ARM TechCon 2013 HP-CTO Martin Fink skizziert das Rechenzentrum der Zukunft

ARM-Vorstand Tom Lentzsch konnte eine neue Rekord-Teilnehmerzahl vermelden.
ARM-Vorstand Tom Lentzsch konnte eine neue Rekord-Teilnehmerzahl vermelden.

Wie jedes Jahr findet ARMs Entwicklerkonferenz TechCon im kalifornischen Santa Clara statt. Der erste Tag begann bei einer Rekordteilnehmerzahl mit gleich zwei Keynote-Ansprachen, wobei HPs CTO den Weg zu energiesparenden ARM-basierten Servern erklärte. Der FPGA-Hersteller Altera hatte die spektakulärste Neuvorstellung vom 1. Tag im Gepäck.

Begonnen hat der erste Tag der dreitägigen Konferenz mit einer Ansprache von ARMs Vorstandsmitglied und Strategiechef Tom Lantzsch. Im Angesicht von ARMs Rekord-Ergebnis im 3. Quartal 2013 erklärte er, dass sich die Anzahl der TechCon-Teilnehmer von 2012 auf mehr als 6.500 Entwickler verdoppelt habe und man jetzt mehr als 500 Lizenznehmer habe.

Auch sonst konnte Lantzsch seinen Stolz kaum verbergen: Mehr als 95 % aller Smartphones und Tablets beinhalten mittlerweile ARM-SoCs, dazu 70 % bei Smart-TVs, 80 % bei Digitalkameras und 95 % bei mobilen Spielekonsolen – die letzten drei Gerätetypen galten eigentlich als Domäne von MIPS, aber mittlerweile scheint sich auch dort eine klare Tendenz Richtung ARM abzuzeichnen.

Als Überleitung zu der Keynote von HPs CTO und Chef der Labs, Martin Fink, kam Lantzsch dann noch auf die Rechenzentren zu sprechen. Hier will ARM den Herausforderungen der ungeheuren Datenmengen, die durch Applikationen im Kontext mit dem „Internet der Dinge“ zu erwarten sind („Big Data“) durch viele kleine parallele Recheneinheiten Herr werden. „Vor 6 Jahren begann unsere Reise Richtung Netzwerke und Rechenzentren, vor 2 Jahren stellten wir mit ARMv8 unsere 64-bit-Architektur vor, letztes Jahr die ersten 64-bit-Cores Cortex-A57 und –A53 und jetzt bauen unsere Chip-Partner Produkte“ sagte Lantzsch zum Abschluss seiner Eröffnungsrede.

HP-CTO Martin Fink konzentrierte sich dann wie erwartet auf das Rechenzentrum der Zukunft. Im Jahr 2020 wird es nach seiner Aussage 8 Milliarden Menschen geben, die mit 30 Milliarden Geräten und 10 Millionen Apps 40 Trillionen GB Daten erzeugen. Fink erklärte, dass heute wohl noch nicht allen Menschen verstanden hätten, was es bedeuten würde, diese gigantischen Datenmengen zu verwalten und zu verarbeiten.

Die heutigen Serverarchitekturen sind laut Fink nicht mehr geeignet, die zukünftigen Bedürfnisse zu befriedigen. Er berichtete von einem Kunden, der nicht mehr wachsen konnte, da ihm der städtischen Energieversorger keine zusätzliche Energie mehr liefern konnte. Konkret sieht es mit den derzeitigen Lösungen so aus, dass alleine die Baukosten für neue Rechenzentren pro Jahr 8-10 Milliarden US-Dollar betragen und die darin installierte Hardware 8-10 neue Kraftwerke erfordert, welche eine Energiemenge produzieren müssen, die 2 Millionen US-Haushalten entspricht.

Die Lösung sieht Fink in HPs Moonshot-Architekur, einer „Game-changing Innovation“: Im Vergleich zu heutigen Systemen bedeutet der Einsatz von Moonshot-basierenden Servern laut seinen Messungen 80 % weniger Platzbedarf, 77 % geringere Kosten, 89 % weniger Energieverbrauch und 97 % weniger Komplexität. Durch Software-gesteuerte Server werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen on the Fly zu gewiesen.

Neben PayPal, dem Internetbezahl-System von eBay, das Moonshot für Web-Hosting, Server-Hosting und Web-Front-Ends derzeit zusammen mit HP testet, ist HPs eigene IT-Abteilung bereits Moonshot-Kunde. So läuft www.HP.com auf dieser Architektur, was laut Fink HPs Stromrechnung drastisch gesenkt hat.

Fink erklärte, dass zukünftige Systeme sich insbesondere in 3 Bereichen verändern werden: Zum einen wachsen Speicher und Massenspeicher zu einer einzelnen Speicher-Entität zusammen, die Allzweck-Prozessoren werden durch energie- und algorithmus-optimierte Subsysteme ersetzt und die Schaltmatrizen werden statt elektrische Signalleitungen optische Verbindungen enthalten.

Als Beispiel für optimierte Prozessor-Subsysteme hatte Fink drei Server-Cartridges mit ARM-basierten SoCs von unterschiedlichen Lizeenznehmern dabei, u.a. ein Board mit einer TI-Lösung, die einen DSP-Koprozessor enthält und den ersten 64-bit-ARM-Server-Chip von Applied Micro. Die spezifischen Tasks werden dann in einem heterogenen aufgebauten Server-System jeweils auf der dafür optimierten Hardware ausgeführt.

Was Fink freilich – auf einer ARM-Veranstaltung nicht verwunderlich - verschwiegen hat, ist die Tatsache, dass HP noch vor jedem ARM-basierten Cartridge bereits Einschübe mit Intels Avaton-SoC vorgestellt hat – einem Chip mit dem Atom-Core der neuesten Generation.

Seitens der Produkte hat am 1. Tag der TechCon sicherlich FPGA-Hersteller Altera das Interessante vorgestellt: Einen Chip mit ARMs 64-bit-Core Cortex-A53, gefertigt bei Intel in 14-nm-Technologie. Alles über diese Ankündigung lesen Sie hier in einem separaten Beitrag.