IDF 2011 Intel-CEO Otellini kündigt Android für Atom-Prozessor an und zeigt »one more Thing«

Auf dem Intel-Developer-Forum 2011 in San Francisco kündigte CEO Paul Otellini vor über 5000 Teilnehmern nicht nur weitere dramatische Energieeinsparungen der folgenden Prozessorgenerationen an, sondern zeigte auch ein erstes Smartphone mit Googles Betriebssystem Android. Dieses wurde von Google zusammen mit Intel für den Atom-Prozessor optimiert, um noch mehr Rechenleistung herauszuholen.

Als Höhepunkt seiner Keynote-Rede begrüßte Otellini als letzten Gast keinen geringeren als den Entwickler des Mobilbetriebssystems Android, Andrew Rubin, jetzt als Senior Vice President Chefentwickler bei Google tätig. Gemeinsam besiegelten die beiden Manager per Handschlag symbolisch eine weitreichende Zusammenarbeit: Eine spezielle Andorid-Version für den Atom-Prozessor wird zukünftig helfen, die x86-Architektur voll auszureizen.

Mit den berühmten Worten von Ex-Apple-Chef Steve Jobs, der mit »one more Thing« stets am Ende seiner Reden ein neues iPhone oder iPad zeigte, holte zur Überraschung der meisten Zuhörer Otellini ein schon serienreif aussehendens Smartphone aus der Tasche, in welchem das Atom-SoC Medfield arbeitet und auf dem Android lief. Nebenbei bemerkt: Dem von Intel entwickelten Betriebssystem MeeGo widmete Ottelini keine einzige Silbe in seiner Ansprache.

Der Intel-Chef sagte auch, die ersten Smartphones mit Atom-Innenleben sollten in der zweiten Hälfte des Jahres 2012 auf den Markt kommen. Normalerweise stellt Intel Entwicklungspartner ja gerne in den Fokus, diesmal kam es ganz anders: Ottelini verriet nicht einmal den Namen des Herstellers des von ihm gezeigten Handys. Auch alle technischen Daten zum Medfield-Smartphone blieb Otellini schuldig, mit Ausnahme der Tatsache, dass das Gerät mit Android der Version 2.3. arbeitet.

Diese Ankündigung dürfte erhebliche Bedeutung für den Markt der mobilen-Endgeräte haben. Intel bekommt nun die Chance einen entscheidenden Vorstoß in dieses immer wichtiger werdende Segment zu machen, wo der weltgrößte Chiphersteller bisher nur eine verschwindend geringe Rolle spielen konnte. Mit dem äußerst erfolgreichen Android-OS und dem kommenden Windows 8 von Microsoft hat man nun zwei vielversprechende Aktionsfelder.

Google schafft sich mit dem Schritt ein noch breiteres Feld an Möglichkeiten. Das Unternehmen ist nicht mehr ausschließlich auf die ARM-Plattform, die augenblicklich die führende Architektur für Smartphones und Tablets ist, beschränkt und kann somit zukünftig in praktisch jedem mobilen Endgerät zum Einsatz kommen. Dieser Umstand kann Google im Hinblick auf Windows 8 nur von Nutzen sein, da Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem ebenfalls die Bandbreite an Einsatzgebieten für Windows deutlich erweitern wird.

Konkret teilte Rubin nur mit, Google Android werde für Intels Atom-Chips aller verfügbaren Leistungsklassen optimiert. Damit soll dazu beigetragen werden Geräte mit Intel-Technik zügig am Markt zu etablieren.

Ultrabooks laufen 10 Tage im »Connected Standby«-Modus

Nicht nur für Smartphones, sondern auch für die neuen ultradünne Laptop-Klasse mit der Bezeichnung Ultrabook hat Otellini eine neue Stromsparinitative angekündigt. Dadurch soll ein Ultrabook ab 2013, wenn die neue Mikroarchitektur Haswell Einzug in die Prozessoren hält, im 10 Tage im sogenannten "Connected Standby-Modus" laufen. Der Energieverbrauch soll dabei um nicht weniger als Faktor 20 gegenüber der aktuellen Core-Generation abgesenkt werden. Möglich wird dies durch ein sogenanntes »Platform Power Management«, bei dem nicht nur der Prozessor, sondern das gesamte Ultrabook von der Hardware bis zum Betriebssystem involviert werden wird.

Ein Schwerpunkt von Haswell liegt dabei offenbar auf Advanced Vector Extensions (AVX). Sie sollen den »steigenden Anforderungen an Vektor-basierte Fließkommaberechnung« begegnen, also Berechnungen, für die heute immer öfter Grafikprozessoren statt CPUs zum Einsatz kommen. Intel zählt auf: »wissenschaftliche Berechnungen, Auswertung von Bildern, Erkennungssysteme, Data Mining, Spiele, Physiksimulationen, Kryptografie und andere«. AVX soll Anwendungen erleichtern, die unterschiedliche Stufen an Parallelisierung und verschiedene Vektorlängen unterstützen.

