STEricsson sei Dank ST Microelectronics muss 2014 weiteren Umsatzrückgang hinnehmen

Carlo Bozotti (ST Microelectronics): Was gibt es Schlimmeres, als wenn Anteilseigener durch Politiker repräsentiert werden? Wenn es wie im Fall ST italienische und französische Politiker sind, die sich nicht ausstehen können. Statt die defizitäre und perspektivlose Tochter STEricsson sofort zu schließen, musste Bozotti für ST noch monatelang Milliardenverluste einfahren, bis sich Politiker und Gewerkschaften endlich geeinigt hatten. Seine Vorstandskollegen werden nicht nach Leistung benannt, sondern nach politischer Verträglichkeit ausgekungelt. Bozottis Gehalt darf man auch anders bezeichnen: Schmerzensgeld.
CEO Carlo Bozotti konnte für ST Microelectronics seit langer Zeit wieder einen Gewinn vermelden.

Der italienisch-französische Chip-Hersteller ST Microelectronics hat sein Geschäftsjahr erneut mit einem Umsatzrückgang abgeschlossen. Immerhin wurde aber wieder ein Gewinn eingefahren, nachdem man sich vom Milliardengrab STEricsson verabschiedet hat.

Im Jahr 2014 erwirtschaftete ST Microelectronics einen Umsatz von 7,4 Mrd. Dollar, mehr als 600 Mio. Dollar weniger als noch in 2013. Primär geht dieser Rückgang auf die Ausphasung der Wireless-STEricsson-Produkte in der Digital Convergence Group zurück, deren Umsatz von 1,5 Mrd. auf nur noch 750 Mio. Dollar fiel.

Nachdem 2013 noch ein Verlust von 500 Mio. Dollar erzielt wurde, schaffte ST 2014 mit 128 Mio. Dollar Plus den Rückgang in die Gewinnzone. Die Umsatzrendite von 1,7 Prozent darf jedoch im Vergleich zum Wettbewerb immer noch als bescheiden betrachtet werden.

Die Argumentation, dass STs Umsatzrückgang ausschließlich auf das Drama um STEricsson zurückgehen würde, greift jedoch zu kurz. Zwar erzielten einige Geschäftsbereiche wie Automotive (plus 8,3 % Wachstum auf 1,8 Mrd. Dollar), Mikrocontroller (plus 10,2 % auf 1,5 Mrd. Dollar) ein bemerkenswertes Wachstum, neben der schon erwähnten Digital Convergence Group verloren aber auch die Bereiche Analog&MEMS (minus 16 % auf 1,1 Mrd. Dollar) und Imaging, BiCMOS, ASIC und Silizium-Photonik (minus minus 20 % auf 330 Mio. Dollar) signifikanten Umsatz. Industrial und diskrete Stromversorungslösungen (IPD) konnte das Vorjahresniveau mit 1,865 Mrd. Dollar Umsatz leicht übertreffen (plus 3,5 %).

Fakt ist jedoch, dass der Gewinn ohne die erneuten Verluste im dreistelligen Miliionenbereich durch STEricsson-Aktivitäten wie Restrukturierungen der Gewinn deutlich höher ausgefallen wäre. Insofern ist 2015 mit einer signifikanten Steigerung der Umsatzrendite zu rechnen, wenn diese Kosten runtergehen bzw. wegfallen.

Den GAU, aus den umstärksten 10 Halbleiterfirmen rauszufallen, wird ST Microelectronics vermutlich noch abwenden können, wenn es bei der Prognose von Renesas Electronics und dem derzeitigen Wechselkurs Dollar-Yen bleibt. Den Japanern droht laut ihren eigenen Zahlen 2014 ein Umsatzrückgang unter 7 Mrd. Dollar und damit ihrerseits der Verlust einer Top-10-Position (genaues weiß man am 5.2., wenn die Quartalsergebnisse bekanntgegeben werden).

Nichtsdestotrotz sieht STs Platzierung im Konzert der Großen wie folgt aus: 2009 Platz 5, 2010 Platz 7, 2011 Platz 7, 2012 Platz 8, 2013 Platz 9 und 2014 voraussichtlich Platz 10 (alle Zahlen laut IHS iSupply). Aus europäischer Sicht darf man sich auch hier eine Trendwende wünschen.