Geschäftszahlen von Renesas Electronics Erdbeben und Yen-Kurs drücken Umsatz und Ergebnis

Das Geschäftsjahr 2016 dauerte für Renesas nur neun Monate, aber war geprägt von Naturkatastrophen, der Übernahme von Intersil und von Restrukturierungsmaßnahmen, die das Unternehmen zukünftig auf Wachstumskurs bringen sollen.

Mit dem Geschäftsjahr 2016 passt Renesas Electronics seinen Bilanzzeitraum ans Kalenderjahr an. Statt zum 31. März enden die Geschäftsjahre von 2016 an zukünftig synchron zum Kalenderjahr am 31. Dezember. Dadurch wird ein Vergleich der Zahlen des Geschäftsjahrs 2016 zum Vorjahr schwierig. Renesas hat deshalb sowohl den Vorjahreszeitraum (April bis Dezember) als Vergleichsbasis genommen, als auch Quartalszahlen zu Kalenderjahresergebnissen zusammengefasst, um einen Vergleich zu ermöglichen. In beiden Fällen errechnet sich für das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr ein Rückgang des Nettoumsatzes um rund 10 Prozent. In Euro zum aktuellen Wechselkurs umgerechnet betrug der Nettoumsatz in den neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 3,93 Mrd. Euro. 3,81 Mrd. Euro wurden mit Halbleitern erwirtschaftet, zu 51 Prozent mit der Automobilindustrie und zu 49 Prozent mit anderen Branchen. Das operative Ergebnis ging um 37,9 Prozent auf 456 Mio. Euro zurück und der Gewinn sank auf 368 Mio. Euro um 41,9 Prozent, beides gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Für den deutlichen Umsatzrückgang nennt Renesas drei Gründe: der starke Yen, die Erdbeben im Bereich der japanischen Präfektur Kumamoto im April und August letzten Jahres, von denen die Halbleiterfertigung im Werk in Kawashiri beeinträchtigt wurde, und der Rückzug aus der Fertigung von Produkten, die außerhalb des Schwerpunktes liegen (Bild 1). Das Erdbeben am 14. April 2016 führte zu einer mehrtägigen Unterbrechung der Produktion. Erst am 22. April 2016 konnte das Werk in Kawashiri wieder starten und es dauerte einen Monat bis die alte Produktionskapazität erreicht wurde. Das Erdbeben am 31.  August 2016 hatte geringere Auswirkungen und bereits am 2. September 2016 lief die Produktion wieder mit der Kapazität, die vor dem Erdbeben erreicht wurde. Zwar gibt Renesas an, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 mehr Produkte verkauft zu haben, schränkt jedoch ein, dass es sich vorrangig um Halbleiter mit niedriger Marge handelte, so dass damit der Umsatzrückgang nur wenig kompensiert werden konnte.

Automobilindustrie sorgt für Optimismus

Das Geschäft mit der Automobilindustrie, etwa 1,93 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2016, teilt Renesas in zwei Kategorien ein: Steuerung (Motor und Fahrzeug), mit einem Anteil von aktuell 75 Prozent und Information, z.B. Navigationssysteme, mit 25 Prozent. Für beide Kategorien hat Renesas Mikrocontroller, Analog- und Leistungselektronikhalbleiter sowie SoCs im Angebot. Hier steigen die Umsatzzahlen seit drei Quartalen an, zuletzt um 9 Prozent. Für den dennoch erkennbaren Rückgang von (–3,5 Prozent) gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum (April bis Dezember 2015) ist hauptsächlich die Produktsparte Information verantwortlich. Demgegenüber blieb der Nettoumsatz mit Halbleitern zum Steuern von Motor und Fahrzeug konstant.

