Interview mit ARM-CEO Warren East "MIPS chancenlos trotz Android-Initiative"

ARM-CEO Warren East will den 8-bit-MCUs Marktanteile zu Gunsten der eigenen 32-bit-Cores wegnehmen.

Bis heute wurden mehr als 17 Millarden ARM-Cores vornehmlich in Handys und 32-bit-Mikrocontrollern verbaut. Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider sprach mit ARM-CEO Warren East über die weitere Wachstumsstrategie des Unternehmens und die Schwierigkeiten, in den Automobilmarkt vorzudringen.

Herr East, im Handy-Markt hat ARM bereits einen Marktanteil von 94 %, da gibt es wohl begrenzte Wachstumsmöglichkeiten…

….sehr begrenzte….

In welchen Geschäftsfeldern können und wollen Sie denn dann überhaupt noch wachsen?

Bei den Mikrocontrollern im Bereich Medizintechnik, Motor-Steuerung und anderen industriellen Anwendungen haben wir erst einen Marktanteil von 6 % insgesamt, bei den 32-bit-MCUs 26 %. Die meisten MCUs haben nach wie vor eine 8-bit-Architektur, die wollen wir mit dem Cortex-M0, der aufwärtskompatibel bis zum Cortex-A9 ist,  angreifen. Zusammen mit dem Cortex-M4, der uns dank seiner DSP-Fähigkeiten neue Anwendungsfelder eröffnet, wollen wir einen Marktanteil von über 30 % erzielen.

Das höre ich ja auch von Ihrer Konkurrenz: „Wir wollen, wir wollen“, die Frage ist doch, sind Ihre Pläne überhaupt realistisch….

Das sind sie, ich sage Ihnen auch warum: Ein Ingenieur wird nicht nach Aufgabe, sondern pro Tag bezahlt. Den 32-bit-Code kann er schneller schreiben als 8-bit-Code, zudem haben Sie eine effizientere Speicherausnutzung. Sie sparen also beim Speicher auf dem Chip und bei den Personalkosten. Da eine 32-bit-MCU mit Cortex-M0 nicht teurer als eine 8-bit-MCU ist, haben Sie also einen nachvollziehbaren Kostenvorteil. Wir von ARM und unsere Chip-Partner müssen nur zusehen, dass der Umstieg von 8 bit auf 32 bit dann mit unseren Produkten realisiert wird.

Mit dem Cortex-M4 wollen Sie ja offensichtlich Low-End-DSPs überflüssig machen. Können Sie da auch so eine Rechnung aufstellen?

Oh ja, gerade bei industriellen Anwendungen. Heute sehen Sie oft eine 8-bit-MCU in Verbindung mit einem DSP, teilweise sogar nur einen DSP, auf dem dann auch die Steuerungsalgorithmen ablaufen. Beide Methoden sind hochgradig ineffizient, daher wird der Cortex-M4 vorhersehbar erfolgreich in diese Marktsegmente vordringen.

Ihr Ansatz ist also, dem Kunden klarzumachen, dass er mit dem M4 die Systemkosten reduzieren kann?

Sicher. Abgesehen von den Einsparungen bei der Softwareentwicklung brauchen Sie weniger Speicher für dieselbe Anwendung, bei dem Szenario MCU plus DSP haben Sie sogar zwei Speicher-Subsysteme, von denen Sie bei einer M4-Lösung eines streichen können.

Kommen wir mal zu einem ganz anderen Punkt. Wird der Neu-Halbleiterhersteller Apple ARM übernehmen?

Es macht keinen wirtschaftlichen Sinn. Alle Lizenznehmer - also auch Apple - haben für wenige Millionen Dollar Zugriff auf unsere Technologie, wieso sollten sie Milliarden ausgeben?

Die sinkenden Verkaufspreise für Chips, manche MCU gibt es für unter einen Dollar zu kaufen, reduzieren doch ihre Royality-Einnahmen. Wie können Sie denn darauf reagieren?

Sie haben Recht, insbesondere die MCU-Royalities sind gering, aber über den weiteren Zuwachs an Marktanteilen bei MCUs und SmartCards wird die Gesamteinnahme steigen. Bei den Applikationsprozessoren ist es unsere Strategie, den durch ARM geschaffenen Wert durch weitere ARM-IP auf dem Chip z.B. für Grafik und Videobeschleunigung zu erhöhen und unsere Kunden auf unsere höchstwertigen Cores zu migrieren.

Das Handy-Betriebssystem Android von Google entkoppelt die Hardware von der darüberliegenden Anwendung. Dies bedeutet doch, dass sich neue Chancen für Ihre Mitbewerber wie MIPS ergeben…

Theoretisch ja, praktisch nein. Warum nicht? Auf der Hardware-Seite haben wir klare Vorteile beim Thema Rechenleistung pro Leistungsaufnahme und bei der Energieeffizienz absolut. Das kann ja jeder in Ihren wundervollen, seitenfüllenden Tabellen in der Elektronik nachlesen. Noch wichtiger ist allerdings das Software-Ecosystem. Android vereinfacht nur einen Teil der Gesamtlösung, Sie müssen weiterhin viele Software-Komponenten entwickeln und warten. Dafür brauchen Sie eine hinreichend große Kundenbasis, damit sich das rentiert. MIPS hat weder die Kundenbasis noch das Ecosystem, um erfolgreich zu sein.