Kommentar Niemand will Smart-Meter

Die Halbleiter-Industrie zählt auf den Erfolg der Smart-Meter, aber die potenziellen Kunden sind skeptisch. Nur neue Geschäftsmodelle der Energieversorger können zum Durchbruch führen.

Von intelligenten Verbrauchsdatenzählern, in der Fachsprache Smart-Meter genannt, versprechen sich die Halbleiterhersteller exorbitante Wachstumsraten. Objektiv gesehen ist die Installation ja auch sinnvoll, lässt sich doch aus Kundensicht eine Menge Geld sparen, wenn man seinen Energieverbrauch besser kontrollieren kann.

Auch die Politik hat Ihren Beitrag geleistet: Ab dem 1. Januar 2010 sind Häuslebauer und Vermieter verpflichtet, in Neubauten und bei grundlegenden Renovierungen Smart-Meter zu installieren.

Zudem soll das intelligente Stromnetz (Smart-Grid), von dem besonders diejenigen Chip-Firmen schwärmen, die in der Leistungselektronik stark sind, zur Kommunikationsplattform für Einspeiser, Energieversorger und Verbraucher werden. Ziel dabei ist, dass durch die präzisere Abstimmung der Versorgungsnetze ein höherer Anteil an erneuerbaren Energien eingespeist werden kann.

In die ganze Euphorie platze nun ein Umfrage des Forschungsinsituts Forsa, die es im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen geführt hatte. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur jeder 5. Deutsche würde sich ein Smart-Meter kaufen.

Nur 18 Prozent der Teilnehmer der Umfrage sind demnach bereit, für einen Smart-Meter Geld zu bezahlen, 20 Prozent wollen ihn überhaupt nicht. 74 Prozent würden sich einen kostenlosen Zähler in die eigene Wohnung oder ins Haus einbauen lassen, mit dem sich zwar der Verbrauch zeitnah auslesen lässt, der aber keine Signale an Haushaltsgeräte wie den Kühlschrank oder die Waschmaschine senden kann.

Da es wesentlich mehr Bestandsbauten als Neubauten gibt, wird der erhoffte Lawineneffekt wohl auf sich warten lassen und die Basis der installierten Geräte nur langsam wachsen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.

Als erstes müsste die Kommunikation verbessert werden, laut Forsa verstehen die meisten Menschen Smart-Grid und Smart-Meter einfach nicht: "Das Smart Grid ist von ihrer Lebenswirklichkeit sehr weit entfernt. Die Unternehmen müssen erst attraktive Angebote entwickeln, die Verbrauchern die Vorzüge schlauer Zähler verständlich machen.“

Diese Angebote könnten sie sich ja z.B. von den Handy-Netzprovidern anschauen. Die wissen, wie es geht, ein neues Produkt schnell in den Massenmarkt zu drücken: Sie müssen schlichtweg Smart-Meter mit ihren Stromverträgen subventionieren: Ein 1 Euro-Zähler mit einem attraktiven 12-Monats-Strompaket für Vielnutzer, Wenignutzer und Wochenendnutzer – selbst die Strompakete könnten sie von der Struktur einfach an Handytarife anlehnen.

Zudem muss die Bundesnetzagentur endlich rasch die Voraussetzungen für flexible Stromtarife schaffen: Technisch ist dieser Stand heute noch gar nicht realisierbar. Wie sagte der Forsa-Sprecher zu guter Letzt: "Und ich bin skeptisch, dass die Regierung ihr Versprechen noch einfalten kann - und bis Ende 2010 die Voraussetzungen für flexible Tarife schafft."

Die Chiphersteller haben die Lösungen für Smart-Grid und Smart-Meter schon in der Schublade. Es wird endlich Zeit, dass die Bürokraten in Berlin diese auch nutzbar machen – für die Menschen und die Umwelt.