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Intel Developer Forum 2011

Bilder zu der Keynote-Ansprache von Intel-CEO Paul Otellini.

Zwar wurde die Befehlssatzerweiterung AVX schon in Sandy Bridge eingeführt, die ursprünglich angedachte Unterstützung für Fused Multiply Add hat Intel aber nicht implementiert. Dabei wird eine Multiplikation mit einer Addition kombiniert, was in der Praxis sehr häufig vorkommt. Hauptvorteil dabei ist, dass nur einmal gerundet wird. Beim Rechnen mit sehr langen Zahlen kann man durch Fused Multiply Add mehr Stellen des Ergebnisses als richtig annehmen und spart auf diese Weise Schritte, was wiederum zu einer höheren Geschwindigkeit führt. Übersetzt bedeutet dies, dass Haswell mit den neuen Prozessorbefehlen Aufgaben erledigen kann, die bislang auf Grafikchips ausgeführt werden.

Der Modus »Connected Standby« wird mit Windows 8 eingeführt. Wenn Intel seine Ankündigung umsetzen kann, würde dies bedeuten, dass Ultrabooks weniger als 1 W aufnehmen. »Connected Stand By« bedeutet, dass das Gerät im Hintergrund mit dem Internet verbunden ist, um z.B. E-Mails zu synchronisieren. Weckt der Anwender das Ultrabook dann auf, soll es »sofort« verfügbar sein. Alle synchronisierten Dienste sollen nutzbar sein, und: Das Warten auf die Verbindung mit einem drahtlosen Netz soll sofort stehen. Wie ein Smartphone bleibt das Ultrabook ständig verbunden.

Otellini zeigte ein Laborsystem mit einer Prototyp-CPU, die auf einem Kern des ersten Pentium basierte. Dafür verwendete Intel ein klassisches Mainboard aus der Serie, das P55TP2P4 von Asus mit HX-Chipsatz aus dem Jahr 1997. Darauf lief Windows, das ein Video abspielte. Der gesamte Rechner, abzüglich des Displays, wurde von einer nur kleinen Solarzelle gespeist.

Zwar blieb der Intel-Chef die Leistung der Zelle oder auch die Leistungsaufnahme des Demosystems schuldig, ein anderer Effekt war aber bemerkenswert. Das gezeigte Windows stürzte nicht ab, wenn die Solarzelle verdunkelt wurde. Stattdessen fror nur das Bild ein und das Video stoppte. Bekam die Zelle wieder Licht, lief der Rechner weiter, als sei nichts gewesen.

DeepSAFE soll Schadsoftware den Garaus machen

Als Intel Mitte August die Softwareschmiede McAfee für 7,68 Milliarden US-Dollar aufkaufte, versprach man die Sicherheit aktueller Computer-Systeme weiter zu verbessern und dabei den teils hohen Ressourcenverbrauch diverser Software-Programme zu senken, indem man das Zusammenspiel von Hard- und Software optimieren würde. Grundsätzlich ist laut Otellini jedes Gerät vom Desktop-Computer bis hin zum Smartphone durch Schadsoftware angreifbar. DeepSAFE, das Intel zusammen mit seiner Tochter McAfee entwickelt hat, nutzt Intels Vx-Technologie und greift anders als heutige reine softwarebasierte Lösungen unterhalb der Anwendungsebene ein (siehe Bilderstrecke).  Das Zusammenspiel aus Soft- und Hardware (CPU) soll nicht nur einen Schutz gegen bekannte Bedrohungen bieten, sondern auch zukünftige und noch unbekannte Gefahren erkennen und abwehren können – und das in Echtzeit.

Last but not least durfte Cisco ein auf dem Atom-Prozessor basierendes Mobiltelefon für Außendienstmitarbeiter vorstellen. Das Cius genannte Gerät, das mit Android arbeitet, steckt im Büro in einem stationären Telefon. Wird es für den Außeneinsatz herausgenommen, kommuniziert es wahlweise über WLAN oder LTE (4 G). Das interessante ist sicherlich, dass tausende Android-Apps auf diesem Gerät, das größenmäßig zwischen Handy und Tablet liegt, laufen.

Der Satz des Tages, wenn nicht des Jahres, kommt jedoch von dem Filmstudio Dreamworks, das ja u.a. von Steven Spielberg gegründet wurde und Animationen für Kinofilme produziert: "Wir animieren Filme, Intel animiert die Welt". Ein besserer Werbespruch wäre wohl Intel selbst nur schwer eingefallen.