Exklusiv-Interview mit Freescales CEO Gregg Lowe »Ich habe den positiven Spirit bei Freescale neu entfesselt«

Nach dem Abschluß des Mergers des Chip-Herstellers Freescale mit Käufer NXP wird CEO Gregg Lowe das Unternehmen verlassen. Im Abschiedsinterview mit der Elektronik verriet Lowe die neue Management-Struktur von NXP, wie er bei Freescale den Turnaround erfolgreich umsetzte und warum bei ihm zu Hause statt Bildern Gitarren an der Wand hängen.

Elektronik: Im April hatten Sie mir gesagt, dass Sie auf dem FTF mehr Details über den Merger mit NXP bekanntgeben werden, da nehme ich Sie jetzt doch mal beim Wort.

Gregg Lowe: Also, die neue Firma wird NXP heissen und wir haben jetzt die erste und zweite Führungsebene festgelegt. So wird die Marketing- und Verkaufsorganisation zukünftig von NXPs Steve Owen geleitet werden, wir haben versucht, für jede Rolle den besten Manager aus beiden Organisationen zu finden.

Elektronik: Überraschenderweise will NXP das Netzwerk-Geschäft von Freescale jetzt doch behalten und nicht verkaufen.

Lowe: Richtig, weil es profitabel ist und wir einen extrem hohen Marktanteil besitzen, gibt es keinen Grund für einen Verkauf.

Elektronik: Beim Thema Sicherheit gab es ja bislang zwei Ansätze: NXP setzt dank seines Chipkarten-Geschäftes auf Hardware und Freescale wegen mangelnder Alternative auf Software. Wir sieht denn da die zukünftige Strategie aus?

Lowe: Wir werden beides zusammenführen. Sie brauchen, um hier zukünftig erfolgreich zu sein, Hardwareverschlüsselung und die passende Software, das gemeinsame Know-How von NXP und Freescale gibt uns hier eine einzigartige Marktposition.

Elektronik: Lassen Sie uns auf das zukünftige Management zurückkommen, wer von Freescale heute wird denn bei NXP vertreten sein? Ihr Auto-Chef Bob Conrad ja offenbar nicht…

Lowe: Tom Dietrich wird weiter das Netzwerk-Geschäft leiten und an CEO Rick Clemmer berichten. Paul Hart, Chef von unserem HF-Geschäft, wird dies auch zukünftig tun und ebenfalls an Rich Clemmer berichten. James Bates und Bob Conrad werden Teil des zukünftig viel größeren Automotive-Teams und an Kurt Sievers berichten. Geoff Lees leitet das gemeinsame Mikrocontroller-Geschäft und wird zukünftig an Rüdiger Stroh berichten. Und Freescales David Reed ist und bleibt Chef der Fertigungsorganisation.

Elektronik: Das klingt ja so gar nicht nach einer Übernahme, wo es auf bayerisch ja immer heisst „Ober sticht Unter“.

Lowe: Nein, NXP hat natürlich die Führung in diesem Prozess, aber sie haben nicht wahllos ihre Leute platziert sondern geschaut wer ist der beste Mann für welche Rolle.

Elektronik: NXP will 200 bis 500 Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Mir ist schon klar, dass NXP z.B. im Bereich der EDA-Tools oder Foundries ganz andere Preise verhandeln kann und auch die Auslastung in den eigenen Fabs höher sein wird – wenn man denn die ein oder andere Fab schließt – aber das reicht ja niemals aus, um auf diese Summe zu kommen. Am Ende des Tages wird es auf Personaleinsparungen hinauslaufen, wer ist betroffen und wieviele Mitarbeiter?

Lowe: Ich weiß die Anzahl wirklich noch nicht, aber bei den Bereichen wird es primär um Verwaltungsjobs gehen. Nehmen Sie HR, Finanzen, IT, da braucht man natürlich nicht doppelte Organisationen. Die Investitionen in Forschung&Entwicklungen werden definitiv nicht angegriffen, das hat Rick Clemmer mehrfach betont.

Elektronik: Da haben Sie ja 2014 nochmal richtig nachgelegt und Ihr Entwicklungsbudget von 755 auf 846 Mio. Dollar erhöht…

Lowe: Weil wir die Investitionen in Umsatz- und Margensteigerungen umsetzen konnten, das wollen Investoren sehen.

Elektronik: Derzeit ist Freescale ja steuerlich in den Bermudas registriert, wo es eine Einkommenssteuer von Null gibt. Zukünftig wird auch das heutige Freescale-Geschäft in den Niederlanden versteuert, wird das nicht die Margen kaputtmachen?

Lowe: Das ist so nicht richtig, wir müssen auch heute Steuern zahlen, weil die in Ländern anfallen, wo wir Produkte verkaufen. Dazu hat NXP in den Niederlanden einen guten Deal ausgehandelt soweit ich weiß.