Kommentar Ein echter Hammer: Intel und Rockchip bauen zusammen Mobil-SoCs

Mit Superlativen soll man bekanntlich ja vorsichtig sein, Intels Ankündigung, zusammen mit dem chinesischen Chip-Hersteller Rockchip SoCs für Low-Cost-Tablets bauen zu wollen, ist jedoch nichts anderes als eine Revolution im Geschäftsmodell des weltgrößten Halbleiterherstellers.

Intels Versuche, Marktanteile in Mobilgeräten zu gewinnen, waren in der Vergangenheit bekanntlich nur von geringem Erfolg gekrönt und wenn man Design-Wins zu vermelden hatte, dann im High-End-Bereich, wo die Kostenstrukuren nicht ganz so niedrig sind wie im Haifischbecken der Low-End-Geräte, die insbesondere in China zwar in Massen, aber dafür oft für 150 Dollar oder weniger über die Ladentheken gehen.

Intel hatte vor kurzem angekündigt, eine neue Familie von Einsteiger-BayTrail-SoCs aufzulegen, eine noch viel aggressivere Strategie gegen MediTek, Allwinner und Co. ist allerdings die strategische Partnerschaft mit Rockchip, die der Chipgigant jetzt angekündigt hat.

Rockchip ist einer von einer Handvoll Fabless-Halbleiterherstellern in China, die sich auf die Entwicklung von ARM-basierten Mobil-SoCs spezialisiert haben. Bei der jetzigen Vereinbarung geht es um Chips mit 3G-Modem und 64-bit-Quad-Core-CPUs des Typs Silvermont, auf denen das Betriebssystem Android laufen soll.

Intel begann das Gespräch mit Rockchip über diese Vereinbarung vor ein "paar Quartalen". Bis Mitte 2015 werden Intel und Rockchip ein neues SoFIA-SoC auflegen, das mit vier x86-Silvermont-Cores und einem Intel-3G-Modem ausgestattet sein wird. Intel liefert die IP und Rockchip wird die Design-Integration vornehmen.

Der ursprüngliche Fahrplan für SoFIA beinhaltete einen Dual-Core mit integriertem 3G ab Ende 2014 sowie einen Quad-Core mit LTE bis Mitte 2015. Für den chinesischen Markt war der Dual-Core (vor allen Dingen aus Marketingsicht) zu schwach und die LTE-Quad-Core-Option für diesen sehr preissensitiven Markt zu teuer. Durch die Partnerschaft mit Rockchip nutzt Intel Ressourcen des Rockchip-Design-Teams, um den Chip ohne weitere Kosten für Intel marktfähig zu machen, von einer relativ niedrigen Marge kann man auf jeden Fall ausgehen. Da Rockchip im letzten Jahr rund 40 Millionen Tablets bestückt hat, kann sich das Geschäft trotzdem lohnen.

Im Gegenzug wird Rockchip als erstes Unternehmen ein Intel-branded-SoC mit x86-CPU anbieten können. Der Low-Cost-ARM-basierte SoC-Markt ist total überfüllt und die Differenzierung extrem schwierig, wenn alle Konkurrenten Zugriff auf die gleiche ARM-CPU-IP haben. In diesem Fall bekommt Rockchip Zugang zur Silvermont-CPU, die seitens der Rechenleistung zumindest alle ARM-Cortex-A7/A5/A17-Designs übertreffen wird - und zu einem integrierbaren Modem, eine IP, die ARM nicht liefern kann.

Intel erklärte nicht im Detail, wie die Vereinbarung aussieht, außer, dass auch Rockchip eigene IP in das SoC einbringen wird z.B. in Form einer lizensierten GPU und Konnektivitätsblöcken. Aktuelle Rockchip-Produkte verwenden ARM- und Vivante-GPUs, so dass ich vermute, dass am Ende SoCs mit Intels x86-Cores und ARMs Mali-GPUs herauskommen werden – da auch im Modem ARMs Cortex-R4 verbaut ist, profitiert ironischerweise auch ARM von jedem verkauften Intel-Chip.

Dieser Ansatz ist für Intel völlig neu, aber alles andere als dumm: Durch die Nutzung von Rockchip als verlängerte Design-Werkbank dürfte sich eine wesentlich geringere Kostenstruktur ergeben, als wenn Intel alles selbst machen würde. Intel selbst sagt, das SoC werde seitens des Preises „sehr wettbewerbsfähig“ sein. Als Auftragsfertiger wird ohnehin die Foundry TSMC genutzt werden. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass die Chinesen Zugriff auf Intels x86-CPU-IP bekommen.

Jedes Unternehmen wird sich auf den Verkauf der Intel-branded Chips an seine eigenen Kunden konzentrieren. Intel legt natürlich nicht offen, welche Gewinnbeteiligung/Einnahmen jeder Partner erhält. Auf jeden Fall kann Rockchip parallel auch weiterhin ARM-basierte SoCs verkaufen und es gibt keine finanziellen Investitionen von Intel in Rockchip .

Obwohl sich die Ankündigung nur konkret auf ein Produkt bezog (Quad-Core-Silvermont mit integriertem 3G), betonte Intel, dass der Deal strategisch sei - was bedeutet, dass wir im Laufe der Zeit mehr Produkte sehen werden. Wenn das erste Quad-Core-Design gut funktioniert, sehe ich in der Zukunft eine weitere Verschiebung seiner mobilen SoC-Design-Integration zu Rockchip.

Fest steht auf jeden Fall schon heute, dass Intel bereit ist, auch neue Ansätze zu versuchen, um sein Mobilgeräte-Chip-Geschäft anzukurbeln. Diese dürften bei Intels Anteilseignern mehr als willkommen sein.

Und dann ist da noch der fertigungsunabhängige Vergleich der Silvermont-CPU auf TSMCs 28-nm-Prozess vs. Apples A7 auf Samsungs 28 nm-Prozess vs. Qualcomms Snapdragon auf TSMCs 28 nm-Prozess. Ich bin sehr gespannt, wie sich der x86 gegen die ARM-Flagschiffe ohne Intels Fertigungsvorsprung schlägt.