Interview mit TI-CEO Richard Templeton “Sie können nur gut arbeiten, wenn Sie in Ihrem Privatleben glücklich sind“

Noch nie hat TI-CEO Richard Templeton einem deutschen Elektronik-Fachmagazin ein Interview gegeben, für ihn sind Kunden und Mitarbeiter die wichtigsten Ansprechpartner. Für die Elektronik machte er nun eine Ausnahme und sprach mit uns über TIs zukünftige Ausrichtung, den Kauf von National Semiconductor und seine persönliche Urlaubsgestaltung.

Elektronik: Im Jahr 2009 erlebte die Chip-Industrie einen beispiellosen Absturz, um 2010 ein Rekordwachstum von fast 40 % zu erzielen. Müssen wir uns auf darauf einstellen, dass das zyklische, aber vorhersehbare Geschäft zukünftig durch unplanbare Marktentwicklungen ersetzt wird?

Ich muss Ihnen sagen, ich weiß auch nicht, wie es genau weitergeht. In den letzten 20 Jahren haben wir Zeiten mit ständigem Wachstum erlebt, die durch Umsatzrückgänge und Rezessionen abgelöst wurden, die dann wieder in Wachstumsphasen übergingen. Ich denke, es ist sinnvoll, sich die Entwicklungen in der Historie anzuschauen. Was wir aber in mehr als 80 Jahren gelernt haben, ist, dass man in Zeiten eines Abschwungs investieren sollte und seine Geschäftsstrategie unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konsequent verfolgen sollte.

Ein wichtiger Punkt für die Halbleiterindustrie ist die Verfügbarkeit der sogenannten seltenen Erden. Wie wollen Sie zukünftig die Versorgung mit diesen primär durch China kontrollierten Metallen sicherstellen? Was denken Sie über das Risiko, dass die chinesische Regierung irgendwann einen Exportstop verhängen könnte?

TI benötigt für die Chip-Fertigung einer begrenzten Anzahl von Produkten eine sehr kleine Menge von nur zwei dieser seltenen Erden, nämlich Cerium und Lanthan. Wir schauen sehr genau auf die Verfügbarkeit und haben neben unserem derzeitigen Lieferanten noch weitere Lieferoptionen identifiziert. Desweiteren stehen wir in regelmäßigem Austausch mit Regierung und privaten Organisationen, um zu versuchen, die regelmäßige Belieferung über diese Wege sicherzustellen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass diese seltenen Erden auch zukünftig für unsere Fertigungsprozesse verfügbar sein werden und erwarten keine Auswirkungen von einer etwaigen reduzierten Belieferung durch chinesische Lieferanten.

In asiatischen Ländern wie Korea, Taiwan und China werden Chip-Hersteller extrem stark subventioniert, so dass weder amerikanische noch europäische Firmen gleiche Wettbewerbsbedingungen vorfinden. Wünschen Sie sich, dass Präsident Obama seine Geldschatulle auch für Sie öffnet?

Ich denke, das beste für die USA sind Investitionen in Universitäten, nicht in einzelne Firmen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind primär erstmal Spezialisten und Innovationen wichtig, ein Argument dass Sie übrigens auch in Deutschland verwenden können. Desweiteren würde ich mich über ein Steuersystem freuen, dass den globalen Wettbewerb berücksichtigt. Die USA sind eines der weinigen Länder, das kein Territorial-Steuersystem hat (Anm.: Bei diesem Steuersystem werden nur Steuern für Einnahmen erhoben, die der Steuerpflichtige innerhalb seines Heimatlandes erzielt). In dieser Richtung wünsche ich mir Entscheidungen der Regierung, um unsere globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Wie wollen Sie TI in den nächsten Jahren ausrichten? Mehr in Richtung Wachstum oder mehr in Richtung Profitabilität?

Sehen Sie, wir machen mittlerweile mehr als 50 % unseres Umsatzes mit Analog-Chips, weitere 13-14 % mit Embedded-Prozessoren. Das sind die besten Märkte, in die wir investieren können. Das erste Ziel besteht darin, für diese Produkte Wachstum zu erzeugen, Profitabilität und Cash-Flow sind dann die logische Folge.

Für den Kauf von National Semiconductor haben Sie 6,5 Mrd. Dollar bezahlt. Wann können Ihre Aktionäre mit einem Return-on-Investement (ROI) rechnen und warum wird es überhaupt einen ROI geben?

Zuerst einmal werden wir als TI weiterhin sehr fokussiert auf Analog-Chips und Embedded-Prozessoren bleiben. National passt mit seiner Produktpalette perfekt in unser Portfolio. Was die finanzielle Seite angeht, haben wir natürlich vor dem Kauf eine genaue Analyse vorgenommen, wie schnell wir unsere Investition amortisieren können. Im besten Fall wird dies zwischen Jahr 3 und 4 der Fall sein, was wirklich gut ist. Desweiteren hatten wir rekordverdächtig niedrige Zinsen, was unsere Ausgaben für den Teil der Aquisition, den wir über Kredit finanziert haben, verringert.