EU-Projekt zu Cyber-Sicherheit Passauer Team macht Computer immun gegen Attacken

Schutz vor Hackern und Viren ist wichtig, doch eine leistungsstarke IT-Abteilung kostet viel Geld. Vor diesem Dilemma möchte ein Forscherteam der Uni Passau künftig mittelständische Unternehmen und Behörden bewahren. Mit einem Cybersecurity-System das Attacken erkennt und sich selbst heilen kann.

Über die Attacke auf den Deutschen Bundestag vor zwei Jahren wurde viel berichtet. Doch auch kommunale Verwaltungen und der Mittelstand kämpfen zunehmend mit Angriffen aus dem Cyberspace. Noch etwas macht diesen Organisationen zu schaffen: Die neue Rechtsprechung, die manche Anbieter verpflichtet, gravierende Störungen an eine Kontaktstelle beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) zu melden. Doch das Passauer Forschungsteam hat herausgefunden, dass gerade der Mittelstand und kleine Behörden meist nicht über Expertinnen und Experten für IT-Sicherheit verfügen.

Attacken erkennen und reagieren

Gemeinsam mit einem europaweiten Forschungsteam arbeitet eine Gruppe des Lehrstuhls Informatik an der Uno Passau an einer Lösung: ein System, das sich selber heilt, vor Attacken schützt und verdächtige Vorfälle automatisch an nationale und EU-Behörden meldet. Ein Beispiel: Die Mitarbeiterin einer Stadtverwaltung will eine Mail schreiben. Sie stößt auf Probleme, denn eine Taste schlägt nicht richtig an. Sie meldet dies der Technik. Die Technik geht nun alle möglichen Ursachen durch, etwa ob es sich um ein Software- oder Treiberproblem handelt. Bis erkannt wird, dass es sich um eine Attacke handelt, haben die Hacker das System bereits übernommen.

Ein europäisches System

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Handschuh will das System gegen solche Vorfälle wappnen, indem es möglichst viele Muster solcher Angriffe in die Maschine einspeist, das System der Kommunalverwaltungen also auf solche Attacken trainiert. Die Verwaltungen sind untereinander vernetzt, so dass die Maschinen auch Informationen zu Vorfällen anderswo austauschen können und so voneinander lernen können. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten mit »Advanced Big Data Analytics« und Methoden des Natural Language Processing (NLP), der Erfassung natürlicher Sprache. NLP erkennt und analysiert Sprache, um den Sinn zur weiteren Verarbeitung zu extrahieren. Die Maschinen lernen also, nicht nur Texte, sondern auch die Zusammenhänge zu verstehen. Um Sprachbarrieren im EU-Kontext zu berücksichtigen verwendet das System eine mehrsprachige Semantikunterstützung. Zu diesem Zweck arbeiten die Passauer europaweit mit Expertinnen und Experten zusammen. Die EU-Kommission fördert das Projekt.