Intel führt Mobil- und PC-Geschäft zusammen Was passiert mit Intels Mobil-Chef Hermann Eul?

Intel wird sich zur Entwicklung von Lösungen aktiv in die EEBus Initiative e.V. einbringen.
Intel wird sich zur Entwicklung von Lösungen aktiv in die EEBus Initiative e.V. einbringen.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel reagiert auf die desaströsen Finanzergebnisse seines Mobil-Chip-Bereiches: Anfang 2015 wird das Geschäft in die PC-Gruppe integriert.

Die von Ex-Infineon-Vorstand Prof. Hermann Eul geleitete Mobile und Communications Group verzeichnete für das dritte Quartal 2014 einen operativen Verlust von mehr als 1 Milliarde Dollar und einen Umsatzrückgang von 51 auf nur noch 1 Mio. Dollar, während die von Kirk Skaugen geleitete PC-Gruppe einen Umsatzzuwachs um 6 % auf 9,2 Milliarden US-Dollar verbuchen konnte.

Als Lösung wird die Mobil-Gruppe also 2015 der PC-Gruppe beitreten, die in die Bezeichnung "Client Computing Group" umbenannt wird. Die Mobile and Communications Group, die derzeit für Tablet- und Smartphone-Plattformen als auch HF-Transceiver, GPS, WiFi und Bluetooth verantwortlich ist, wird aufgeteilt. Die Teams, welche auf die SoC-Entwicklung fokussiert sind, treten der neuen Client Computing Group bei, die mit dem Fokus auf HF-Technologie werden eine neue HF-F&E-Gruppe bilden, die jedoch in der Hierarchie unterhalb der Client Computing Group angesiedelt sein dürfte.

Aus Intels Sicht macht dies Sinn, da sich Atom-, Core-M- und einige Core-i-Derivate immer mehr in Bezug auf Rechenleistung und Leistungsaufnahme aufeinander zubewegen. Die Roadmap für Mobilchips inklusvie Modems soll angeblich nicht verändert werden: Die Modem-Entwicklung wird in Intels Produkt Engineering Group ebenso integriert wie die derzeit noch separate chinesische Produkt Engineering Group, die zuvor unabhängig von der Hauptentwicklungsgruppe agiert hat.

Laut Intel gibt es im Gegensatz zu Broadcom, das angesichts Qualcomms Übermacht im LTE-Modem-Geschäft kapituliert und den Geschäftsbereich geschlossen hatte, keine Pläne, das Modem-Geschäft zu schließen oder zu veräußern.

Einige Analysten sehen in der Zusammenführung jedoch einen Hinweis darauf, dass Intel das Smartphone-Geschäft aufgeben und sich nur noch mit einer einheitlicheren Produktlinie auf Tablets konzentrieren könnte. Dafür spricht, dass die LTE-Modems immer noch diskret bei TSMC in Taiwan statt in Intel eigenen Fabs gefertigt werden – der Weg zu einem integrierten Chip a la Snapdragon von Qualcomm wäre also offenbar noch lang.

Insgesamt könnte diese Umstrukturierung jedoch auch eine große Veränderung in der Art und Weise, wie Intel tätig ist, signalisieren. Wenn das Mobil-Geschäft die gleiche Priorität wie das Flaggschiff Core-i und die gleiche Art von Top-Tier-Architekturen bekommt, könnte dies für die CPU-Rechenleistung von Intel im mobilen Bereich von großem Nutzen sein. Gleichzeitig kann die PC-Sparte auch von einigen der Mobil-Entwicklungen profitieren.

Laut Intel sollen mit der Zusammenführung keine Entlassungen verbunden sein. Herman Eul wird die Integration federführend leiten, bevor er laut einem Intel-Sprecher „anschließend eine neue Aufgabe erhält“ – ob bei Intel oder anderswo? Die Zeit wird es zeigen.