Computex 2014 Taipeh Intel angeblich mit Dutzenden Design-Wins in Mobilgeräten

Nach der Vorstellung neuer LTE-Modems und Applikations-Prozessoren für Smartphones und Tablets auf dem diesjährigen Mobile-World-Congress in Barcelona soll Intel nach Informationen der Elektronik auf der vom 3. bis 7. Juni stattfindenen Computex-Messe in Taipeh "Dutzende von Design-Wins" in Mobilgeräten präsentieren.

Intel wird in Taipeh diverse Presse- und Analysten-Events durchführen, eines davon wird Ex-Infineon-Wireless-Chef Prof. Hermann Eul, jetzt VP und GM von Intels Mobile- and Communication Group, leiten. Nach Informationen der Fachzeitschrift Elektronik wird Eul dabei zahlreiche Design-Wins von Intel-Chips präsentieren, zwei Hersteller sollen die taiwanischen Firmen ASUS und Acer mit Intel-basierten Tablets sein.

Die präsentierten Geräte sollen dabei alle auf dem MWC präsentierten Chips beinhalten, d.h. auch das LTE-Modem XMM 7260, ein LTE-Advanced-Baustein der Kategorie 6, der dank flexibler Carrier-Aggregation bis zu 40 MHz eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 300 Mbit/s erlaubt. Unterstützt werden mehr als 30 LTE-Bänder, so dass man das Modem tatsächlich als “Weltmodem” mit globaler Netzabdeckung bezeichnen kann. Neben den LTE-Standards FDD und TDD werden auch WCDMA/HSPA+ sowie TD-SCDMA/TD-HSPA/EDGE unterstützt.

Zusammen mit dem LTE-Modem soll auch das passende HF-Frontend eingebaut sein. Der auch “Smarti 45” genannte Transceiver liefert bis zu 23 Carrier-Aggregations-Kombinationen und unterstützt die Modi LTE FDD/TDD-3GPP Rel.10., Inter-Band/Intra-Band LTE, Non-contiguous Intra-Band LTE und DC-HSDPA, TD-SCDMA und 2G-Edge. Carrier-Aggregation wird genutzt, um die Datenrate pro Nutzer zu erhöhen. Dabei werden einem Nutzer mehrere einzelne Carrier, also Frequenzblöcke zugewiesen. Die maximale Datenrate pro Nutzer erhöht sich dabei um die Anzahl der Frequenzblöcke. Auch die Gesamtdatenrate pro Zelle wird durch eine verbesserte Ressourcenausnutzung erhöht.

Dies sind für den langjährigen Marktführer bei LTE-Lösungen, Qualcomm, keine guten Nachrichten: Dessen neuester Modem-Chip MDM 9x35, der ebenfalls LTE Advanced Cat.6 mit Download-Geschwindigkeiten bis zu 301,5 Mbit/s unterstützen wird, soll erstmals in einem 20-nm-Prozess gefertigt werden – die Frage, ist wann. Die Foundry TSMC liefert nach unseren Informationen immer noch Muster aus, wann die Serienfertigung anlaufen kann, bleibt offen.

Endlich Prozessoren mit Silvermont-CPU und High-End-GPU

Einige auf der Computex präsentierten Geräte werden auch Intels neueste Smartphone-SoCs mit den Codenamen “Merriefield” (Z34XX) und “Moorefield” (Z35XX), die in einem 22-nm-FinFET-Prozess gefertigt werden und die neue Out-of-Order-Silvermont-x86-CPU beinhalten – endlich wird man diese in der Realität mit den schnellsten ARM-basierten Prozessoren wie Apples A7 und Qualcomms Snapdragon-80X-SoCs vergleichen können. Gespannt sein darf man auch auf die Grafikleistung der Geräte: Die State-of-the-Art Quad-Core-GPU des Typs PowerVR G6400 (Merriefield) bzw. sogar PowerVR G6430 (Moorefield) werden mit 533 MHz getaktet und sollten Intels in der Vergangenheit dramatischen Rückstand im GPU-Bereich zumindest egalisieren können.

Mehr Multimedia

Verbesserungen gibt es auch auf der multimedialen Seite: Während die Auflösung der Frontkamera mit 13 MPixeln unverändert blieb, werden Vidios in HD-Auflösung jetzt mit 60 Frames/s dekodiert und codiert, was gegenüber Clovertrail eine Verdoppelung bei der Frame-Rate entspricht. Dazu gibt es Hardware-Encode und –Decode für Googles neuesn Video-Codec VP8, der u.a. in Chrome, Firefox, WebRTC und Hangouts zum Einsatz kommt. Allerdings sagte Intel nichts über die Verarbeitung von Ultra-HD-Content (H.265), so dass wir davon ausgehen, dass die neuen SoCs diesen Video-Standard nicht unterstützen.

Neu hinzugekommen auf dem SoC ist ein Video-Prozessor für die Nachverarbeitung der Rohdaten. So soll das Rauschen reduziert, Farben und Kontrast verbessert und ein insgesamt “flüssigeres Ergebnis” beim Abspielen erreicht werden. Die Kamera erlaubt jetzt eine Bild-im-Bild-Funktion und weist einen sogenannten Burst-Modus für kurz aufeinanderfolgende Auslösungen auf.

Last but not least wurde ein Hardware-Beschleuniger für die Verarbeitung von durch Sensoren gelieferte Daten integriert. Dieser soll Bewegungen, Gesten, Audiodaten, Ortsdaten im App-Kontext analysieren und die CPUs entlasten – zu Gunsten der Batterielaufzeit. Das Prinzip entspricht dem M7-Koprozessor, den Apple in seinem A7-SoC von iPhone 5S bzw. iPad Air verwendet.

Keine Freude bei Microsoft

Wer denken würde, dass ausgehend von der langjährigen „Wintel-Allianz“ von Intel-basierenden Mobilgeräten automatisch auch Betriebssystem-Lieferant Microsoft profitieren würde, wird nach den vorliegenden Informationen enttäuscht sein: Die Mehrzahl der präsentierten Geräte wird mit Google’s OS Android laufen, was angesichts der Quasi-Nicht-Existenz von Windows Phone in Asien auch wenig verwunderlich ist – in China hat man einen Marktanteil von gerade mal 1 % gegenüber 80 % von Android.