Intel Developer Forum Tag 2 Intel ermöglicht Kunden-IP auf Atom-SoC

Einer kleinen Revolution glich die Ankündigung von Intel-Manager Doug Davis am zweiten Tag des IDF in Peking: Erstmals können Kunden auf einem System-on-Chip mit Atom-Core einen I/O-Hub in Form eigener Hard-IP integrieren. Damit wird die Flexibilität in Bezug auf den Einsatz dieses SoCs erheblich erhöht.

Ein erheblicher Nachteil im Wettbewerb mit Konkurrent ARM hat Intel immer schwer zu schaffen gemacht: Während die Cores von ARM als lizensierbare IP erhältlich sind und damit in jedes kundenspezifische SoC integriert werden können, gab es den Atom-Core eben nur als fertigen Chip. Doug Davis, Vice President der Intel Architecture Group, kündigte mit »Tunnel Creek« nun erstmals ein SoC an, auf das Kunden für den I/O-Hub ihre eigene Hard-IP integrieren können, statt die Standard-Intel-Schnittstelle zu verwenden.

Möglich wird dies durch eine intere PCI-Express-Schnittstelle auf dem Silizium, an die das Kunden-Silizum andocken kann. Damit wird es möglich, anwendungsspezifische I/O-Verbindungen (z.B. MediaLB für Automotive, BT656 für IP-Telefonie) zu kreieren. Weiterhin integriert auf Tunnel-Creek sind neben dem Atom-Core ein Speicher-Contreoller, Grafik-Engine und Video-Engine. Dieses kommen alerdings von Intel und können nicht durch kundenspezifische IP ersetzt werden. Immerhin wird damit erstmals eine - wenn auch eingeschränkte - kundenspezifische 1-Chip-Lösung mit Atom-Core ermöglicht, was nicht nur Kosten sondern auch den in Embedded-Anwendungen wichtigen Board-Platz reduziert.

In diesem Zusammenhang kündigte HawTai, einer der führenden chinesischen Automobilhersteller, an, wie schon zuvor Harman-Becker den Atom-Prozessor für In-Vehicle-Infotainment nutzen zu wollen. Dabei setzt die Firma auf MeeGo-Software, ein gemeinsam mit Nokia betriebenes Projekt, das nicht nur eine Art Betriebssystem-Rohling enthält, sondern auch Middleware, um Entwicklern die Portierung ihrer Applikationen auf ganz unterschiedliche Atom-Plattformen – auch mit verschiedenen Betriebssystemen – zu vereinfachen.

Davis konnte ebenfalls eine weitgehende Zusammenarbeit mit China Mobile, der weltgrößten Firma für drahtlose Kommunikation vermelden. Diese wird Intel-Chips für den Aufbau ihrer Wireless-Netzwerke einsetzen.

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Intel Developer Forum Tag 2

Impressionen vom IDF und Tunnel-Creek-SoC

Das Thema »Energiesparen« wurde von Intel-CTO Justin Rattner beleuchtet. Rattner zeigte einen Low-Cost-Sensor, der nach Einstecken in einen Stromkreis die Leistungsaufnahme eines Gerätes misst uind drahtlos an eine Auswertestation meldet. Diese Station kann aus den gesammeleten Daten Vorschläge für eine Energiereduktion errechnen.

Eine Studie von Intel ergab, dass sich pro Haushalt in den USA pro Jahr 470 Dollar Stromkosten einsparen lassen, bei 113 Mio. Haushalten summiert sich dies auf 50 Mrd. Dollar pro Jahr. Selbst wenn nur 1 Prozent der Haushalte diese Einsparungen erreichen würden, so rechnete Rattner, würden sich in den Kohlekraftwerken 371000 Tonnen Kohle für die Verfeuerung einsparen lassen und die CO2-Emissionen in der Folge um 2,4 Mio. reduziert. Dies ist so, als ob man 535.000 Autos von der Straße entfernen würde.

Zum Thema Elektromobilität führte Rattner abschliessend aus, dass man bei Intel daran arbeite, Lösungen für eine bessere Koordination der Ladezeiten zu finden, damit der Maximalbedarf des Energiebedarfs reduziert werden kann. Hierdurch würde der Bedarf der Aufstockung von Kraftwerken verringert.