Übernahme-Gerüchte Intel soll an Infineons Wireless-Sparte interessiert sein

Der Münchner Chiphersteller Infineon soll nach einem Bericht der Financial Times Deutschland mit dem weltgrößten Halbleiterhersteller Intel über den Verkauf seines Wireless-Geschäftes verhandeln. Intel habe angeblich großes Interesse.

Das Interesse von Intel an dem Wireless-Geschäft käme nicht überraschend: Gerade vor einigen Tagen wurde die erste Atom-Prozessor-Plattform vorgestellt, die klar auf den Smartphone-Markt fokussiert ist. Ähnlich wie Konkurrent Qualcomm, der mit Snapdragon ein System-on-Chip inclusive UMTS-Funktion anbietet, könnte Intel nach einer Ein-Chip-Lösung mit Atom-Core in einem 32-nm-Prozess streben. Die Frage ist, ob der Verkauf auch für Infineon sinnvoll wäre.

Infineons Wireless-Geschäft hat sich nach der Pleite von BenQ-Siemens, seinerzeit der größte Kunde, bestens entwickelt: So liefert das Unternehmen die Basisband-Chips für High-End-Smartphones wie das iPhone und das iPad von Apple. Aber auch für den weit größeren Markt für Billig-Handys (sogenannte Ultra-Low-Cost-Phones) hat Infineon Ein-Chip-Lösungen parat. Mittlerweile gehören alle relevanten Handy-Hersteller wie Samsung, Nokia, LG, den Blackberry-Hersteller RIM und Apple zu den Kunden.

Analysten zweifeln trotzdem regelmäßig daran, ob Infineons Wireless-Sparte auf Dauer groß genug zum Überleben ist. Im ersten Halbjahr 2010 kam sie auf 537 Mio. Euro Umsatz und einen kleinen operativen Gewinn von 26 Mio. Euro. Der wichtigste europäische Wettbewerber ST Ericsson ist etwa doppelt so groß, Marktführer Qualcomm erlöste in diesem Zeitraum sogar mehr als 4 Mrd. Euro.

Gegen einen Verkauf spricht, dass Infineon nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Jahr 2009 nach Abzug von Schulden rund 1 Mrd. Euro besitzt. Zusätzliches Geld könnte nur dann benötigt werden, wenn der Infineon-Vorstand von seiner bisherigen Startegie abrücken würde, keine größeren Übernahmen durchzuführen. So hatte Infineon im Jahr 2008 mit seinem Konkurrenten NXP über eine Fusion verhandelt, die an den damaligen finanziellen Problemen beider Firmen scheiterte.

Eine Aquisition von NXP würde insbesondere das Auto- und Chipkartengeschäft von Infineon stärken, da die Niederländer dort ebenfalls gut aufgestellt sind. Die Eigentümer von NXP, die Finanzinvestoren KKR und Silver Lake, hatten Mitte April angekündigt, NXP in den USA an die Börse bringen zu wollen. Eine solche Ankündigung ist häufig ein Signal an potenzielle Interessenten, dass das Unternehmen zum Verkauf steht.