Trotz Gewinn Freescale kommt auf Wachstumskurs nur langsam voran

Gregg Lowe, Freescale Semiconductor: »Das gesamte Unternehmen verfolgt für die Zukunft zwei Ziele: überdurchschnittliches Wachstum und höhere Margen.«
Freescales CEO Gregg Lowe muss nachwievor mit der hohen Schuldenlast des Chip-Herstellers kämpfen.

Der amerikanische Chip-Hersteller Freescale konnte im 3. Quartal 2013 seinen Umsatz im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum leicht steigern und nach langer Zeit wieder einen Gewinn ausweisen – dieser fällt allerdings eher gering aus. Die Schuldensituation ist dagegen nach wie vor unerfreulich.

Mit 1,085 Mrd. Dollar erwirtschaftete Freescale in Q3 2013 einen um rund 7,5 % höheren Umsatz als in Q3 2012. Musste man seinerzeit noch einen Verlust in Höhe von 23 Mio. Dollar hinnehmen, konnte Freescale jetzt 23 Mio. Gewinn verbuchen. Die Umsatzrendite mit rund 2 % liegt allerdings weiterhin deutlich unter den Zahlen, die CEO Gregg Lowe bei seiner Amtsübernahme im Rahmen seiner “Margin Expansion”-Strategie als erstrebenswert angekündigt hatte.

Größtes Wachstum erzielte Freescale bei den Mikrocontrollern außerhalb des Automotive-Geschäftes: Hier erzielte Freescales neuer MCU-Chef Geoff Lees (“Mr. ARM”), den man ja bekanntlich von NXP abgeworben hatte, mit 230 Mio. Dollar fast 20 % mehr Umsatz als in Q3 2012.

Der Geschäftsbereich “Digital Networking” legte um 5,3 %zu, die Automotive-Mikrocontroller um 7 % (was dem Branchenschnitt entspricht, ST Microelectronics erzielte ebenfalls + 7 %, NXP + 9 % und TI + 8%) und HF sogar um 22 % - eine Folge der hohen Nachfrage nach Leistungsverstärkern. Lediglich der Geschäftsbereich "Analog & “Senoren” tritt auf der Stelle, was dem Ex-TI-Analog-Mann Gregg Lowe vermutlich nicht gut gefallen dürfte.

Der für Freescale nicht strategisch wichtige Geschäftsbereich “Andere”, in dem u.a. die IP-Lizensierung und Produkte für Handys zusammengefasst sind, verlor dagegen rund 10 % Umsatz.

Nach wie vor leidet Freescale unter der hohen Schuldenlast, die das Unternehmen beim Verkauf an ein Investoren-Konsortium unter Führung der Blackstone Group (unverschuldet) aufgedrückt bekommen hat: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind von 890 Mio. Dollar Ende Q2 2012 auf 1,538 Mrd. Dollar Ende Q3 2013 angestiegen, dazu kommen 6,375 Mrd. Dollar langfristige Verbindlichkeiten und 432 Mio. Dollar “andere Verbindlichkeiten” – in Summe sind dies 8,345 Mrd. Dollar, denen Vermögenswerte von lediglich 3,819 Mrd. Dollar entgegenstehen. Jedes Quartal muss Freescale damit alleine einen dreistelligen Millionenbetrag an Zinsen an seine Gläubiger zahlen. An Barreserven stehen mit 700 Mio. Dollar 63 Mio. Dollar weniger zur Verfügung als Ende Q2 2012.