Akquisition für 3 Mrd. Dollar Infineon kauft International Rectifier

„In China wollen wir als chinesisches Unternehmen wahrgenommen werden. Dazu müssen wir lernen, in China chinesisch zu denken und zu handeln“
Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss betrachtet die Akquisition von International Rectifier als "einmalige Gelegenheit".

Infineon und International Rectifier haben heute einen Vertrag über den Kauf von International Rectifier unterzeichnet. Infineon beabsichtigt, International Rectifier für 40 US-Dollar in bar pro Aktie zu erwerben, was einem Wert von ca. 3 Milliarden US-Dollar (2,25 Mrd. Euro) entspricht. Durch die Akquisition schließen sich zwei Halbleiter-Unternehmen mit führenden Positionen im Bereich Power Management zusammen.

Das Board of Directors von International Rectifier und der Aufsichtsrat von Infineon haben der Transaktion zugestimmt. Die Akquisition bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden und der Aktionäre von International Rectifier sowie der Erfüllung weiterer üblicher Bedingungen vor Closing. Das Closing wird gegen Ende des Kalenderjahrs 2014 oder zu Beginn des Kalenderjahrs 2015 erwartet, abhängig von der Zustimmung der Aufsichtsbehörden.

Die Transaktion soll sich bereits im Geschäftsjahr des Closings positiv auf den pro-forma Gewinn pro Infineon-Aktie auswirken. Es wird erwartet, dass Synergien weiteres Ergebniswachstum über die bereits realisierten Restrukturierungserfolge von International Rectifier hinaus treiben werden. International Rectifier wird einen Margenbeitrag leisten, der spätestens im zweiten vollen Geschäftsjahr nach Closing mindestens bei den 15 Prozent Segmentergebnis-Marge liegen soll, die Infineon über den Zyklus anstrebt. Infineon hält daher an dem Ziel einer Segmentergebnis-Marge von 15 Prozent über den Zyklus fest.

Gemäß dem zwischen Infineon und International Rectifier geschlossenen Vertrag, bietet Infineon 40 US-Dollar in bar für alle ausstehenden Aktien von International Rectifier. Dies entspricht einem voll verwässerten Unternehmenswert von International Rectifier von 2,4 Milliarden US-Dollar. Der Aufschlag auf den durchschnittlichen Aktienpreis von International Rectifier in den letzten drei Monaten beträgt rund 47,7 Prozent, bezogen auf den Schlusskurs von International Rectifier am 19. August 2014 sind es rund 50,6 Prozent.

Die Transaktion wird von Infineon aus vorhandenen Barmitteln sowie durch vollständig garantierte Kredite im Umfang von insgesamt 1,5 Milliarden Euro finanziert. Es wird erwartet, dass die Kapitalstruktur von Infineon nach Closing der Transaktion innerhalb der kommunizierten Zielspannen liegen wird, also 30-40 Prozent Brutto-Cash im Verhältnis zum Umsatz, nicht mehr als 2x Brutto-Schulden im Verhältnis zum EBITDA und eine Netto-Cash-Position.

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Blick in Infineons 300-mm-Fab

Anlässlich des Jubiläums »20 Jahre Standort Dresden« erlaubte Infineon einem ausgewählten Journalistenkreis einen Einblick in die 200- und 300-mm-Fertigung in Dresden.

Die Produktportfolios von Infineon und International Rectifier ergänzen sich. International Rectifiers Stärke bei energieeffizienten IGBTs und IPMs (Intelligent Power Modules) sowie bei Power-MOSFETs und Digitalen Power-Management-ICs kann laut Unternehmenskreisen sehr gut mit Infineons Angebot bei Diskreten IGBTs und Modulen integriert werden. Als Beispiele sollen IGBT-Module (Infineon: High-Power, IRF: Low-Power mit IPMs und Mikro-IPMs), MOSFETs (Infineon: Hochspannung, IRF: Niederspannung) und Vertriebskanäle (Infineon: Direktgeschäft, IRF: Distribution) genannt werden. So wird Infineons Umsatzanteil in der Distribution durch den Kauf von 39 % auf 44 % steigen - IRF hat heute einen Distributionsanteil von 68 %, während Infineon 61 % seines Umsatzes mit Direktkunden macht.

Infineon wird in Summe über 5 Mrd. Euro Umsatz generieren, Marktanteile wird man durch das IRF-Geschäft primär in Asien (dort beträgt der heutige Umsatzanteil von IRF 49 %) und Amerika gewinnen, so dass der Umsatzanteil in EMEA von 40 auf nur noch 37 % sinken wird und man im Leistungselektronik-Bereich mit 17,2 % Marktanteil seine führende Position vor Toshiba (7,0 %) und Mitsubishi (6,9 %) deutlich ausbauen wird.

Infineon erwirbt mit International Rectifier außerdem einen Technologieführer im Bereich Galliumnitrid (GaN)-basierter Leistungshalbleiter. Dadurch kann Infineon seine GaN-Roadmap bei GaN-Diskreten und GaN-Systemlösungen beschleunigen und festigen und so seine Position bei dieser strategisch wichtigen Technologie-Plattform mit deutlichem Wachstumspotenzial weiter ausbauen. Durch die Transaktion entsteht ein breit gefächertes Technologieportfolio und damit ein Anbieter, der ein umfangreiches Spektrum von Leistungshalbleitern und ICs auf Silizium-, Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Basis abdecken kann.

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Infineon kauft IR: Die wichtigsten Vorteile der Akquisition

Laut CEO Ploss passt International Rectifier perfekt zu Infineon - in usnerer Bildergalerie sehen Sie die Hauptgründe dafür zusammengefasst.

Die Integration von International Rectifier schafft Skaleneffekte zum einen dank einer optimierten betrieblichen Kostenstruktur als auch durch den beschleunigten Ramp der Fertigung auf der führenden 300mm-Dünnwafer-Technologie von Infineon. Dies bedeutet, dass IRF-Produkte zukünftig soweit wie möglich in Infineon-Fabs primär in Dresden produziert werden. Was dies für die Zukunft der IRF-Fabs bedeutet und wieviele Arbeitsplätze der heute 4.160 IRF-Mitarbeiter im Rahmen des Mergers abgebaut werden, ließ der Vorstand zumindest heute offen.

International Rectifier wurde 1947 gegründet und kam im Geschäftsjahr 2013 auf einen Umsatz von 977 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich stand dabei aber ein Verlust von 88,8 Millionen Dollar. Zuletzt zeigte die Kurve des Chipherstellers aber wieder nach oben: Im dritten Geschäftsquartal wurden 19,1 Millionen Dollar Gewinn erzielt.

Seit Jahren wurde über mögliche Zukäufe des Konzerns spekuliert. Infineon hatte stets betont, dass man sich Übernahmen durchaus vorstellen könne - wenn der Kaufpreis, das Unternehmen und seine Produkte zur Strategie von Infineon passen würde. Vorstandschef Ploss hatte angesichts guter Geschäfte erst jüngst die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 ein wenig angehoben. Infineon profitiert von einem starken Geschäft mit der Autoindustrie, aber auch vom Geschäft mit erneuerbarer Energieerzeugung, -übertragung und -wandlung, elektrischen Industrieantrieben und Haushaltsgeräten. Dieses Jahr soll der Umsatz auf mehr als 4 Milliarden Euro klettern.