Update zur Übernahme Was geschieht mit dem Intel-Geld?

Auf der Pressekonferenz zur Übernahme von Infineons Wireless-Sparte durch Intel gab es noch einige neue Details. Unter anderem gab CEO Peter Bauer einen Ausblick, was mit den 1,4 Milliarden Dollar von Intel nun passiert.

Das Infineon-Geschäftsgebiet Wireless Solutions (WLS), das im dritten Quartal einen Weltmarktanteil von 17 Prozent erreicht hat,  soll nun als eigenständige Geschäftseinheit der Intel Architecture Group (IAG) weitergeführt werden. Die Kunden von Infineon werden von Intel weiterbetreut, auch was die ARM-basierenden ICs betrifft. Die Übernahme, die Intel mit Barmitteln finanziert, soll im ersten Quartal 2011 abgeschlossen sein.

3.400 Mitarbeiter werden von Infineon zu Intel wechseln, etwa 1.600 von ihnen arbeiten derzeit in Deutschland. Von Intel gab es die Aussage, dass alle Mitarbeiter an ihren entsprechenden Standorten übernommen werden.

Chef der Sparte wird aller Voraussicht nach der bisherige Infineon-Vorstand Hermann Eul. Eul sagte, dass er sich darauf freue, das Geschäft mit Mobilfunkchips "mit Intel in eine ganz andere Liga zu führen" Eul würde in der neuen Position dann direkt an Dadi Perlmutter, Executive Vice President bei Intel, berichten, der zusammen mit Sean Maloney die Intel Architecture Group leitet.

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Die Pressekonferenz zur Übernahme

Pressekonferenz zur Übernahme von WLS durch Intel

Auf der Pressekonferenz am Konzernsitz Infineons in Neubiberg betonte Anand Chandrasekher, Senior Vice President und General Manager der Intel Ultra Mobility Group, das Intel WLS von einem "fast Follower" zu einem "Marktführer" ausbauen will. Als erstes konkretes Beispiel kündigte er Investitionen zur Beschleunigung der Entwicklung von LTE-Chips (4G) an. Neben den Smartphone-Aktivitäten seien auch die Chips für Ultra-low-cost-Handies extrem wichtig und man werde auch diese Plattformen weiterentwickeln.

Für Infineon ist der Verkauf der Wireless-Sparte ein Weg, sich auf das Automotive-, Industrie- und Sicherheits-Geschäft zu konzentrieren. Zwar hat die Wireless-Sparte seit der BenQ-Pleite eine sensationelle Erfolgsgeschichte hingelegt – derzeit  Rang 3 in 3G und Rang 2 in 2G, aber immer wieder gab es Zweifel, ob diese Sparte in Zukunft mit der Konkurrenz wie etwa Qualcomm mithalten kann. Ein Kritikpunkt war etwa, dass die Sparte zu klein sei. Bei der Pressekonferenz zur Übernahme erklärte Infineon-Chef Peter Bauer, dass die in diese Sparte erforderlichen Investitionen "nicht in der Größe möglich gewesen wären ohne den anderen Bereichen die Mittel zu entziehen".

Außerdem ging Bauer darauf ein, was mit den 1,4 Milliarden Dollar von Intel nun passieren wird. Er deutete an, dass er mit einem Teil des Mittelzuflusses künftig diskrete Leistungshalbleiter auf 300-mm-Wafern fertigen will und die Produktionsreife in 24 Monaten erreichen könnte. Zukäufe und Kooperationen seien ebenfalls "Element der Wachstumsstrategie", aber derzeit gebe es "keinen Waschzettel" und ergänzte freudig: "Wir genießen die stärkste Position Infineons in den letzten zehn Jahren.“

Die Sparte WLS hatte 2009 einen Umsatz von 917 Millionen Euro erwirtschaftet und wird im Geschäftsjahr 2010 voraussichtlich gute 1,3 Mrd. Euro umsetzen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2010 macht WLS rund 29 Prozent von Infineon aus. Davon wiederum  90 Prozent der Produktlinien gehen an Intel, die HF-Transistoren und Teile der Power-Management-Aktivitäten verbleiben bei Infineon.

Als am Morgen die Übernahme bekannt wurde, zeigten sich die Anleger überraschend negativ. Der Aktienkurs von Infineon gab am Montag deutlich nach. Medienberichten zufolge hatten die Anleger einen höheren Übernahmepreis erwartet. Im Vorfeld hatten Analysten den Wert der Wireless-Sparte auf bis zu 1,5 Milliarden Euro veranschlagt.