Semi-Forum Brüssel EU will Chip-Fertigung in Europa bis 2020 verdoppeln

Mit einem Paukenschlag begann das diesjährige SEMI-Forum in Brüssel: Die europäische Union wird 10 Mrd. Euro in die Chip-Industrie investieren und will damit 100 Mrd. Investitionen anschieben. Bis 2020 soll Europas Chipfertigung einen Marktanteil von 20 % erreichen, doppelt soviel wie heute.

SEMI-Präsident Heinz Kundert konnte die freudige Nachricht überbringen: Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, ist entschlossen, Europas Halbleiterfertigung radikal zu verbessern. 10 Milliarden Euro kommen seitens der EU auf dem Tisch und die Industrie hat zugesagt, weitere 100 Milliarden Euro investieren. "Wie die Erfahrungen von Airbus zeigen, ist es möglich, auch das Undenkbare zu erreichen. Europa hat die Stärken und Branchen, um einen Marktanteil von 20 Prozent bei der Chipherstellung bis 2020 wiederzuerlangen. Dies wird rund 250'000 neue Arbeitsplätze bringen. Allerdings wird es von größter Bedeutung sein, zusammen zu arbeiten und zu investieren, grenzüberschreitend und entlang der gesamten Wertschöpfungskette", sagte EU-Kommissarin Kroes.

Die neue europäische Strategie für die Industrie für die Mikro-und Nanoelektronik bildet den Rahmen für gezielte Investitionen in der Mikroelektronik. Eine „Industrial Strategy Roadmap“ für Investitionen, die bis Ende 2013 entwickelt wird, wird sich auf drei komplementären Linien konzentrieren:

  • Übergang zu 450-mm-Wafern mit Pilot-Linien, von welchem Fabtool- und Material-Hersteller in Europa profitieren.
  • "More than Moore" auf 200 mm und 300 mm
  • "More Moore" für die weitere Miniaturisierung von Fertigungsstrukturen auf 300-mm-Wafern

Die Investitionen werden auf Europa Exzellenzcluster in Fertigung und Design (Grenoble, Dresden und Eindhoven-Leuven) konzentriert, es werden aber auch Partnerschaften und Allianzen in der gesamten Wertschöpfungskette in Europa unterstützt. Ob es in Europa an einem dieser Standorte tatsächlich eine 450-mm-Wafer-Fab geben wird, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Auf Pilotlinien, aus denen High-Tech dann weltweit exportiert werden kann, hat man sich allerdings schon verständigt. In letzten Jahren war Europas weltweiter Anteil an der Chipfertigung war 2012 auf 9,3 % gesunken. 

Die SEMI hatte Maßnahmen zur Investitionen im verarbeitenden Gewerbe bereits in einem Whitepaper im Jahr 2008 gefordert und arbeitete in zwei High-Level-Gruppen der Key-Enabling-Technologies mit und auch in dem Beobachtergremium für die Umsetzung der Schlüsseltechnologien vertreten sein, das bis Ende 2013 aufgesetzt wird.

Im Jahr 2012 hatte SEMI einen Dialog zwischen den wichtigsten europäischen Akteuren der Branche aufgesetzt, der letztendlich jetzt zu der einheitlichen europäischen Halbleiter-Strategie und einer gemeinsamen Vision, wie die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas gestärkt werden kann, geführt hat.

Ob Heinz Kundert und seine Mitarbeiter auf Grund dieser guten Nachrichten eine Flasche Champagner geköpft haben, ist nicht bekannt – verdient hätten sie es nach vielen schwierigen Jahren, in denen sich die Politik den Interessen der Chip-Industrie eher verschlossen gezeigt hatte, sicherlich.