Meinung Ultrabooks -Rohrkrepierer oder Lizenz zum Gelddrucken?

Frank Riemenschneider, Elektronik
Frank Riemenschneider, Elektronik

Neben den kürzlich angekündigten Marketing-Förderungsmitteln in Höhe von nicht weniger als 300 Mio. Dollar wurde ein ganzer Tag des IDF den sogenannten Ultrabooks, also extrem dünnen Laptops, gewidmet. Lohnen sich diese Investitionen wirklich und was motiviert Intel, auf den Spuren von Apples MacBook Air zu wandeln?

Die Frage ist, warum investiert Intel soviel Geld und Man-Power in derartige Geräte? Letztendlich gibt es drei Gründe, und alle haben nur ein Ziel: Mehr Prozessoren mit höheren Preisen zu verkaufen. Da die PC-Industrie abgesehen von Apple wenig Innovationskraft zeigt, hat Intel wie schon in der Vergangenheit das Heft in die eigene Hand genommen, um sie voranzubringen. Acer, Asus, Lenovo und Toshiba haben jedenfalls bereits Geräte angekündigt, die der Ultrabook-Spezifikation genügen.

Intel hat sich den Begriff „Ultrabook“ schützen lassen und eine bislang unveröffentlichte Spezifikation geschrieben, welche diese Geräte erfüllen müssen. Die ersten Geräte der oben genannten hersteller haben ein 13-Zoll-Display und sind 15 bis 17 mm dick – der McBook Air, den Steve Jobs bei seiner Präsentation medienwirksam aus einem Briefumschlag zog, ist 17 mm dick. Sie sind auch vergleichsweise teuer, nur Toshiba hat bislang ein Gerät unter 1000 Dollar angekündigt.

Wenn Intel sein Ziel erreichen will, dass Ende 2012 40 % aller verkauften Laptops für den Privatgebrauch Ultrabooks sein sollen, müssen die Preise deutlich sinken. Ein Weg ist, die Flash-Speicher-basierte SSD, die in fast allen Ultrabooks zum Einsatz kommt, durch eine Standardfestplatte zu ersetzen, was 200 Dollar einsparen und nur 100 Gramm zusätzliches Gewicht bedeuten würde.

Desweiteren müssen Geräte mit 14- und 15-Zoll-Displays erhältlich sein. Da diese Größen strukturelle Probleme in ultradünnen Geräten hervorrufen, müsste Intel wenig dickere Geräte zulassen. Der angenehme Nebeneffekt wäre, dass Batterien und andere Komponenten in Standardgrößen einbaubar wären, was die Kosten weiterhin senken würde.

Mit diesen Änderungen sind Ultraboks mit einem preis von sagen wir 699 Dollar vorstellbar, was immer noch mehr als der heutige Durchschnittspreis von 499 Dollar wäre. Dies bringt uns direkt zum ersten grund für Intel, Ultrabooks zu promoten: PC-Käufer dazu zu motivieren, mehr Geld auszugeben. Der durchschnittliche Verkaufspreis für Laptops sinkt seit Jahren, und damit natürlich auch der durchschnittliche preis für Intels Prozessoren.

Um die Kühlung zu vereinfachen und die Batterielaufzeit zu erhöhen nutzen Ultrabooks Intels Ultra-Low-Voltage-Prozessoren (ULV) der Sandy-Bridge-Generation. Diese kosten wesentlich mehr als Prozessoren, die mit den üblichen Versorgungsspannungen operieren und dieselbe Rechenleistung liefern. Wenn Ultrabooks also tatsächlich erfolgreich sein sollten, würde Intel einen höheren durchschnittlichen Verkaufspreis für seine Prozessoren erzielen – das man dieses in Santa Clara erwartet, ist wohl zweifelsfrei, denn sonst hätte man nicht einfach 300 Mio. Dollar ausgegeben.

Der zweite Grund für Ultrabooks besteht darin, den direkten Wettbewerb mit Tablets zu vermeiden, die bislang zu 100 % auf ARM-Prozessoren setzen. Die Tablet-Kunden lieben diese wegen ihres geringen Gewichtes und ihrer geringen Größe, durch kleinere und leichtere Laptops hofft Intel, dass weniger Menschen vom Laptop zum Tablet wechseln. Um mit einer weiteren Stärke der Tablets, nämlich den schnellen Antwortzeiten aus dem Energiesparmodus, mithalten zu können, hat Intel den Herstellern auch diese Anforderung in das Lastenheft geschrieben. Zum Vergleich: Während ein iPad 2 nach 1 Sekunde aufgeweckt ist, brauchen manche PCs mit Windows 7 dafür 30 Sekunden.

Der dritte Grund besteht – einmal wieder – darin, den kleinen Konkurrenten AMD einmal wieder vor eine fast unlösbare Aufgabe zu stellen. Ultrabook genannte Geräte können auf Grund des Markenschutzes weder ARM- noch AMD-Prozessoren enthalten. Selbst wenn PC-Hersteller eine AMD-CPU einbauen wollten und ihr Gerät wie auch immer umbenennen würden (was auf Grund der riesigen Marktetingkampagne für den Namen „Ultrabook“ schwierig erscheint), hätten Sie das Problem, dass AMDs Brazzo-Prozessor nur für Netbooks geeigent ist und der Llano-Prozessor in ULV-Versionen gar nicht erhältlich ist. Durch die Fokussierung auf Low-Power hat Intel AMD dort erwischt, wo es richtig weh tut.

Was für Intels Erfolg spricht, ist die Tatsache, dass die technologische Entwicklung die heute noch erhöhten Kosten reduzieren wird. Mit den in einem 22-nm-Prozess gefertigten Ivy-Bridge und Haswell-Chips wird die Leistungsaufnahme nochmals deutlich sinken und ULV zum neuen Standard machen. Damit wird der Preisabstand zwischen Standard- und Low-Power-Prozessoren verringert, wenn nicht ganz eliminiert. Gleichzeitig werden sinkende Preise für Flash-Speicher für eine weitere Verbreitung von SSDs sorgen. Und zu guter Letzt werden Skaleneffekte eintreten, die sich mit einer größeren Verbreitung der Geräte automatisch ergeben.

Diese Entwicklungen werden Zeit benötigen, und ob Intel schon Ende 2012 40 % Marktanteil für Ultrabooks erreichen wird, erscheint mir persönlich sehr ambitioniert zu sein. Aber unabhängig, wie lange es dauert, wenn die PC-Industrie mehr innovative und damit teurere Produkte verkaufen kann, steht ein Gewinner schon fest: Intel.