Quartalszahlen europäischer Chip-Hersteller Infineon erzielt Wachstum und Gewinn, ST Microelectronics Umsatzrückgang und Verlust

Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss mit BMWs E-Car i30, dessen Elektronik maßgeblich von Infineon stammt.
Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss mit BMWs E-Car i30, dessen Elektronik maßgeblich von Infineon stammt.

Im abgelaufenen Quartal erzielte der deutsche Chip-Hersteller Infineon einen um 14 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahr und konnte seinen Gewinn fast vervierfachen, während ST Microelectronics einmal mehr einen Umsatzrückgang vermelden musste - immerhin konnte ST seine immer noch existierenden Verluste gegenüber dem Vorjahr deutlich reduzieren.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon erzielte in dem 2. Quartal seines Geschäftsjahres 2014, das Ende März zu Ende ging, mit 1,051 Mrd. Euro (mehr als 1,42 Mrd. Dollar) einen um 14 % höheren Umsatz als im gleichen Zeitraum des Jahres 2013. Der Gewinn stieg von 33 auf 124 Mio. Euro. Nach der Bekanntgabe der Zahlen stieg der Aktienkurs um fast 5,5 % an.

Geradezu abenteuerlich mutet nach wie vor Infineons Cash-Position, also die Differenz zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten,an: Sie betrug Ende März 2014 2,198 Mrd. Euro. Für das nächste Quartal erwartet Infineon einen Umsatzanstieg von 4-8 %, was gegenüber dem Vorjahresquartal ein Umsatzwachstum von mindestens 11 % entsprechen würde.

Das Umsatzwachstum zieht sich im abgelaufenen Quartal durch alle Geschäftsbereiche: Automotive, das alleine für 46 % des Gesamtkonzernumsatzes steht, konnte um 14 % zulegen (u.a. wegen einer überdurchschnittlich hohen Nachfrage bei deutschen Premium-Herstellern), Industrial Power Control sogar um 28 % (hohe Nachfrage in den Bereichen Industrieantriebe und Züge), Power Management & Multimarket um 11 % (gestiegene Nachfrage bei Leistungstransistoren und im Bereich Mobilfunk-Infrastruktur) und ChipCard & Security (Umsätze mit Sicherheitschips für Bezahlkarten stiegen im Vergleich zum Vorquartal deutlich) um 12 %. Die Umsatzrenditen der einzelnen Geschäftsbereiche sind bis auf Chipcard&Security, das nur auf 6,6 % kam, allesamt zweistellig zwischen 13,6 und 17,8 %.

In Forschung und Entwicklung investierte Infineon 136 Mio. Euo, 14 Mio. Euro mehr als im identischen Vorjahreszeitraum. Mit über 28.000 Mitarbeitern ist der Chip-Hersteller in den letzten 12 Monaten um weitere 2.000 Mitarbeiter gewachsen.

Ein gegensätzliches Bild gibt die Quartalsbilanz des französisch-italienischen Chip-Herstellers ST Microelectronics mit Sitz in Genf ab. ST erzielte in seinem 1. Quartal des Geschäftsjahres einen Umsatz von 1,825 Mrd. Dollar, was 9,4 % weniger ist als im identischen Zeitraum 2013. Dabei wurden Verluste in Höhe von 24 Mio. Dollar eingefahren, was deutlich weniger ist als die 171 Mio. Dollar Verlust des Q1 2013.

Während ST in China um 1,4 % Umsatz zulegen konnte, verlor man in Europa 4,4 %, Amerika 8,6 % und in Japan/Korea sogar 34,9 % seines Vorjahresumsatzes, letzteres primär bedingt durch Altlasten der ST-Ericsson-Ära.

Für den Umsatzrückgang verantwortlich ist der Geschäftsbereich Embedded Processing Solutions (EPS), der statt 867 Mio. Dollar in Q1 2013 nur noch 628 Mio. Dollar erzielte. Der Geschäftsbereich Sense & Power und Automotive Products (SP&A) konnte hingegen leicht von 1,127 Mrd. Dollar auf 1,191 Mrd. Dollar zulegen. Hierfür ist im Wesentlichen das starke Automotive-Geschäft verantwortlich, das alleine von 385 auf 445 Mio. Dollar Umsatz wuchs.

Erhöhen konnte ST auch seinen Verkaufsanteil in der Distribution, der in Q1 2014 auf 30 % oder 547,5 Mio. Dollar kam - die andere Seite der Medialle ist freilich, dass das Direktkundengeschäft nur noch auf 1,278 Mrd. Dollar Umsatz kam, in Q1 2013 konnte ST hier noch über 1,5 Mrd. Dollar verbuchen.

Rückläufig sind auch STs Geldreserven: Die Cash-Position betrug Ende März 2014 noch 612 Mio. Dollar gegenüber 741 Mio. Dollar Ende März 2013. Für das 2. Quartal 2014 erwartet CEO Carlo Bozotti einen Umsatzanstieg um rund 2 %, was gegenüber Q2 2013 einen Umsatzrückgang um rund 7,5 % bedeuten würde.

Seine Investitionen in Forschung und Entwicklung fuhr ST erheblich zurück: Betrugen diese im Vorjahresquartal noch 533 Mio. Dollar, reduzierte man sie 2014 auf 378 Mio. Dollar. Gleichzeitig gab ST bekannt, dass Executive-VP Jean-Marc Chery ab sofort die vakante Stelle des Chief Operating Officers (COO) einnehmen wird. Diese war seit der Trennung von Didier Lamouche im April 2013 unbesetzt geblieben.

Der dritte große europäische Chip-Hersteller, NXP; hatte seine Ergebnisse bereits letzte Woche bekanntgegeben: Mit 1,207 Mrd. Dollar Umsatz (+14 % gegenüber Q1 2013) und 110 Mio. Dollar Gewinn blicken die Holländer ähnlich wie Infineon auf ein erfolgreichen Start ins Jahr 2014 zurück. Unerfreulich hoch bleibt lediglich die Schuldenlast, die mit 3,971 Mrd. Dollar Ende März gegenüber dem Vorjahr nochmal um 300 Mio. gestiegen ist.