ARM TechCon 2013 Wie wird man dem Internet der Dinge Herr?

ARMs Executive Vice President John Cornish will IoT-Entwickler mit einer ARMmbed genannten Plattform unterstützen.
ARMs Executive Vice President John Cornish will IoT-Entwickler mit einer ARMmbed genannten Plattform unterstützen.

Am letzten Tag der diesjährigen ARM-Entwicklerkonferenz stellten ARMs Executive-VP John Cornish und Oracles JAVA-Chefin Nandini Ramani ihre Gedanken vor, wie die Architektur des „Internet der Dinge“ aussehen könnte – und wie das ganze Thema beherrschbar werden kann.

Bevor Cornish auf die Herausforderungen des IoT und ARMs Lösungsansätze einging, erklärte er sichtbar stolz, dass ARM die Konkurrenz in den Embedded Märkten zunehmend abhängt: Während 8- und 16-bit-Cores in Mikrocontrollern und Smartcards seit 2007 pro Jahr im Schnitt nur um 6 % zulegen konnten und 32-bit-Cores der Konkurenz (MIPS und proprietäre Architekturen) nur um 9 % wuchsen, erzielten ARMs Lizenznehmer ein durchschnittliches jährliches Wachstum um 40 % - allein 2012 wurden 1,9 Mrd. Chips mit Cortex-M-Cores in Sensoren, Funkchips und MCUs, also den Basiselementen für ein IoT, ausgeliefert, eine wahrlich beeindruckende Zahl.

Dann kam Cornish wie schon gestern sein Chef Simon Segars auf das Thema Standardisierung zu sprechen. Diese sind essentiell, um das IoT zum Fliegen zu bekommen. ARM hat dazu kürzlich die US-Firma Sensinode gekauft, einen Pionier im Bereich der offenen IoT-Standards – die Software der Firma erlaubt eine sichere und effiziente Kommunikation (in Bezug auf die Datenmengen) vom Sensor bis hin in die Cloud. So gibt es einen 6LoWPAN-Protokoll-Stack für 2.4 GHz und Sub-GHz-Radios, eine NanoRouter genannte Software, die als 6LoWPAN-Netzwerk-Router agiert und ein Routing zwischen 6LoWPAN- und IPv4/IPv6-Netzwerken ermöglicht. Last but not least wird eine NanoService genannte Lösung angeboten, welche End-to-End-Web-Services mittels CoAP- und Embedded-Web-Technologie ermöglicht, inclusive der Backend-Web-Anwendungsumgebung, Referenz-Apps z.B. für Smart-Energy, Lighting, Smart-Home und Security-Anwendungen sowie Device-Bibliotheken.

Ein zweiter Ansatz bietet die Entwicklerplattform ARMmbed (www.mbed.org), auf welcher kostenlose embedded Buildings-Blocks für Cortex-M-Controller, Sensoren, Radios und Cloud-Services bereitgestellt werden.

Zum Schluß erklärte Cornish, dass ARM Java ME als die Sprache des IoT vorantreibt. Dazu wurde zusammen mit ARMs Lizenznehmer Freescale und Oracle eine Hardware-Abstraktions-Schicht entworfen, welche die Portabilität von Java ME ermöglichen soll. Um die Adaption voranzutreiben, hat ARM zudem kostenlos seine Sensinode-CoAP-Protokoll-Engine in das OpenJDK eingebracht.

ORACLEs JAVA-Chefin Nandini Ramani konkretisierte die JAVA-Pläne des Unternehmens in Bezug auf das IoT. Für sie steht außer Frage, dass Java angesichts von 9 Mio. Entwicklern weltweit und der breiten Akzeptanz bei den Mobilgeräten (80 % der App-Entwickler nutzen Java) auch die Nr.1-Sprache für das IoT werden wird. Dazu wurde zusammen mit ARM eine Referenzarchitektur entworfen, in welcher auch diverse Komponenten von Sensinode zu finden sind.

Wie nicht anders zu erwarten, verschwieg Ramani, dass Java speziell für Low-Power-Mikrocontroller derzeit noch zu ressourcenfressend ist - derzeit laufen jedoch z.B. schon gemeinsame Projekte mit Freescale, um Java in diese Richtung zu optimieren.

Was nach zwar Vortragstagen auf der TechCon auffällig war: Die in Deutschland gebrauchten Begriffe M2M und Industrie 4.0. spielten außer in einer Folie von Cornish – hier zitierte er eine Untersuchung des schwedischen Unternehmens Ericsson hinsichtlich des zu erwartenden Wachstums der Datenmengen - keine Rolle: Sie sind in der Sprache der Amerikaner und Asienten schlichtweg ein Teil des weitgefassten Internet der Dinge.