Mit allgemeinen Halbleiterprodukten konnte Renesas in den neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 umgerechnet 1,84 Mrd. Euro Nettoumsatz erzielen. Unter diese Produktgruppe fasst Renesas drei Kategorien zusammen: Industrie mit einem Anteil von zuletzt 30 Prozent, Büroautomatisierung und Informations- und Telekommunikationstechnik, z.B. Kopiergeräte und Geräte für die Netzwerkinfrastruktur, mit 25 Prozent Anteil, sowie allgemeine Anwendungen, wie z.B. Haushaltsgeräte, mit einem Umsatzanteil von 45 Prozent. Auch für diese Anwenderbranchen produziert Renesas neben Mikrocontrollern, analoge Schaltkreise, Leistungshalbleiter und SoCs. Hier musste Renesas gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang von 17,8 Prozent hinnehmen. Grund hierfür ist der Reformplan, der im Oktober 2013 begonnen wurde, und eine Konzentration vorsieht – mit dem Ausstieg aus der Fertigung von Produkten außerhalb des Schwerpunktes.

Von dem Umsatzrückgang sind alle drei Kategorien innerhalb der Gruppe allgemeiner Halbleiterprodukte betroffen. Der Reformplan soll zukünftig zu gleichmäßigen Erlösen führen und wurde im März 2016 abgeschlossen. Jedoch konnte erst im letzten Quartal 2016 der negative Trend umgekehrt werden. Gegenüber dem vorausgegangenen Quartal stieg der Umsatz um 5 Prozent (Bild 2).

Unter der Bezeichnung andere Halbleiter führt Renesas noch einen dritten Bereich auf, in dem Umsätze aus Dienstleistungen, wie z.B. Handel mit anderen Produkten, die keine Halbleiter sind, Entwicklung und Auftragsfertigung sowie Lizenzgebühren zusammengefasst werden. Hier konnte im Geschäftsjahr 2016 mit umgerechnet 116 Mio. Euro ein Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum erreicht werden.

Japan wichtigster Absatzmarkt

Japan ist für Renesas der wichtigste Zielmarkt mit einem Anteil von 45,3 Prozent im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016. Er stieg gegenüber dem Geschäftsjahr 2015 sogar noch um 1,6 Prozentpunkte. Zweitwichtigstes Land, mit einem Anteil von 16,1 Prozent, wurde für Renesas aktuell China. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2015 steigt der Anteil Chinas mit 0,3 Prozentpunkten nur minimal. Jedoch hat 2016 der Absatz in Richtung Asien (ohne China) um 2,2 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent nachgelassen. Damit liegt diese Region fast gleichauf mit Europa – 2016 und 2015 konstant bei 14 Prozent. In Richtung Nordamerika steigerte sich der Umsatzanteil um 0,4 Prozentpunkte auf aktuell 9,7 Prozent. Andere Regionen tragen lediglich zu 0,5 Prozent zum Nettoumsatz von Renesas bei.

Kaufen und Verkaufen

Die Übernahme von Intersil für 3,219 Mrd. US-Dollar, am 8. Dezember 2016 von den Intersil-Aktionären genehmigt, soll in der ersten Hälfte des Jahres 2017 wirksam werden. Eventuell noch vorher wird der Verkauf des Bereichs für Elektronik-Entwicklungsdienstleistungen und Bilderkennungssysteme der Renesas-Tochter Renesas Semiconductor Package & Test Solutions Co., Ltd. an Hitachi Maxell, Ltd. wirksam. In diesem Bereich wurden elektronische Baugruppen zur Steuerung von Industriegeräten und Halbleiterfertigungsmaschinen entwickelt und gefertigt sowie Bilderkennungssysteme entwickelt, produziert und verkauft – und im Geschäftsjahr 2015 ein operatives Ergebnis von umgerechnet 41,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Beide Unternehmen haben am 31. Januar 2017 eine Vereinbarung für den Verkauf getroffen. Bis zum 1. Mai 2017 soll die Übertragung abgeschlossen sein.

Für das laufende Geschäftsjahr 2017 erwartet Renesas, dass sich der im letzten Quartal begonnene, positive Trend auch im ersten Quartal 2017 fortsetzt. Neben der anhaltend starken Nachfrage aus der Automobilindustrie sollen die Reparaturen nach dem Erdbeben und der schwächere Yen zu höheren Umsätzen beitragen. Die Umsatzrendite im ersten Quartal 2017 soll zwar um einen Zehntel Prozentpunkt auf 13,6 Prozent sinken, da die Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöht werden.