Bilanzskandal: Toshiba-Präsident tritt zurück Toshiba-Chef Tanaka: Jahrelang Kenntnis über falsche Zahlen

Keine weitere "Leading Innovation": Präsident Hisao Tanaka musste wegen gefälschter Bilanzen seinen Hut nehmen.
Keine weitere "Leading Innovation": Präsident Hisao Tanaka musste wegen gefälschter Bilanzen seinen Hut nehmen.

Seit Jahren wusste er von systematisch frisierten Bilanzen, jetzt musste Toshibas Präsident Hisao Tanaka seinen Hut nehmen. Aber auch die japanische Regierung hat jetzt ein Problem.

Tanaka ist zurückgetreten, nachdem eine externe Prüfung ergeben hatte, dass Toshibas Präsident über Jahre Kenntnis von den falschen Zahlen in den Bilanzen gehabt hatte. Ein geordneter Rückzug im September, den der Technologiekonzern zuvor angekündigt hatte, war nach diesen Erkenntnissen nicht mehr möglich.

Neben Tanaka mussten auch dessen Vorgänger und Vize-Aufsichtsratschef Norio Sasaki und Berater Atsutoshi Nishida zurücktreten. Neuer Interims-Präsident wird bis auf weiteres Aufsichtsratschef Masashi Muromachi. Toshiba kündigte desweiteren an, mehr als die Hälfte des Vorstands mit externen Managern besetzen zu wollen.

Eine Prüfung durch externe Gutachter ergab, dass Toshiba mit Wissen der Firmenspitze über Jahre vorsätzlich zu hohe Gewinne in der Bilanz ausgewiesen hatte. Wörtlich heisst es in dem Bericht, die "unsachgemäße Buchführung" sei vom Management "systematisch" veranlasst worden. Toshiba muss nun seine Gewinne für die Geschäftsjahre von April 2008 bis März 2014 um 151,8 Milliarden Yen (rund 1,13 Milliarden Euro) nach unten korrigieren.

Der größte japanische Bilanzskandal seit Jahren kam im April ans Licht und wirft auch die Bemühungen der Regierung zurück, das Management japanischer Unternehmen insgesamt zu verbessern, um weltweit Investoren anzulocken. Finanzminister Taro Aso bezeichnete die Bilanzfälschung am Dienstag als "sehr bedauerlich" – eine noch harmlose Umschreibung der Vorgänge bei Toshiba. Aso erklärte weiter, "wenn es Japan nicht gelingt, angemessene Grundsätze der Unternehmensführung umzusetzen, dann kann es das Vertrauen der Märkte verlieren." Ob Toshiba mit finanziellen Strafen seitens der Regierung rechnen müsse, wollte er allerdings nicht sagen.

Erste Hinweise auf den Bilanzskandal hatte es gegeben, als Regulierungsbehörden vor einigen Monaten auf Unregelmäßigkeiten stießen. Daraufhin wurde eine unabhängige Kommission unter der Leitung eines früheren Tokioter Staatsanwalts mit einer umfangreichen Untersuchung der Bilanzen beauftragt, deren Ergebnisse nun an die Öffentlichkeit kamen.