Buchbesprechung Die Rettung von Microchip

Als Steve Sanghi im Jahr 1990 das Amt des CEO beim Halbleiterhersteller Microchip übernahm, war das Unternehmen konkursreif: Kein Geld, veraltete Technologie, ineffiziente Produktion und demoralisierte Mitarbeiter prägten das Bild. Heute ist Microchip Marktführer bei den 8-bit-MCUs und finanziell kerngesund.

Wie Sanghi und sein Management-Team Microchip retteten, kann man in dem von ihm zusammen mit seinem damaligen HR-Manager Michael J. Jones verfassten Buch „Driving Excellence“ nachlsen. Dort wird das „Aggregate System“ beschreiben, ein ganzheitlicher Ansatz, wie man eine kaputte Firma erfolgreich sanieren kann. Was das Buch von anderen Management-Büchern dieser Art unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Erfolg der beschriebenen Methode in der Praxis bewiesen wurde und dass interessante neue Ideen vermittelt werden, so z.B. eine mathematische Gleichung zur Berechnung der Leistung eines Mitarbeiters und ein darauf basierendes Vergütungssystem.

Ungewöhnlich ist auch die schonungslose Abrechnung mit diversen Manager-Charakteren, die nach Meinung der Autoren die positive Entwicklung einer Firma verhindern wie der Strippenzieher oder der Blockierer. Im „Aggregate System“ führen Manager zuvor definierte Rollenmodelle aus.

Es soll ja auch heute noch Unternehmen geben, in denen der gewöhnliche Mitarbeiter den CEO noch niemals zu Gesicht bekommen hat. Sanghi führte bei Microchip sogennnate „Quarterly Employee Communication Meetings“ ein, in denen er direkt zu den Mitarbeitern spricht und die aktuellen Management-Entscheidungen erläutert-auch wenn diese manchmal schmerzlich waren. Und was auf den ersten Blick überrascht: Seit 1990 hat er nicht eines dieser Meetings wegen angeblich „wichtigerer Termine“ verpasst oder verschoben. Desweiteren wurden regelmässige Mittagessen mit zufällig ausgewählten Mitarbeitern angesetzt, weil Sanghi daran interessiert ist, deren Probleme und Bedürfnisse aus 1. Hand zu erfahren und nicht über diverse Management-Ebenen „weichgespült“. Last but not least wurde – zunächst gegen den Willen zahlreicher Mitarbeiter aus niedrigem und mittleren Management – eine „Open Door Policy“ implementiert, die es jedem Mitarbeiter erlaubt, Probleme direkt an das Top-Management zu adressieren und ihren direkten Vorgesetzten zu übergehen, ein doch eher ungewöhnlicher Ansatz.

„Driving Excellence“ ist ein sehr lesenswertes Buch, weil es z.T. ungewöhnliche Massnahmen beschreibt, eine Firma erfolgreicher zu machen. Microchip selbst ist das beste Beispiel, wie ein quasi klinisch toter Patient mit Hilfe des „Aggregate System“ geheilt werden konnte. Insofern ist das Buch nicht nur Leser interessant, die an dem Halbleiterhersteller Microchip und dessen Entwicklung interessiert sind.

Sanghi, S.; Jones, M.: Driving Excellence. John Wiley & Sons, Inc. 2006, ISBN 978-0-471-78484-5.