Google-Entwicklerkonferenz Neuer Video-Codec greift Apple und Microsoft an

Der Internetkonzern Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco angekündigt, den Video-Codec VP8 als Open Source Software verfügbar zu machen. Fortan ist der Codec unter einer BSD-Lizenz für jedermann frei verfügbar. Den VP8-Codec hatte Google mit dem Ankauf der Firma On2-Technologies Mitte Februar erworben. Auch die Halbleiterindustrie unterstützt den neuen Codec: ARM, MIPS, Nvidia und Texas Instruments setzen zukünftig auf V8.

Gemeinsam mit Opera und Mozilla sowie 40 weiteren Firmen arbeitet der Suchmaschinenkonzern Google an einem neuen Videoformat namens WebM. Dieses Projekt stellt ein neues Container-Format dar, welches lizenzfrei ist  und VP8 mit dem Ogg-Vorbis Audio-Format vereint. Für die Nutzung sind, im Gegensatz etwa zu Adobes Flash, keine Plug-ins notwendig, nur ein passender Browser, der den Codec unterstützt.

Ziel ist es, die Abhängigkeit von patentbelasteten Videocodecs wie H.264 und der proprietären Flash-Technik von Adobe im Internet zurückzudrängen. Alle in YouTube gehosteten Videos sollen ab sofort und sukzessive in VP8 codiert werden. Unter Hochdruck werden momentan die meisten vorhandenen Videos mit einer Auflösung von mindestens 720p in das neue Format konvertiert, so Google.

Auch haben fast alle Browserhersteller zugesagt, VP8 zu unterstützen. Bisher haben sich Apple (Safari) und Microsoft (Internet Explorer) nicht zu dem neuen Container-Format geäußert. Selbst Adobe hat sich vorgenommen, WebM bis Ende des Jahres in den Flash-Player zu integrieren, so dass der neue freie Codec flächendeckend in allen Browser integriert ist.

Bis zu diesem Schritt war die Browserwelt in Sachen HTML5 und Video in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite standen Apple, Microsoft und Google, die sich sich für den proprietären Videocodec H.264 einsetzten. Auf der anderen Seite waren im Grunde alle übrigen Hersteller, allen voran Mozilla und Opera, für das freie Videoformat Theora. Obwohl der Video-Tag in HTML5 ein einheitlicher Standard im Web sein sollte, bei dem sich der Endanwender keine Sorgen um zu installierende Plug-ins wie Adobes Flash-Player machen sollte, spaltete der Standard die Browserwelt umso mehr.

Ein neuer Codec bedeutet natürlich auch Arbeit für die Chip-Hersteller: Bislang haben ARM, MIPS, Nvidia und Texas Instruments angekündigt, dass Sie den V8-Codec auch in Silizium gießen wollen. Bei TI wird ein Hardware-Beschleuniger in die OMAP4-SoCs integriert, die Handys und andere mobile Geräte adressieren.