Standort Deutschland »Ohne Fab keine Produktentwicklung«

Rund 60 Milliarden diskrete Bauelemente verlassen dieses Jahr das NXP-Werk in Hamburg.

Asien ist die Werkbank der Welt – entwickelt werden viele Produkte aber in Europa oder den USA. So auch bei NXP in Hamburg, wo Standard- und Mixed-Signal-Halbleiter entstehen. Allerdings leistet sich NXP nach wie vor auch eine Fertigung in Hamburg, die keineswegs nur aus menschenleeren Maschinenhallen besteht. Das ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – sagt der NXP-Chef.

Entwicklung und Design in Europa, Herstellung in Asien – das ist die typische Arbeitsteilung in vielen Industrien. Wenn in Europa gefertigt wird, dann handelt es sich häufig um hoch automatisierte Produktionsstraßen, bei denen die Arbeitskosten nur einen geringen Anteil haben oder um besonders hochwertige und qualitativ anspruchsvolle Produkte, die besonderes Know-how erfordern. NXP passt nicht in dieses Raster, denn das 2006 aus Philips herausgelöste Halbleiterunternehmen mit Sitz in Eindhoven/NL betreibt in Hamburg nach wie vor einen großen Fertigungsstandort mit 2100 Mitarbeitern.

Dort werden keineswegs nur hoch anspruchsvolle Produkte gefertigt sondern auch einfachste Standardprodukte wie z.B. diskrete Dioden und Transistoren – die allerdings kontinuiertlich weiterentwickelt werden. »Wenn wir hier keine Fab hätten, könnten wir hier auch keine Produkte entwickeln«, sagt Frans Scheper, Senior Vice President und General Manager für Standardprodukte. Denn Herstellung und Entwicklung sind eng verzahnt. »Wenn wir ein neues Produkt entwickeln, muss das in enger Abstimmung mit der Herstellung passieren. Mit unserer Fab sind wir da sehr schnell«, begründet Scheper. Einen Halbleiter zu entwickeln und an eine Foundry zu geben, sei ein gutes Modell für ICs, aber bei diskreten Produkten funktioniere das so nicht.

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NXP-Fertigung in Hamburg

Diskrete Bauelemente wie Dioden und Transistoren sind Massenware, die meist in Asien hergestellt wird. Trotzdem fertigt NXP auch weiterhin in Hamburg, denn Entwicklung und Produktion sind hier eng verknüpft. »Ohne Fab kein Entwicklung« heißt es bei NX

Über 60 Milliarden Produkte pro Jahr

Bis zu 1,1 Mio. Wafer durchlaufen die NXP-Fab in Hamburg pro Jahr. 2010 werden voraussichtlich 64 Milliarden einzelne Bausteine bzw. Dice die Fabrik verlassen. Diese enorme Zahl erklärt sich durch die Winzigkeit der Produkte – manche sind kaum größer als Staubkörner und auf der Platine ohne Lupe von einer Durchkontaktierung nicht zu unterscheiden. In Hamburg laufen vor allem Kleinsignaldioden und -transistoren sowie integrierte Bausteine mit mehreren dieser Bauelemente vom Band. Die Dioden werden vorwiegend zum ESD-Schutz elektrischer Anschlüsse eingesetzt. Aber auch MOSFETs für die Automobilindustrie und Lautsprecher für Mobiltelefone entstehen in Hamburg. In den beiden letztgenannten Segmenten ist NXP Nummer Eins weltweit, im gesamten Markt der Standard-Halbleiter konnte das Unternehmen für 2009 laut iSupply fdie Position Nr. Zwei nach dem japanischen Hersteller Rohm für sich beanspruchen.

Im Vergleich zu einer IC-Fabrik wirken die Einrichtungen von NXP in Hamburg reichlich rustikal: Mitten in einem Wohngebiet steht ein Gebäudekomplex, der mit seinen vielen Stockwerken und seiner verschachtelten Bauweise nie als moderne Halbeiter-Fab konzipiert wurde. Darin befinden sich Maschinen, die zum Teil schon seit vielen Jahren ihren Dienst tun. Manager Frans Scheper erklärt, warum NXP daran ganz bewusst nicht rührt: »Unsere Produkte kosten nur Cent-Beträge oder Bruchteile davon. Da kommt es auf niedrigste Kosten an. Wenn ein Prozess einmal funktioniert, dann ändern wir ihn nicht mehr«.