Angewandte Forschung Fraunhofer profitiert vom Wirtschafts-Boom

Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: „Wenn wir die verteilten Kompetenzen und Technologien bündeln, können wir Lösungen entwickeln, die von einzelnen Instituten allein nie zu leisten sind.“
Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: „Wenn wir die verteilten Kompetenzen und Technologien bündeln, können wir Lösungen entwickeln, die von einzelnen Instituten allein nie zu leisten sind.“

Die Fraunhofer-Gesellschaft zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2010. „Der konjunkturelle Aufschwung hat sich positiv auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt. Das Finanzvolumen wuchs um zwei Prozent auf 1,66 Mrd. Euro, wobei sich das Auslaufen der Konjunkturprogramme dämpfend auswirkte.

Dennoch wurde ein neues Rekordniveau erreicht“, erklärte Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in München. Das Finanzvolumen setzt sich aus dem laufenden Haushalt der Vertragsforschung, der Verteidigungsforschung sowie der Ausbauinvestitionen zusammen. Der laufende Haushalt der Vertragsforschung kletterte um 62 Mio. Euro auf insgesamt 1,40 Mrd. Euro und macht damit 84 Prozent des Finanzvolumens aus. Die Verteidigungsforschung legte um sieben Prozent auf 93 Mio. Euro zu und die Ausbauinvestitionen lagen aufgrund rückläufiger Fördermittel mit 162 Mio. Euro unter dem Höchststand in 2009.

Der laufende Haushalt der Vertragsforschung mit 1,40 Mrd. Euro setzt sich auf der Einnahmenseite im Wesentlichen aus den drei Blöcken Grundfinanzierung mit 372 Mio. (26,6 Prozent), Forschungsaufträgen aus der Wirtschaft mit 463 Mio. Euro (33,1 Prozent) und öffentlichen Forschungsaufträgen von Bund und Ländern mit 406 Mio. Euro (29 Prozent) zusammen. Darüber hinaus gibt es noch EU-Projekte mit 65 Mio. Euro und sonstige Erträge mit 96 Mio. Euro.

Die Zahl der Fraunhofer-Beschäftigten kletterte deutlich von fast 17150 in 2009 auf 18130 in 2010. Die Fraunhofer-Gesellschaft scheinen derzeit keine Nachwuchssorgen zu plagen. Bullinger freute sich, dass seine Institute unter den Studenten zu den beliebtesten Arbeitgebern zählen (Universum Studentenbefragung 2010). Unter Naturwissenschaftlern liegt Fraunhofer auf Platz zwei hinter der Max-Planck-Gesellschaft, unter Informatikern auf Platz fünf und unter Ingenieuren auf Platz sechs.

In der Strategieentwicklung hat Fraunhofer einen Perspektivenwechsel vom Angebot zur Nachfrage vollzogen. Früher orientierte man sich an Technologien, heute stehen die „Märkte von Übermorgen“ im Mittelpunkt. Fünf Zukunftsfelder hat Fraunhofer identifiziert, die institutsübergreifend bearbeitet werden sollen:

  • Verlustarme Erzeugung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie
  • Bezahlbare Gesundheit
  • Produktion in Kreisläufen
  • Emissionsarme, zuverlässige Mobilität in urbanen Räumen
  • Erkennen und Beherrschen von Katastrophen

Für diese Märkte will Fraunhofer integrierte Lösungsansätze erarbeiten und sich zum Technologieführer in Europa entwickeln. Die Komplexität der einzelnen Forschungsgebiete erfordert, dass sich mehrere Institute zu Konsortien zusammenschließen. „Wenn wir die verteilten Kompetenzen und Technologien bündeln und zielgerichtet auf Bedarfsfelder konzentrieren, können wir umfassende Lösungen entwickeln, die von einzelnen Instituten allein nie zu leisten sind“, mahnte Bullinger.

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Die Zahlen der Fraunhofer Gesellschaft im Überblick

Die Zahlen der Fraunhofer Gesellschaft im Überblick

Besonders erfolgversprechende Projekte wurden in einem internen Wettbewerb ermittelt. Zunächst haben sich fünf Projekte herauskristallisiert, die mit 33 Mio. Euro gefördert werden. Bezug zum Fachgebiet Elektronik haben drei Projekte: Bei „Supergrid“ geht es um die effiziente Erzeugung, Speicherung und Verteilung elektrischer Energie. Bei „Hybride Stadtspeicher“ stehen unterschiedliche Speicherverfahren für elektrische Energie im Fokus und „Molecular Sorting for Ressource Efficiency“ befasst sich mit Trenn- und Sortiertechniken auf molekularer Ebene für eine ressourceneffiziente Produktion.