Wurde Marktposition mißbraucht? Qualcomm droht kartellrechtliche Untersuchung in EU

Qualcomm präsentierte auf einem Anlysten-Tag den Snapdragon-805-Prozessor, ein LTE-Chipset Cat. 6 und einen Internet-Prozessor.
Qualcomms Snapdragon-SoCs sind durch ihre hohe Integration im Mobilgeräte-MArkt extrem erfolgreich.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass der Chip-Hersteller Qualcomm möglicherweise vor einer kartellrechtlichen Untersuchung von Behörden in der Europäischen Union steht. Es geht um Anschuldigungen, dass der Halbleiterriese aus San Diego seine marktbeherrschende Stellung missbraucht haben soll.

Die Beschwerde gegen Qualcomm in der EU kommt zu keiner günstigen Zeit, da sich Qualcomm derzeit in einer Untersuchung von chinesischen Behörden über Patentstreitigkeiten und den sogenannten Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung befindet. Chinesische Behörden untersuchen wahrscheinlich im Auftrag der Regierung in Peking, ob Qualcomm eine Monopolmacht über die wichtigsten Mobilgeräte-Technologien innehat, weil man sich weigert, sie an seine chinesischen Konkurrenten zu lizenzieren. Qualcomm für seinen Teil hat agumentiert, dass einige chinesische Unternehmen, die eine Lizenz für seine Technologien erworben haben, Zahlungsrückstände aufweisen und sich andere weigern, einen fairen Marktpreis für die Patente zu bezahlen.

In der EU stammt die mögliche Untersuchung von einer vier Jahre alten Beschwerde von Nvidia. Details der Beschwerde sind nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass sich die Beschwerde sich um Vorwürfe von Nvidia dreht, dass Qualcomm mit wettbewerbswidrigen Taktiken wie Dumping andere Chipsatzhersteller aus dem Markt drängen will. Nvidia hatte seinerzeit erst kürzlich den Kauf des in Großbritannien ansässigen Basisband-Hersteller Icera abgeschlossen, sah sich jedoch nicht in der Lage, in diesem Markt zu konkurrieren.

Bei einem Schuldspruch bezüglich der Verletzung von EU-Vorschriften könnte Qualcomm eine Geldstrafe von bis zu 2,5 Mrd. Dollar drohen.

Unstrittig ist, dass Qualcomm eine dominierende Position im globalen Basisband-Markt innehat. Laut einem Bericht von Strategy Analytics hatte Qualcomm im Jahr 2013 einen Umsatzanteil von 64 Prozent, gefolgt von MediaTek mit 12 Prozent und Intel mit 8 Prozent.

Behauptungen, dass Qualcomm seine beherrschende Stellung auf dem Markt missbraucht, sind dagegen durchaus strittig zu diskutieren: Viele seiner Konkurrenten können einfach bei Mobilgeräte-SoC und Basisband nicht mit Qualcomm mithalten. Selbst Chip-Gigant Intel scheint immer noch zurück zu liegen: Die SoFIA-Plattform ist immer noch nicht erhältlich und man musste enorme Mengen an Geld subventionieren, um Anbieter zu überzeugen, Intels Silizium zu kaufen. Dies gilt teilweise auch für Nvidia: das Unternehmen hat angekündigt, in diesem Jahr den Fokus seiner Tegra-Plattform signifikant zu verschieben, da erhoffte Design-Wins ausblieben.

Natürlich hat Qualcomm eine bessere Chance auf einen fairen Prozess in der EU, als es in China der Fall ist. Bis dahin sind Vorwürfe des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung lediglich Behauptungen - betrieben durch Wettbewerber, die zumindest zum Teil schlichtweg nicht in der Lage sind, wettbewerbsfähige Chips zu bauen.