Revolution in Japan Renesas bekommt nach erneuten Milliardenverlusten einen neuen, externen CEO

Nachdem das Ende März 2013 abgelaufene Geschäftsjahr vom Chip-Hersteller Renesas Electronics noch schlechter lief als ohnehin schon prognostiziert, wird ab 20. Juni der erst seit dem 1. März im Amt befindliche Chef Tetsuya Tsurumaru schon wieder ersetzt - durch den CEO eines global aufgestellten Automatisierers.

Hoffte Renesas noch Mitte Dezember 2012, am Ende seines Ende März abgelaufenen Geschäftsjahres einen Umsatz von 10 Mrd. Dollar erzielen und seine Verluste auf ohnehin schon hohe 1,83 Mrd. Dollar begrenzen zu können, hat den japanischen Chip-Hersteller die Realität eingeholt: Am Ende standen 9,58 Mrd. Dollar Umsatz und mehr als 2 Mrd. Dollar Verluste zu Buche.

Wie diese Zahlen bei den Eigentümern angekommen sind, kann man daraus ablesen, dass sie für japanische Verhältnisse eine Revolution ausgerufen haben: Der erst seit 1. März 2013 im Amt befindliche Chef Tetsuya Tsurumaru (in der Rolle des President, einen CEO hat Renesas derzeit nicht) wird neuer Chief-Operating-Officer (COO), immerhin war er vor seiner Berufung am 1. März schon Chef der Produktion und Technologie.

Neuer Chef von Renesas Electronics in der Rolle des CEO und Chairmans wird hingegen erstmals ein externer Manager: Hisao Sakuta, derzeitiger CEO des Automatisierers OMRON.

Die OMRON K.K. ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern. Diese sind: Industrieautomation, elektronische und mechanische Komponenten, Automobilelektronik, Transportation und Sicherheit sowie Medizintechnik. Der Hauptsitz befindet sich in Kyoto, Japan.

Im Unterschied zu Renesas erwirtschaftet OMRON 51 % seines Umsatzes außerhalb von Japans. In Europa ist die Firma schon seit 1974 tätig. Die Strategie umfasst eine weitere globale Expansion inklusive der Rekrutierung von internationalen Mitarbeitern (siehe Bild).

In den 80er Jahren wurde OMRON in Deutschland durch die Kleinsteuerung C20 bekannt. Anfang der 90er wurde versucht, die Fuzzy-Technologie in der Automatisierungstechnik einzuführen.

Spektakulär für damalige Verhältnisse war ein 2004 auf deutschen Autobahnen durchgeführter Test mit einem von OMRON entwickelten Spurerkennungsassistenten, bei dem ein PKW 300 km mit Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h ohne Fahrerinteraktion fuhr.

Folgende Produkte werden in Europa hauptsächlich vertrieben: Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMI), Frequenzumrichter, Servos, Bildverarbeitungssysteme, Sicherheitstechnik, Temperaturregler, Zähler und Zeitrelais, Lichtschranken,  Relais und Schalter. Im Gegensatz zu anderen SPS-Herstellern setzt OMRON kein Mikrocontrolle, sondern ASICs ein.

In dem Ende März 2013 abgelaufenen Geschäftsjahr wurden von 36.000 Mitarbeitern, von denen 24.500 außerhalb Japans arbeiten, 650,5 Mrd. Yen (7,94 Mrd. Dollar) umgesetzt und ein Gewinn von rund 368 Mio. Dollar erzielt.

Das Segment der Industrieautomatisierung steht alleine für 40 % des Umsatzes, 15 % kommen aus der Automobilelektronik, 13 % aus dem Komponentengeschäft  und 11 % aus der Medizinelektronik. Weitere 11 % kommen aus dem Lösungs- und Service-Geschäft.

Es ist anzunehmen, dass die Eigentümer von Renesas in Hisao Sakuta den Mann sehen, der die schon lange geplante Expansion der bislang sehr Japan-zentrierten Firma Renesas in andere Regionen endlich erfolgreich vorantreiben kann. In Europa wurden von OMRON übrigens 12 % des Gesamtumsatzes erzielt, in Amerika ebenfalls 12 %, in China 16 % und im Rest von Asien außerhalb Japans 8,5 %. Sakuta ist schon seit 2003 CEO bei OMRON und durchlief nach seinem Einstieg 1968 als Manager alle operativen Bereiche, bevor er ab Juni 1995 als Direktor übergreifende Management-Aufgaben zugewiesen bekam.