IDF 2011 in Peking Oak Trail führt Intel in Tablets

Auf dem Intel-Developer-Forum 2011 in Peking hat Intel seine Oak-Trail-Plattform für Tablets vorgestellt. Der größte Fortschritt gegenüber Moorestown ist eine neue South-Bridge, die SATA und weitere Leistungsmerkmale enthält, die für Windows-Kompatibilität benötigt werden.

Wie schon Moorestown nutzt auch Oak Trail einen Atom-Prozessor der zweiten Generation mit der Bezeichnung Z670, der auch unter der Bezeichnung Lincroft bekannt ist. Dieser wird für Oak-Trail in einer Single-Core-Version mit 2 Threads mit 1,5 GHz getaktet, was weniger ist, als Intel ursprünglich für Moorestown vorgesehen hatte (1,9 GHz). Die aus 2 Chips, die in 45-nm-Prozessen gefertigt werden, bestehende Kombination weist eine TDP von 3,75 W auf und soll 75 Dollar kosten, allerdings ist anzunehmen, dass Intel seinen guten Kunden große Rabatte einräumen wird - so soll es z.B. laut Medienberichten eine 10-Dollar-pro-Chip-Subvention für Notebook-Hersteller geben, die Atom bereits nutzen und nun auch auf Tablets einsetzen wollen.

Anders als Moorestown, dessen Kundenakzeptanz sich freundlich ausgedrückt sehr in Grenzen hielt, taucht Oak Trail in diversen Netbooks und Tablets auf, die noch im Mai erscheinen werden, u.a. von Fujitsu, Lenovo und Toshiba, also klassischen PC-Herstellern. Die meisten dieser Tablets werden mit Windows 7 betrieben, wobei Intel auch MeeGo und Android 2.3 (Gingerbread) unterstützt. Eine Portierung auf Android 3.0. (Honeycomb) hat laut Intel-CEO Paul Otellini bereits begonnen.

Neben Oak Trail wurden auch die 32-nm-Nachfolgegeneration Cedar Trail für Netbooks und Windows-Tablets sowie Medfield für Android-Tablets und Smartphones angekündigt. Für beide gibt es bereits Muster und Ende 2011 dürften erste Geräte mit diesen Chips auftauchen. Cedar Trail hat ähnliche Leistungsmerkmale wie Oak Trail und dürfte auch mit einer ähnlichen Taktfrequenz betrieben werden, dies allerdings bei einer geringeren Leistungsaufnahme und geringeren Kosten. Medfield ist ein Einzelchip-Design, dass die Leistungsaufnahme auf unter 1 W reduzieren soll. Intel hat für Medfield noch keine Taktfrequenz angegeben, es ist jedoch anzunehmen, dass diese ebenfalls maximal 1,5 GHz betragen wird.

Intel und ARM: Das Hase- und Igel-Spiel

Mit den zwei Threads bei 1,5 GHz dürfte Oak Trail nur unwesentlich schneller arbeiten als ein Dual-Core-Cortex-A9-Prozessor mit 1 GHz, den man heute in diversen Mobilgeräten findet. Diese Art von SoC gibt es schon heute von zahlreichen ARM-Lizenznehmern wie Texas Instruments, Qualcomm, Marvell und anderen. Sie kosten nur die Hälfte von Oak Trail (wenn überhaupt), nehmen weniger Leistung auf und benötigtigen weniger Siliziumfläche. Wenn daher nicht unbedingt Windows-Kompatibilität gefordert ist, dürfte sich Oak Trail vergleichsweise schwer tun. Auf der anderen Seite wurden bislang nur vergleichsweise wenige Tablets mit Windows verkauft, primär in der Industrie. Medfilied wird diese Preis- und Energieverbrauchs-Lücke zu ARM voraussichtlich schließen. Zu dem Zeitpunkt, zu dem Medfield-Chips verfügbar sind, wird es allerdings schon Dual- und Quadcore-Prozessoren von ARM mit 1,5 GHz geben, so dass Intel keinen Performance-Vorteil verbuchen dürfte.

In seiner Rede auf dem IDF hat Doug Davis, General Manager von Intels neuer Netbook- und Tablet-Gruppe (NTG), versprochen, dass Intel für Atom neue Prozessgenerationen schneller verfügbar machen wird als dies durch Moore's Law vorgegeben ist. Konkret sollen innerhalb von 3 Jahren drei neue Produktgenerationen erscheinen. Wenn man davon ausgehet, dass Oak Trail in 45 nm die erste Generation darstellt und Medfield/Cedar Trail in 32 nm die zweite, würde dies bedeuten, dass bis 2013 22-nm-Atom-Prozessoren verfügbar werden. Diese treten dann mit 28-nm-Cortex-A15-Prozessoren von ARM in den Wettbewerb. Intel hofft, dass dieser Fertigungsvorsprung ausreicht, um im Tablet-Markt endlich richtig Fuß zu fassen.