VDE-Kongress 2016 IoT bringt Intelligenz in Fabrik, Haus und Stromnetz

Internet der Dinge - Kongress 2016
Internet der Dinge - Kongress 2016

Mehr als 200 Redner und 1200 Teilnehmer – Mit dem Trend-Thema „Internet der Dinge“ schaffte es der VDE, zahlreiche Interessierte zu mobilisieren, die über Visionen und Lösungen zur intelligenten Vernetzung in allen Lebensbereichen diskutierten.

Im Jahr 2020 könnten je nach Einschätzungen 30, 50 oder sogar 212 Mrd. Objekte miteinander vernetzt sein. Von Industrie 4.0 über Energie- und Mobilitätsanwendungen bis hin zu Gesundheit und Wohnen sind IoT-Anwendungen denkbar.

Der VDE-Kongress 2016, der vom 7. bis 8. November in Mannheim unter dem Motto „Internet der Dinge“ stattfand, beschäftigte sich mit dem gesamten Spektrum an IoT-Themen. Im Folgenden werden einige der Punkte dargestellt, die auf dem Kongress behandelt wurden.

Industrie 4.0

Konkrete Anwendungen des Internet der Dinge zeigen sich zur Zeit vor allem in den Fabrikhallen. Erfreulich ist, dass Industrie 4.0 aus Deutschland getrieben wird. Hiesige Industrieunternehmen wie Siemens oder Bosch bauen IoT-Plattformen auf, auch IT-Größen wie SAP sind aktiv. Ebenfalls große Fortschritte sind auf der Anwenderseite zu verzeichnen.

Ein Punkt, bei dem jedoch verstärktes Engagement gefragt ist, ist die Standardisierung. Denn Industrie 4.0 sieht eine firmen- und bereichsübergreifende Kommunikation aller Teilnehmer vor. Mit RAMI 4.0 liegt bereits eine Referenzarchitektur für die smarte Fabrik vor, die auf dem VDE-Kongress diskutiert wurde. Die Arbeitsgruppe „Grammatik für I4.0-Komponenten“ präsentierte ihre zu diesem Thema erarbeiteten Ansätze.

Geeignete Vernetzungstechnologien stellen eine weitere Voraussetzung für Industrie 4.0 dar, vor allem Wireless-Lösungen sind gefragt. Doch dem drahtlosen Datenaustausch in Werkshallen sind noch Grenzen gesetzt. Ausfälle, wie sie Privatnutzer von Mobilgeräten im Zug kennen, sind für Fertigungsprozesse nicht akzeptabel. Auch die relativ große Latenz, die aus der drahtlosen Kommunikation bisher bekannt ist, macht das Kabel im Industrieumfeld noch unverzichtbar.

Der Forschungsverbund ZDKI will dies ändern. Um die Industrie-4.0-Kommunikationsprobleme zu lösen, arbeiten unter seinem Dach acht Projekte an verschiedenen Anwendungsfeldern. Im Projekt ParSec wird beispielsweise ein flexibles, zuverlässiges und sicheres Funk-Kommunikationssystem für die Automatisierungstechnik untersucht und realisiert.

Eine wichtige Rolle beim Thema Vernetzung wird dem künftigen Kommunikationsstandard 5G prognostiziert. Dieser fungiert quasi als Backbone, der sowohl die kommende zellulare Mobilfunkgeneration als auch WLAN und weitere Technologien verbindet. Hochflexible, Software-getriebene Plattformen könnten personalisierte oder industriespezifische Lösungen schnell und effizient bereitstellen – egal ob extremer Datendurchsatz, ultraschnelle Latenzzeiten und höchste Verfügbarkeit oder die Anbindung von Milliarden von Geräten gefragt sind.

Smart Grid und Smart Home

Vor allem in Zeiten der Energiewende ist das Smart Grid ein Feld mit großen Möglichkeiten. Durch die integrierte Intelligenz in Form von Software soll die Stabilität des Stromnetzes gewährleistet werden. Lastspitzen sollen abgefangen und Ausfälle rechtzeitig erkannt werden. Smart Grids können dabei helfen, die wachsende Menge verteilter und erneuerbarer Erzeugungsanlagen sinnvoll zu integrieren.

Für den reibungslosen Umbau der Verteilnetze sind innovative Lösungen gesucht. Hierzu gaben die Verantwortlichen des E-Home-Energieprojekts 2020, einer Zusammenarbeit von Avacon mit dem Energieforschungszentrum Niedersachsen, einen Überblick. Aus ihren Ergebnissen könnten Ableitungen für die langfristige Bedeutung von Niederspannungsnetzen getroffen werden.

Ähnlich wie bei Industrie 4.0 ist auch beim Smart Home die Standardisierung der große Knackpunkt. Denn im Bereich der Heimvernetzung gibt es weltweit um die 50 bis 60 unterschiedlichen Sprachen, also Protokolle, über die die Teilnehmer eines Smart-Home-Netzes angesprochen werden. Bisher ist es daher nur möglich, die Geräte des gleichen Herstellers miteinander zu vernetzen.

In der EEBus-Initiative haben sich Unternehmen, Verbände und Akteure der Branchen Energie, Telekommunikations- und Elektronikwirtschaft zusammengetan, um eine technologieneutrale und interoperable Kommunikationstechnologie für das Smart Home zu entwickeln. Heraus kam ein System, das alle vorhandenen Sprachen miteinander verbindet. Ein Netzbetreiber kann dann ein Gebäude mit einem einheitlichen Befehlssatz ansprechen – unabhängig davon, welche Anlagen in diesem verbaut sind.

 

 

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