmsrettung durch einen staatlichen Investment-Fond wiederum mit hohen Verlusten rechnen - offiziell bekanntgegeben werden die Zahlen erst am 2. August.

Es gibt allerdings auch wenig erfreuliches in der Q2-Bilanz von Freescale zu lesen: Weniger noch der Verlust in Höhe von 65 Mio. Dollar (gegenüber minus 34 Mio. Dollar in Q2 2012), als die nachwievor exorbitante Schuldenlast, die im Jahr 2006 beim Kauf durch ein Investorenkonsortium, bestehend aus der Blackstone Group, Carlyle Group, Permira Funds und Texas Pacific Group, in Folge des Kaufpreises in Höhe von 17,6 Mrd. Dollar auf Freescales Bilanz geladen wurde.

Das negative Eigenkapital, also Schulden, die nicht durch Vermögenswerte gedeckt sind, beträgt Ende Q2 2013 4,583 Mrd. Dollar und ist damit sogar noch leicht höher als am Ende von Q2 2012 (4,498 Mrd. Dollar). Insgesamt beträgt die Schuldenlast mehr als 6,8 Mrd. Dollar, davon sind allerdings 6,413 Mrd. Dollar langfristige Verpflichtungen.

Erfreulich ist hingegen, dass CEO Lowe den Chip-Hersteller nicht kaputtsparen will: Mit 187 Mio. Dollar Investitionen in Forschung und Entwicklung erzielt Freescale mit 18 % fast dieselbe Quote wie Qualcomm, ein Chip-Hersteller, dass seit Jahren Milliardengewinne erzielt.